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Wortwitze auf hohem Niveau

Kabarettistin Patti Basler und der Pianist Philippe Kuhn setzten sich in Steinhausen eloquent mit dem Thema Nachsitzen auseinander.

Für Kultur Steinhausen: Ivo Studer
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Patti Basler und Philippe Kuhn performen auf der Bühne.

Patti Basler und Philippe Kuhn performen auf der Bühne.

Bild: PD

Die Spoken-Word-Kabarettistin Patti Basler und der Pianist Philippe Kuhn begeisterten das Publikum in Steinhausen. In ihrem Programm «Nachsitzen, aus Gründen» erforschten sie den Menschen als lernendes Wesen im grossen Ganzen. Die Gründe für die Nachsitzerei wurden buchstäblich analysiert und danach neu und überraschend wieder zusammengesetzt. Dazu diente das Bühnendekor: simpel, Buchstaben, die immer zu neuen Worten zusammengesetzt werden konnten:

«Natürlich wollen wir alles erreichen. Aber wir sind gefangen in unseren Steinzeitkörpern. Genetisch determiniert. Wir ahnen, das Gras ist grüner auf der anderen Seite. Wenn wir diese nicht erreichen, dann hilft nur noch Nachsitzen. Denn wer will schon vorpreschen? Der Frühförderungswahn ist ein einziger Stress. Um in den grünen Bereich zu gelangen, klingt ‹Nachsitzen› um einiges gemütlicher.» Und Gründe zum Nachsitzen gebe es zur Genüge. «Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht», war eine ihrer Kernbotschaften.

Patti Basler durchmass ein breites Themenspektrum: Sie begann ihr Programm mit Anspielungen auf den Kanton Zug und Steinhausen. Frühförderung, Lehrplan 21, Wechsel­jahre (= Change-Management) und Jassen waren unter anderem weitere Themen, welche pointiert abgehandelt wurden, aber auch Politiker, vor allem aus einer Partei, bekamen ihr Fett weg. Sie mischte anspruchsvolle Sprachspiele mit träfen Sprüchen, Scharfes mit Poetischem. Ihre Anspielungen, ihr Wortwitz und die Pointen kamen mit einer solchen Geschwindigkeit, dass man ihr als Zuhörerin die ganze Aufmerksamkeit widmen muss. Dabei wurde sie von Philippe Kuhn kongenial mit Worten und Musik unterstützt.

Patti Basler gelang das Kunststück, zwar sehr wohl moralisch zu sein, aber eben nicht moralinsauer. Das machte «Nachsitzen» so bekömmlich und vergnüglich.

Witzeln mit einer gesunden Portion Selbstironie

Sie witzelte auch mit einer gesunden Portion Selbstironie über ihre eigene Figur. So sei sie beispielsweise von der Empa engagiert worden, um Belastungstests von BH-Stoffmaterial zu machen.

Zum Abschluss ihrer Performance überraschte Patti Basler mit ihren gesanglichen Qualitäten, hervorragend begleitet von Philippe Kuhn am Flügel trug sie zwei Lieder vor, eines davon der «Lockdown-Rap».