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Gefährliche Strecke: Wenn die Busfahrt der Kindergärtler begleitet werden muss

Die Schule Menzingen sucht eine Begleitperson für Kindergartenkinder - für die Busstrecke zwischen Neuägeri und Unterägeri. Was es mit der auf den ersten Blick kuriosen Ausschreibung auf sich hat.

Carmen Rogenmoser
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Es ist eine Stellenausschreibung, die man mindestens zweimal lesen muss: Die Schule Menzingen sucht für das Schuljahr 2021/2022 eine Begleitperson für den Bus. So weit, so gut. Betreuen soll diese Person laut der Ausschreibung im Zuger Amtsblatt Kindergartenkinder auf ihrem Schulweg mit dem Bus auf der Strecke vom Schmittli in Neuägeri bis zum Zimmel in Unterägeri. Ebenfalls zur Aufgabe gehört die Hilfe beim Überqueren der Fussgängerstreifen am Ein- und Ausstiegsort. Zuständig ist die Begleitperson für ein bis drei Kindergartenkinder, dies an vier bis fünf Vormittagen und eventuell ein bis zwei Nachmittagen.

Die Schule Menzingen sucht also jemanden, der Kindergärtler von Neuägeri mit dem Bus nach Unterägeri begleitet. Zu Stande kommt diese Konstellation, weil das Gebiet Cholrain politisch zur Gemeinde Menzingen gehört, geografisch aber eigentlich in Neuägeri liegt.

Die betroffenen Kindergartenkinder wohnen in ebendiesem Quartier. «Die Schülerinnen und Schüler können jedoch nach Unterägeri zur Schule, es besteht ein Abkommen zwischen beiden Gemeinden. Für den Schulweg ist die Wohnortsgemeinde des Kindes zuständig», erklärt Richard Hänzi, Rektor der Schulen Menzingen, auf Nachfrage.

Der Schulweg ist für die Kinder nicht zumutbar

Aufgefallen ist das Inserat auch einer Leserbriefschreiberin. Ihr geht es aber nicht um geografische Unklarheiten, sondern darum, weshalb es überhaupt eine Begleitperson braucht. «Es ist doch auch den Eltern zumutbar, dass sie ihr Kind kurz über die Strasse vom/zum Bus begleiten oder sich die Eltern untereinander abwechseln», schreibt sie. Andererseits fragt sie, ob das Stellengesuch etwas mit den momentanen Strassenarbeiten und der damit verbundenen schlechten Übersicht beim Schmittli zu tun habe.

Das hat es nicht, wie Richard Hänzi erklärt. «Ob ein Weg als zumutbar erscheint, hängt im Wesentlichen von drei Kriterien ab: Von der Person des Schülers, von der Art des Schulwegs und von der Gefährlichkeit des Weges», zitiert er das Schweizerische Schulrecht. In verschiedenen Entscheiden von Erziehungsdirektionen werde die Zumutbarkeit der Überquerung von Strassen thematisiert, so Hänzi. Er bezieht sich auf einen Entscheid des Erziehungs- und Kulturdepartements Luzern vom August 1998:

«Die Überquerung einer täglich von mehr als 10'000 Fahrzeugen befahrenen Kantonsstrasse ist trotz Ampelanlage einem Kind im Kindergartenalter nicht zuzumuten.»

An besagter Stelle sei das Verkehrsaufkommen vorhanden, eine Ampelanlage gebe es nicht. Ebenfalls sei gemäss Fachliteratur die selbstständige Benützung öffentlicher Verkehrsmittel für Kindergarten- und Basisstufenschüler nicht zumutbar.

Ausserdem ist die Schulweg-Begleitung auf dieser Strecke nichts Neues. «In diesem Schuljahr konnte diese Begleitung durch die Schulergänzende Betreuung der Gemeinde Unterägeri übernommen werden», sagt Hänzi. Für das kommende Schuljahr wird nun eine andere Lösung gesucht.