Massnahmengegner
Neun Wegweisungen, eine Verhaftung: 3000 Coronagesetz-Gegner treffen sich zum zweiten Mal in Zug

Rund 3000 Personen nahmen laut Schätzung der Zuger Polizei teil. Die Zug der Kundgebungsteilnehmer lief zuerst vom Kreisel General-Guisan-Strasse/Allmendstrasse zum Bahnhof Zug und von dort wieder zum Ausgangspunkt auf dem Stierenmarktareal.

Marco Morosoli
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Trychlen, Trychlen, Trychlen über alles. Diese Grossausgaben von Kuhglocken machen im Verband einen ohrenbetäubenden Lärm. Das war auch bei der Veranstaltung der Freunde der Verfassung und ihren Mitstreitern am Sonntagnachmittag (13. Juni 2021) auf der ganzen Länge des Umzuges Trumpf. Dieser führt vom Kreisel General-Guisan-Strasse/Allmendstrasse bis zum Verkehrsknoten Gubelstrasse/Dammstrasse und dann wieder zurück zum Stierenmarktareal.

Video: Patrick Hürlimann (Zug, 13. Juni 2021)

Die Zuger Polizei blieb mit ihren Sicherheitskräften bei diesem Marsch für die Freiheit dezent im Hintergrund.

Die Speerspitze der Abordnung machten zwei Schweizer Fahnen. Das den Trychlern folgende Fussvolk der «Freunde der Verfassung» ist ein bunt gemischter Haufen.

Bild: Patrick Hürlimann

Es hat Mitläufer darunter, die dem esoterischen Kreis zuzuordnen sind. Es werden Babys getragen, es hat aber auch viele Umzugsteilnehmer, die ihre Pensionierung schon länger hinter sich haben. Einige tragen ein Transparent mit, andere wiederum scheinen im Stillen ihre Überzeugung nach aussen zu tragen. Eine grössere Gruppe trägt in einem Lila-Shirt ihre Meinung spazieren. Auf einem weiteren blauen T-Shirt prangt der Slogan «das Mass-voll!» Das M ist in Übergrösse auf das T-Shirt gedruckt. Diese Gruppierung will, dass sie «als mündige Menschen wieder ein selbstbestimmtes Leben führen können».

Bild: Patrick Hürlimann

Von Fahnen und emsigen Unterschriftensammlern

Was auch zu den Kundgebungen dieser sehr gemischten Gruppen gehört: Fahnen.

Bild: Patrick Hürlimann

Bild: Patrick Hürlimann

Bild: Walter Bieri / Keystone

Wohl symbolisierend, dass sie stolz sind, aus dem oder aus diesem Kanton zu stammen. Es fehlen eigentlich nur die Fahnenschwinger und der am Strassenrand stehende Passant bekäme das Gefühl, als sei bereits im Juni Zeit, den Nationalfeiertag zu begehen.

Derweil sind ein paar Unterschriftensammler für das nächste Referendum unterwegs. Stein des Anstosses, welcher die Freunde der Verfassung, den Verein Stiller Protest und dem Aktionsbündnis Urkantone sowie ihren zahlreichen Ablegern überall in der Schweiz zu dieser Sammlung bewegt, ist das Covid-19-Gesetz. Der Bundesrat erliess es am 19. März 2021.

Auf der kleinen Bühne auf dem Stierenmarktareal sagt dann später Marco Häni ‒ er ist einer der Exponenten der Freunde der Verfassung ‒ dass er für den Abstimmungssonntag drei Reden in den Ampelfarben vorbereitet habe. Er müsse nun die Rote halten:

«Ja, wir haben die Abstimmung mit dem Covid-19-Gesetz verloren, doch wir haben auch gewonnen.»

Häni hat, wie es viele Vertreter von Schweizer Parteien schon lange tun, eine eigentliche Niederlage an der Urne zu einem Sieg umgemünzt. Vor einem Jahr habe sie noch niemand gekannt. Als würde er sich selber auf die Schulter klopfen, sagte er mit breiter Brust: «Wir haben gewonnen.»

Es gelte nun, das Visier neu einzustellen. Hännis Kommentar zur Abstimmung über das Covid-19-Gesetz: «Die Erpressung hat funktioniert. Der Stimmbürger hat sich gegen die Freiheit und für die Angst entschieden.» Ferner sei der für das Gesundheitswesen verantwortliche Bundesrat Alain Berset «ein Lügner». Aus dem Publikum sind dann noch träfere Worte zu hören.

Viel Handarbeit aber auch von Hand Gestricktes

Was bei der Kundgebung in Zug auffällt: Viele Teilnehmer der Demonstration schreiben ihre markigen Ausdrücke mit der Hand auf einen Karton. Einer schrieb: «Das schlimmste Virus ist der blinde Gehorsam.»

Bild: Walter Bieri / Keystone

Andere fanden den Ausdruck «Spalten und Herrschen, ein fauler Trick der Mächtigen» passend. Besonders krass:

«Impf-Genozid»

Ob der Urheber dieses Schlagwortes weiss, was er geschrieben hat?

Bild: Walter Bieri / Keystone

400 Personen an unbewilligten Demos in Luzern

Am Samstag hatten sich in Luzern rund 400 Leute zu einer Demonstration gegen die Coronamassnahmen sowie einer Gegen-Kundgebung dazu versammelt. Dabei nahm die Polizei zwei Personen fest. Im Gegensatz zur Demonstration in Zug, waren die beiden Kundgebungen in Luzern nicht bewilligt. (rem)

Marco Häni von den Freunden der Verfassung macht aus seiner Seele kein Geheimnis und sagte, dass nur Lebendiges gegen den Strom schwimmen könne. In seinem Kampf will er sich weiter aufopfern und er geht sogar noch weiter: «Ich gehe lieber ins Gefängnis oder unter die Erde, als dass ich meine Freiheit aufgebe.»

Das Bühnenprogramm geht dann weiter mit harten Fakten und etwas für das Herz und den Herzschmerz. Zuerst erzählt der Satiriker Andreas Thiel ziemlich wirr aus seinem früheren Leben und beendet sein Votum mit dem Ausdruck: «Die Freiheit ist bedroht wie nie zuvor.»

Bild: Patrick Hürlimann

Christoph Pfluger, ein freier Journalist aus dem Kanton Solothurn, der ebenfalls dem Netzwerk wider das Covid-19-Gesetz gehört. sagte zudem, wie er sich den weiteren Weg vorstellt: «Wir müssen mit Leuten aus dem Widerstand konstruktive Politik machen.» Ebenso zum Drehbuch solcher Kundgebungen gehört das Singen der Landeshymne. Alle vier Strophen sind gefordert, aber bei der letzten machte kaum noch einer stimmlich mit.

Grosser Aufmarsch

Die Zuger Polizei schätze die Teilnehmerzahl der vom Zuger Stadtrat bewilligten Kundgebung auf rund 3000 Personen. Die Kameras entlang der Achse Bahnhof Zug - Gubel- und General-Guisan-Strasse seien für die Echtzeitüberwachung, so die Sprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden Judith Aklin, eingesetzt worden. So werde die Sicherheit erhöht. Es sei, so Aklin, nichts passiert. Eine Auswertung habe deshalb nicht stattgefunden. Ferner erklärte Aklin, dass die Zuger Polizei gegen neun Personen, welche die Veranstaltungen hätten stören wollen, Wegweisungen ausgesprochen werden mussten. Ferner verhaftete die Zuger Polizei einen 36-Jährigen, der gegen einen Mitarbeiter der Transportpolizei tätlich geworden war.

Weitere Bilder der Demonstration: