Klassik
Esther Hoppe über ihre jüngste Einspielung: «Man kann von ‹Königsdisziplin› sprechen»

Die Zuger Violinistin Esther Hoppe hat Bachs Sonaten und Partiten BWV 1001–1006 eingespielt. Der Zyklus gilt als ein Höhepunkt der abendländischen Geigenliteratur.

Andreas Faessler Jetzt kommentieren
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Musik für Violine solo entstand erstmals in der Zeit des Barocks. Im 19. Jahrhundert verlor dies stark an Popularität, man komponierte mit einer Begleitstimme, meist für Klavier. Erst im 20. Jahrhundert entdeckten zeitgenös­sische Komponisten den Reiz der Geige im «Alleingang» neu.

Zu den bedeutendsten Werken für Violine solo in der Musikgeschichte zählt Johann Sebastian Bachs (1685–1750) Zyklus von je drei Sonaten und Partiten BWV 1001–1006. Die sechs Kompositionen werden gemeinhin als Höhepunkt der abendländischen Violinmusik angesehen. Die international tätige Zuger Berufsviolinistin Esther Hoppe hat die sechs einzigartigen Bach-Werke auf CD eingespielt. Ende September ist diese am Markt erhältlich.

Die Frage an die Zugerin, ob sie BWV 1001–1006 als eine Art Königsdisziplin der Geigenliteratur ansehen würde, bejaht sie. «DieBach-Sonaten-und-Partiten werden von allen Geigerinnen und Geigern gleichermassen bewundert und gefürchtet, sie sind sozusagen unsere ständigen ­Begleiter», so Esther Hoppe. Die Kompositionen seien so gehaltvoll, dass man immer wieder Neues entdecke und Neues dazulerne.

Viele würden die Werke täglich üben. Sie sind nicht zuletzt eine Art Massstab: «Denn sie zeigen gnadenlos auf, wenn an der musikalischen Interpretation oder an der Technik etwas fehlt», sagt die Musikerin. «Insofern kann man durchaus von ‹Königsdisziplin› sprechen.»

Ideale Voraussetzungen für das ambitionierte Projekt

Sie selbst war im frühen Teenageralter, als sie zum ersten Mal einen Satz aus diesem besonderen Zyklus eingeübt hat. «Ich fand es wohl ‹schön› und habe es sicher gerne gelernt», so ihre vage Erinnerung. Aus heutiger Sicht aber weiss sie:

«Ich war mir damals natürlich überhaupt nicht bewusst, was ich da vor mir hatte!» .

Im Laufe von Esther Hoppes Karriere flammte der Gedanke an eine Gesamteinspielung von BWV 1001–1006 immer mal wieder auf. «Dann kam die Pandemie und alle geplanten Konzerte fielen von einem Tag auf den anderen weg.» Da sei dann auch die Idee nicht weit gewesen, dass dies nun der perfekte Moment sein könnte, die Aufnahme zu realisieren. «Denn wann hat man schon die Möglichkeit, sich zu Hause ohne den üblichen Konzertstress so mit diesen Werken auseinanderzusetzen?», fährt die Zugerin fort und fügt an:

«Das Innehalten und In-sich-Kehren
waren ideal für diese Musik.»

Schliesslich sei alles schnell vonstattengegangen – das Glück spielte ihr zudem in die Hände: Das Schweizer Klassiklabel Claves Records war sogleich Feuer und Flamme für dieses Vorhaben. «Und mein Lieblingstonmeister hatte gerade Zeit und Lust, mit mir dieses Projekt umzusetzen.» Damit nicht genug: Die akustisch bestens geeignete Zürcher Neumünster-Kirche als gewünschter Aufnahmeort war zum vorgesehenen Zeitpunkt verfügbar. Die Vorzeichen für eine erfolgreiche und gelun­gene Einspielung hätten also besser nicht sein können.

Und jetzt liegt die Gesamtaufnahme von Bachs Sonaten und Partiten für Violine solo von und mit Esther Hoppe als ansprechend gestaltete Doppel-CD mit ausführlichem Booklet vor und kommt bald in den Handel.

«J. S. Bach: Sonatas&Partitas for solo violin» von und mit Esther Hoppe, ab 30. Sept. erhältlich. Vorbestellung: www.claves.ch

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