Ein Künstlerquartett aus ein und derselben Freiämter Familie

Mutter, Töchter und Partner der Familie Konrad stellen ihre Gemälde gemeinsam in der Mall of Switzerland aus. Die gewaltige Schaffenskraft der vier in Stil und Ausdruck sehr unterschiedlich arbeitenden Künstler ist beeindruckend.

Cornelia Bisch
Drucken
Die Künstler Edith Konrad, Michelle Konrad, Carmela Konrad und Philipp Leon Fankhauser vor den Werken von Edith Konrad (v.l.n.r.).

Die Künstler Edith Konrad, Michelle Konrad, Carmela Konrad und Philipp Leon Fankhauser vor den Werken von Edith Konrad (v.l.n.r.).

Bilder: Matthias Jurt (Ebikon, 30. Oktober 2020)

Dass vier Kunstmaler gemeinsam ausstellen, kommt sicher ab und zu vor. Dass sie jedoch alle aus derselben Familie stammen und ausserdem begabte Musiker sind, ist ziemlich einzigartig. Familie Konrad aus Sins und Ebikon zeigt ihr künstlerisches Schaffen bis am 28. November in der Mall of Switzerland in Ebikon.

Edith Konrad hat sich mit ihren meist grossformatigen Bildern in Mischtechnik, die schemenhafte Figuren in warmen Erdtönen zeigen, bereits vor vielen Jahren im In- und Ausland einen Namen gemacht. Auch in dieser Ausstellung sind die geheimnisvollen Figuren, teils auch in schlanken, langgezogenen Formaten und kräftigen Farbkontrasten vertreten:

«Mit ihnen ist man nie allein», scherzt die Künstlerin. «Und sie sind still und beklagen sich nie.» Mit stimmigen Landschafts- und verspielten Tiermotiven weicht die Altmeisterin jedoch ab vom gewohnten Muster und beweist ihre wache Experimentierfreude. «Ich lege manchmal zehn Schichten übereinander», erzählt sie. Die Auseinandersetzung mit den verschiedensten Materialien, mit denen sie immer neue Effekte erzielt, reizt die Künstlerin besonders.

Von ihr und ihrem Mann, dem Musiker Robert Konrad, haben die beiden Töchter Michelle und Carmela ihre vielfältigen Talente geerbt und veredelt. Michelle Konrad ist als Rhythmikerin, Dozentin und Künstlerin tätig. Ihre Bildsprache ist geprägt von feinen Mustern, in Farbe und Form von der Natur inspiriert. Die Motive erinnern an stilisierte Blumen, Blätter oder Steine:

«Mir gefallen grafische Formen», erklärt sie. Ihre Technik ist der Druck. «Ich schnitze Vorlagen aus Linoleum oder Holz und drucke sie mit Acrylfarbe auf Leintücher.» Ihre Bilder seien Kraftbotschaften, betont die zweifache Mutter. Sie widerspiegeln aber auch Humor und Temperament der Künstlerin, indem sie die Muster immer wieder scheinbar willkürlich durch Unregelmässigkeiten, etwa durch ein auf den Kopf gestelltes Motiv, unterbricht, was den Werken spielerische Raffinesse verleiht.

Aus Gedichten erwachsen Bilder

Philipp Leon Fankhauser, Carmela Konrads Partner, hat als Musiker, Komponist, Sänger, Dichter und Kunstmaler die breiteste künstlerische Palette zu bieten. Seine Bilder versteht er als poetische Essenz seines kreativen Schaffens. Sie zeigen stimmige Kompositionen stilisierter Figuren und Formen von beeindruckender Tiefe und Ausdruckskraft, umrahmt von weichen Linien und erfüllt von wohltuend sanften Farben. Auch er bevorzugt Erdtöne:

Der Einfluss seiner Schwiegermutter Edith Konrad auf Fankhausers Kunst ist erkennbar. «Sie ist eine sehr grosszügige Person, die mir so viel gezeigt hat», sagt er freimütig. Dennoch hat der Künstler seinen ganz eigenen Stil entwickelt, der sich wesentlich vom Schaffen Edith Konrads unterscheidet. «Ich bin den existenziellen Gesetzmässigkeiten der Kunst und des Lebens auf der Spur», stellt er klar. In seinem Schaffen verbindet er alle seine künstlerischen Fähigkeiten. «Die Arbeiten vermischen sich und befruchten sich gegenseitig.» In einem intuitiven, manchmal fast magischen Prozess greife ein Gedicht einen Gedanken auf, führe ihn in der Musik fort und schlage sich schliesslich in einem Bild nieder. Eine Reihe von Gedichten begleitet denn auch die ausgestellten Werke.

Intuition ist die Parallele, die Fankhausers Schaffen mit dem seiner Partnerin Carmela Konrad verbindet. «Ich weiss am Ende oft nicht mehr, wie das Bild genau entstanden ist», gesteht sie. Die begnadete Sopranistin, die auf den grossen Bühnen der Schweiz und Europas zu Hause ist, tanzt mit ihrem von kräftigen Regenbogenfarben und unerschöpflichem Detailreichtum geprägten Malstil am meisten aus der Reihe:

Sie sitzt oft während mehrerer Monate an einem Werk, das sie mit Tusche aufzeichnet und mit dichter Aquarellfarbe koloriert. «Meine Bilder haben eine starke Symbolkraft», betont sie.

Ihre Motive sind Tiere, Pflanzen, Gesichter, Körperteile, weibliche und männliche Symbole, die ineinander, miteinander und voneinander erwachsen. Manche der filigranen, erstaunlich präzise ausgeführten Kompositionen erinnern an Wimmelbilder aus Kinderbüchern, in denen immer wieder neue Motive und Zusammenhänge erkennbar sind. «Schöpferkraft, Liebe und Beziehungen sind starke Leitmotive, die ich zum Ausdruck bringen will», so die Künstlerin.

Die Werke der Familie Konrad sind in einem Seitenflügel des obersten Stockwerks der Mall of Switzerland grossräumig ausgestellt. In diesem Jahr ist es die letzte Ausstellung der Reihe «Kunst in der Mall», in der Künstler der Zentralschweiz gezeigt werden.

Hinweis

Die Ausstellung ist bis 28. November in der Mall of Switzerland zu sehen. Montag bis Donnerstag 9 bis 19 Uhr, Freitag 9 bis 21 Uhr, Samstag 8 bis 17 Uhr.