Kolumne «Zuger Ansichten»
Diese Kommission hätte etwas zu sagen

Der Kantonsrat soll in Sachen öffentlicher Verkehr wieder mitreden. Dafür hat es früher bereits einmal eine Kommission gegeben.

Jean Luc Mösch, Kantonsrat Mitte, Cham
Jean Luc Mösch, Kantonsrat Mitte, Cham
Drucken

Am 3. September 2022 feierte der Kanton Zug zu Recht das gelungene «ZUG Fäscht».

Ohne die Bahnerschliessung im Kanton Zug hätte dieser keine derartige wirtschaftliche Entwicklung hingelegt, und der heutige Standortvorteil wäre nicht möglich geworden. Diese Bahnverbindungen waren und sind auch heute noch ein wichtiger Pfeiler bei den ÖV-Verbindungen im Kanton Zug. Mit dem Bau der Erfolgsgeschichte Stadtbahn wurde dieses Netz perfektioniert. Die Leistungsfähigkeit der bestehenden Bahntrassen kommt jedoch zunehmend an ihr Limit, was sich auch bei der Stadtbahn in Bezug auf die Pünktlichkeit bemerkbar macht. Wir sollten uns bewusst sein, dass es an der Zeit ist, sich nicht auf den Errungenschaften auszuruhen, denn die technische Entwicklung und Digitalisierung sowie die damit einhergehenden Bedürfnisse der Kundschaft an den ÖV im sich verdichtenden Kanton Zug gehen unweigerlich weiter.

Daher ist es an der Zeit, dass im Kanton Zug die Diskussion und Planung im Bereich des öffentlichen Verkehrs betreffend neue Möglichkeiten ernsthafter angegangen werden. Es gilt die Prüfung neuer Bahntrassen oder Systeme mit Zukunft, von Monorail bis Schwebebahn, anstatt Busverbindungen mit Umsteigezwang und mehreren Tarifzonen zu forcieren.

Bedauerlicherweise wurde im Kantonsrat die Kommission öffentlicher Verkehr (KöV) abgeschafft, denn nun liegt der Ball ausschliesslich bei der Verwaltung. Dieser Missstand zeigt sich auch darin, dass der Neubau der Bahnverbindung zwischen Cham und Steinhausen nie wirklich angegangen wurde, obschon dies heute für das sich entwickelnde Gebiet Städtler Allmend und Sumpf dringend notwendig und sinnvoll wäre.

Ebenso zeigt es sich eindrücklich, dass den Bedürfnissen der älteren Generation mit dem Abbau der Fahrkartenautomaten und der Fahrkartenentwertungsmöglichkeit ausserhalb des Busses in keiner Art und Weise nachgekommen wird. Fahrkarten entwerten in einem anfahrenden Bus ist für die älteren Personen ein Wagnis und führt durchwegs zu Unfällen, wie mir kürzlich von Seniorinnen zugetragen wurde.

Im Weiteren wurde die Äusserung eines Mitarbeiters des ÖV-Betriebes wiedergegeben, welcher sagte, dass sich das Problem mit dem Wegsterben der betroffenen älteren Generation von selbst erledige, bzw. betreffend den entfernten Fahrkartenautomaten von selbst lösen werde. Solche Aussagen erachte ich als stossend und es gilt daher, alles daran zu setzen, dass der Service public für alle Generationen und Nutzer/-innen ohne Hürden, ob technischer oder digitaler Art, angeboten wird. Dies gehört eben auch zum Gesamtpaket des ÖV-Angebotes dazu. Mit der (Re)Aktivierung der Kommission öffentlicher Verkehr (KöV) hätte der Kantonsrat wieder mehr Gewicht in dieser Sache.

In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.