Die Elektro-Hausse scheint vorbei

Nickel und Kobalt sind wesentliche Bestandteile von Batteriemotoren und deshalb für den E-Fahrzeugmarkt interessant. Doch die Preise sind in den letzten Monaten eingebrochen.

Raphael Bühlmann
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Nickel- und Kobalt-Preisentwicklung seit Anfang Jahr.

Nickel- und Kobalt-Preisentwicklung seit Anfang Jahr.

Nickel und Kobalt. Die zwei Metalle waren in den letzten Monaten stark im Sog eines aussichtsreichen E-Fahrzeugmarktes. Zwar laufen heute jährlich nur 1,2 Millionen Vehikel mit Stromspeicher vom Band – die Gesamtproduktion beträgt 100 Millionen Fahrzeuge. Experten gehen aber davon aus, dass binnen einiger Jahre bei rund einem Viertel ein Elektromotor verbaut werden wird.

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet damit, dass bis 2020 rund 9 Millionen E-Fahrzeuge unterwegs sein werden. Bis 2025 sollen es 75 Millionen sein. In den Batterien verbaut ist unter anderem Nickel. Dieser ist nötig, damit sich die Batterie wiederaufladen lässt. Heute landet rund 2 Prozent des weltweit abgebauten Nickels in Akkus. Teilt man die Markteinschätzung der Analysten, wird die Fahrzeugindustrie dereinst mehr als einen Drittel der Produktion beanspruchen – rund 750'000 Tonnen pro Jahr.

Mit dem unterstellten Marktpotenzial der Elektromobilität korrespondierte nicht nur der Nickelkurs, sondern auch derjenige von Kupfer, Lithium oder Kobalt – die wichtigsten Metalle in der elektrischen Fahrzeugrevolution. Seit einigen Wochen geben die Preise nun aber entscheidend nach, ohne dass sich das Marktpotenzial von Elektroautos – abgesehen von einigen Querelen um Tesla – markant verschlechtert hätte. Der internationale Nickelpreis sank gegenüber Anfang August um 13 Prozent, Kobalt um 10 Prozent – und gegenüber April gar um 20 Prozent.

Starker US-Dollar drückt auf den Kobalt-Preis

Norbert Rücker bestätigt, dass sich der langfristige Ausblick betreffend Elektroautos in den vergangenen Wochen kaum verschlechtert hat. Für den Leiter Rohstoffanalyse bei Julius Bär sind denn auch andere Faktoren für den derzeitigen Preiszerfall verantwortlich. Allgemein schickt der Analyst voraus, dass sich der grosse Optimismus auf den Finanzmärkten gelegt hat und sich Sorgen vor einer Wachstumsverlangsamung breitmachen. «Dies spiegelt sich in der Zunahme an Short-Positionen auf den Terminmärkten. Kurzfristig beeinflussen derartige Positionsänderung die Preise in beide Richtungen. Dieser Faktor ist bei Nickel zu beobachten, aber nicht bei Kobalt; ein Rohstoff, der kaum auf Termin gehandelt wird», so Rücker. Bei Kobalt habe sich die Einschätzung bezüglich eines Angebotsdefizits geändert. «Das Angebot aus Minen scheint bis 2020 stärker als erwartet zu wachsen, und somit nehmen die Sorgen vor einer Unterversorgung ab.»

Zusätzlichen Gegenwind brachte die Dollarstärke. «Die Stärke des Dollars und die Schwäche der Schwellenländer-Währungen senkt einerseits die Produktionskosten vieler Rohstoffe und lastet andererseits auf der Nachfrage. Eine schwächere Währung verteuert die Importe. Dies trifft insbesondere auf Nickel und Kobalt zu.»