Bildung
Zuger Schüler probieren sich in der Praxis

An der Wirtschaftmittelschule wurden drei Firmen gegründet. Die Schülerinnen und Schüler schlüpfen in die Rollen von Entwicklern und Chefs. Sie müssen dabei auch mit Unerwartetem zurechtkommen.

Carmen Rogenmoser
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Die To-do-Liste wird länger.

Die To-do-Liste wird länger.

Bild: PD

Im dritten Ausbildungsjahr wird an der Wirtschaftsmittelschule Zug (WMS) auch praktisch gearbeitet: Die Schüler gründen im Unterrichtsfach «Integrierte Praxisteile» eine eigene Firma und entwickeln ein Produkt oder eine Dienstleistung, welche sie auf den Markt bringen, wie einer entsprechenden Medienmitteilung zu entnehmen ist. Ein Blick hinter die Kulissen einer Klasse zeigt die ersten Erfahrungen und Herausforderungen.

In verschiedenen Zimmern der Schulgebäude hat sich jeweils eine der drei Firmen, welche die Schülerinnen und Schüler in der Zwischenzeit gegründet haben, eingerichtet. Jedes Unternehmen besteht aus etwa sechs Mitarbeitenden. Überall sei reges Arbeiten angesagt, schreibt Patrik Gehrig, Lehrer an der Kantonsschule und der WMS: Einige sind unterwegs, um Abklärungen zu treffen, andere telefonieren oder fotografieren ihre Produkte. Ein Schüler steht am Flipchart und ergänzt die «To-do-Liste» und wiederum andere sind am Computer beschäftigt.

Selbstständig Probleme lösen ist nicht ganz einfach

Die CEOs der Firmen berichten von ihren ersten Erfahrungen. So meint etwa Ariane, dass sie das selbstständige Arbeiten als sehr positiv erlebe und das Team der Kreativität freien Lauf lassen könne. Ihre Kollegin Mia ergänzt, es mache Spass über längere Zeit in einem Team zu arbeiten und gemeinsam die Entwicklung des Unternehmens mitzugestalten.

Allerdings gilt es auch grosse Herausforderungen zu meistern. Gerade zu Beginn war das selbstständige Problemlösen nicht einfach, hält Ariane fest. Dieselbe Erfahrung wurde auch in den anderen Unternehmen gemacht: Die Schwierigkeit lag etwa bei Mias Team darin, sich für ein Produkt zu entscheiden. «Manchmal verloren wir uns in Diskussionen, was einige Zeit gekostet hat», wird sie zitiert. Auch das dritte Unternehmen wurde im Verlaufe des Projekts immer wieder auf die Probe gestellt. CEO Nöel bringt es auf den Punkt: «Es ist sehr hart, eine Firma zu führen.»

Gewürze, Glacé und Teemischungen

Die Produkte sind auch dieses Jahr einfallsreich, so Gehrig. Die Firma Spice Seeds «lässt es wachsen»: Gestaltet wird hierbei ein Set, das es jedem möglich macht, frische Kräuter zu geniessen. Bei Icetastic hat man sich für Glacés entschieden: Das Starterset beinhaltet zwei Glacé-Formen und ein Buch mit selbst kreierten Rezepten zur Eigenherstellung von Glacés. Und das Produktangebot von T2B besteht aus zwei selbst hergestellten Teemischungen, dem fruchtigen Berry good und dem aufputschenden Power-up-Tee.

In diesem Jahr gibt es eine zusätzliche Herausforderung: Ein wesentlicher Absatzkanal – die Weihnachtsmärkte – fallen aufgrund der Coronavirus-Situation weg. Die drei Unternehmen mussten darauf mit entsprechenden Massnahmen reagieren. So wird die Werbung für ihre Produkte vermehrt über die Kanäle der sozialen Medien laufen gelassen und Online-Bestellungen werden angeboten, man richtet eine «Pick-up-Station» an der Kantonsschule ein und setzt auf persönlichen Verkauf. Auch bezüglich der Produktionsmenge sind die Neuunternehmer vorsichtig: «Wir produzieren nun viel weniger als geplant. Das Minimalziel ist es, durch den Verkauf an Bekannte den Break-even-Point zu erreichen», sagt Nöel.

«Es ist beeindruckend, wie engagiert die Schülerinnen und Schüler arbeiten und man darf gespannt sein, wie erfolgreich die Unternehmen sein werden», meint Patrik Gehrig und ergänzt: «So oder so: Die Erfahrung ist äusserst wertvoll – da sind sich alle Teams einig.»