Business and Professional Women
Frauen bauen Brücken in Uri: Nationale BPW-Konfrerenz in Andermatt

Rund 150 Kaderfrauen trafen sich im Rahmen der BPW Herbstkonferenz in der Andermatt Konzerthalle. Passend zum Tagesmotto «Brücken bauen» hatte auch der Teufel seinen Auftritt.

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«Wir wollen Brücken der Frauensolidarität bauen und so aufzeigen, dass Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zum tragenden Fundament gehören», sagte Susanne Döhnert-Dätwyler, Präsidentin des Business and Professional Women Klubs Uri, bei ihrer Ansprache am vergangenen Samstag. Anlass bot die Nationale BWP Herbstkonferenz, die der BWP Club Uri anlässlich seines 25-Jahre-Jubiläums in der Andermatt Konzerthalle organisierte.

Dass der Anlass mit dem Tagesmotto «Brücken bauen» im Urserntal stattfand, erachtete die Urner Ständerätin Heidi Z’graggen als sehr passend: In dieser Region hätten sich nicht bloss seit Jahrhunderten einheimische und angereiste Frauen getroffen, sondern die Urnerinnen selbst seien schon immer anders und frecher gewesen. Sie erinnerte etwa an Emilie Lieberherr aus Erstfeld, die massgeblich mithalf, das Schweizer Frauenstimmrecht 1971 durchzuboxen.

Herbstkonferenz der Nationalen BPW in Uri mit Ständerätin Heidi Z'graggen, Susanne Doehnert, Elisabeth Faehndrich (vorne von links).

Herbstkonferenz der Nationalen BPW in Uri mit Ständerätin Heidi Z'graggen, Susanne Doehnert, Elisabeth Faehndrich (vorne von links).

Bild: PD

Gleichzeitig fragte Heidi Z’graggen kritisch: «Und heute, verstecken sich die Frauen etwa wieder zu Hause? Weshalb haben wir in Uri und sechs weiteren Kantonen zurzeit nur Männer in den Regierungsräten? Weshalb gibt es dank Quote zwar mehr Verwaltungsrätinnen bei den börsenkotierten Schweizer Firmen, aber 86 Prozent dieser Frauen kommen aus dem Ausland?»

Das ist der BPW Uri

«Business and Professional Women» besteht weltweit seit 1930 und ist eines der grössten internationalen Netzwerke für berufstätige Frauen. BPW fördert und unterstützt berufstätige Frauen in beruflichen, kulturellen, staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Bereichen. 1997 wurde der BPW Klub Uri unter der Federführung von Angela Dillier-Gamma mit 25 Frauen gegründet, seither hat sich dieser stetig erweitert und weiterentwickelt. Ziel ist es, noch vermehrt Kaderfrauen von Urner KMU für das Netzwerk zu gewinnen.

Co-Präsidentin Claudine Esseiva zeigte auf, wie man die Visibilität der Klub-Werte nachhaltig erhöhen will. Dies etwas mit Mentoring und Stipendiaten, mit einer Erhebung zur Diversity- und Gleichstellungskompetenz, mit dem Einsatz für die Lohngleichheit durch den «Equal Pay Day» oder mit dem Engagement gegen den weiblichen Fachkräftemangel insbesondere in den MINT-Berufen.

Teufel will Brücken zu Frauen schlagen

«Fachkräftemangel? Ja, das kenne ich auch – und daher schlage ich euch Frauen jetzt einen Deal vor», platzte da plötzlich ein seltsamer, verdächtig galanter Typ in die Konferenz. «Dr Tyyfel», grandios dargestellt vom bekannten Schauspieler Rolf Sommer, hatte seit der Geschichte mit der Teufelsbrücke und dem «gerissenen Weib», das ihn an deren Zerstörung hinderte, noch eine Rechnung offen. Er versuchte in mehreren Intermezzi die BPW Frauen zu umgarnen, dass sich doch eine aus ihren Reihen als weibliche Führungskraft für die Hölle bewerbe – er würde sich dafür während der nächsten 25 Jahren persönlich für den teuflisch guten Erfolg der Gleichstellung einsetzen. Am Schluss waren die Frauen im Saal jedoch gewitzter und brachten den Teufel dazu, sich selber zu überlisten. Die BPW Teufelsgeschichte wurde von Rolf Sommer eigens für das Jubiläum geschrieben.

Rolf Sommer tritt als «Tyyfel» auf.

Rolf Sommer tritt als «Tyyfel» auf.

Bild: PD

Der «Teufel» war also nicht erfolgreich darin, eine Brücke zu den Frauen zu schlagen. Ganz anders diese selber. Im zweiten Teil des Anlasses wurde mit dem von Regula Sicher, Mitglied beim BPW Klub Uri, geschaffenen Kurzfilm «Unüberwindbar» das Thema in starken Naturbildern aus dem Urserntal aufgegriffen. Danach folgten Impulsreferate und ein Podium mit drei ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten: Doris Russi Schurter ist Unternehmerin und Verwaltungsratspräsidentin, Filomena Russo arbeitet im Peer-to-Peer-Bereich mit psychisch Betroffenen und Rita Christen ist die erste weibliche Präsidentin des Schweizerischen Bergführerverbands.

Moderatorin Elisabeth Fähndrich entlockte persönliche Einblicke, wie es den Frauen gelingt, Herausforderungen zu überwinden, Kompromisse oder Alternativrouten zu finden und Brücken zu bauen. Die Frauen waren sich einig, dass es dazu Mut und Selbstvertrauen brauche, aber auch eine Portion Demut. Und dass es oft darum gehe, über den Tellerrand hinaus zu denken und sich auf die Tischnachbarinnen einzulassen. Mit diesem Fazit gelang auch gleich der Brückenschlag zum abendlichen Festanlass. (mka)