Im Gedenken an Langis-Pionier Sepp Bienz
Ein Leben für den Langlaufsport

Sepp Bienz gehörte in den Nachkriegsjahren zu den erfolgreichsten Skisportlern Obwaldens. Zudem gilt er als Pionier des Langlaufparadieses Langis. Vor zwei Wochen hörte sein Herz auf zu schlagen. Wir blicken auf sein erfülltes Sportlerleben zurück.

Daniel Schwab
Drucken

Wer hat’s erfunden? Beim Langlaufgebiet Langis ob Sarnen ist die Antwort schnell gefunden: Sepp Bienz. Doch der Reihe nach: 1926 wurde Sepp als ältestes von vier Kindern auf dem Bergbauernhof Schlad in Giswil geboren. Für den Schulweg hinunter nach Giswil brauchte man zu Fuss fast zwei Stunden. Verständlich, dass die Kinder im Winter Ski unter die Füsse banden und zügig bergab fuhren. So machte Sepp erste Bekanntschaft mit dem Skisport. Schon früh nahm er an regionalen Skirennen teil. Nach der Rekrutenschule 1946 beteiligte er sich an militärischen Patrouillenläufen und Winter-Dreikämpfen mit Riesenslalom, Schiessen und Langlauf. Schnell wurde klar, dass in Sepp ein grosser Langläufer steckt. Und er hatte einen eisernen Willen.

Sepp Bienz mit Robert Ettlin, Präsident von Loipe Langis, anlässlich der Ehrung zum Pionier-Ehrenmitglied.

Sepp Bienz mit Robert Ettlin, Präsident von Loipe Langis, anlässlich der Ehrung zum Pionier-Ehrenmitglied.

Bild: Samuel Buettler Photographie

In den Nachkriegsjahren, als er für die Raureifmessungen der Starkstromleitungen zuständig war, zog er auf dem Hochmoor rund um das Gebiet Langis–Schwendi–Kaltbad die ersten Langlaufspuren in den hohen Schnee und trainierte in der Folge eifrig. Das zahlte sich aus: 1949 wurde Sepp – als erster Obwaldner – in die B-Nationalmannschaft des Schweizerischen Skiverbandes aufgenommen. Im militärischen Winterdreikampf eroberte er 1955 und 1960 den Schweizer-Meister-Titel. Das Highlight seiner Karriere war aber die Teilnahme an den Weltmeisterschaften 1954 in Schweden, wo er als ausgezeichneter Zehnter zweitbester Mitteleuropäer wurde.

Wettkämpfer und Juniorenförderer

Sepps sportliche Höhenflüge steckten an. In seiner Heimat Giswil entstand bald eine Renngruppe mit jungen Läufern, wobei er höchstpersönlich für die Trainings besorgt war. Mit grossem Stolz erlebte er mit, wie seine Junioren mit Bronze von den Schweizer Meisterschaften zurückkehrten, während einige sogar den Aufstieg in die Elite-Nationalmannschaft schafften. An den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble sorgten Alois Kälin und Sepp Haas für Furore, indem sie Silber in der Nordischen Kombination respektive Bronze über 50 Kilometer gewannen. Der Medaillensegen löste schliesslich einen regelrechten Langlaufboom aus.

1972 war dann die eigentliche Geburtsstunde des Langlaufparadieses Langis. Da auf der Mörlialp zu wenig Schnee lag für die ersten Obwaldner Langlaufmeisterschaften, verlegte der NSK Giswil die Wettkämpfe kurzerhand ins Schwendi-Kaltbad. Der Anlass war ein grosser Erfolg. Bei besten Schneeverhältnissen nahmen 145 Personen teil. Im Sommer des gleichen Jahres wurde die Genossenschaft Sport- und Erholungszentrum Langis-Schwendi-Kaltbad gegründet, womit der Grundstein für das Langlauf-Eldorado gelegt war. 1977 erfolgte der Bau des Hotels Langis, zwei Jahre später die Gründung des Vereins «Langlauf-Freunde Langis», der noch heute unter dem Namen «Loipe Langis» die Spuren von Sepp Bienz weiterzieht.

Vergoldete Uhr als Geschenk

Damit aber noch nicht genug der Verdienste von Sepp Bienz: 1972 organisierte er das erste Langlauflager auf der Mörlialp, woraus das heutige Langlauflager von Swiss-Ski entstand, das heute noch über 200 Jugendliche aus der ganzen Schweiz anlockt. Im Weiteren war Bienz Gründungspräsident des Obwaldner Skiverbandes sowie Langlaufchef des Zentralschweizerischen Skiverbandes. Sein unermüdlicher Einsatz für den Sport wurde in seiner Heimat mehrmals gewürdigt.

Mit Stolz erzählte Sepp seinen Kindern und Enkeln immer wieder vom ersten Schweizer-Meister-Titel in Grindelwald. Dass der Triumph im Dorf mit dem Megafon verkündet wurde und die Gemeinde einen Empfang organisierte, an dem Sepp eine vergoldete Uhr geschenkt bekam. Und vor drei Jahren wurde er von Loipe Langis zum Pionier-Ehrenmitglied gekürt. Am 8. Mai dieses Jahres wurde Sepp Bienz im Alter von 96 Jahren von seinen Altersbeschwerden erlöst.