Berufsmaturität
Abschlussarbeit mit grossem Nutzen: Zwei Obwaldner holen sich die Maximalnote

Für ihre BM-Abschlussarbeit setzten sich Erich Scheuber und Martin Berwert mit Neophyten auseinander. Und lieferten dem Kanton Obwalden wichtige Hinweise zur Bekämpfung der gebietsfremden Pflanzen.

Daniel Schwab, Apimedia
Drucken
Martin Berwert (links) und Erich Scheuber vor einer der mit Kirschlorbeer bepflanzten Betonrondellen beim BWZ Obwalden.

Martin Berwert (links) und Erich Scheuber vor einer der mit Kirschlorbeer bepflanzten Betonrondellen beim BWZ Obwalden.

Bild: Apimedia/PD

Pflanzen sind für Martin Berwert (21) aus Stalden und Erich Scheuber (20) aus Stans Passion und Profession zugleich. Nach ihren Ausbildungen zum Landschaftsgärtner respektive Forstwart beschlossen sie, die Berufsmaturität (BM) in einem einjährigen Vollzeitlehrgang nachzuholen. Für ihre gemeinsame Abschlussarbeit einigten sie sich auf das Thema Neophyten. Sie wollten die zunehmende Verbreitung der gebietsfremden Pflanzen im Kanton Obwalden aufzeigen und gleichzeitig für die Gefahren sensibilisieren, die von ihnen ausgehen. Gefahren?

«Ein Grossteil der gebietsfremden Pflanzen ist unproblematisch, ja sogar eine Bereicherung für unsere Gärten und Landschaft»,

sagt Martin Berwert und nennt als Paradebeispiel die Sonnenblume, die ursprünglich aus Nordamerika stammt. «Wenn sich Neophyten jedoch unkontrolliert verbreiten, können sie einheimische Pflanzenarten verdrängen, zumal sie keine natürlichen Feinde haben.» Das wirkt sich auch negativ auf die Landwirtschaft aus. «Je höher der Anteil an Neophyten, umso geringer fällt der Ertrag des Bauern beim Heuen aus und entsprechend weniger Futter bleibt ihm für seine Nutztiere», erklärt Erich Scheuber. Beim Wald komme noch eine andere Gefahr hinzu. «80 Prozent der Wälder in und um Sarnen haben eine Schutzfunktion», sagt Scheuber. «Wenn ein Waldstück gerodet wird und beim Wiederaufforsten fremde Sträucher Oberhand nehmen, sind auf Dauer viele Wohngebiete nicht mehr ausreichend vor Lawinen oder Hochwasser geschützt.»

Vorschlag für Ersatzbepflanzung

Für ihre Arbeit beschränkten sich Martin Berwert und Erich Scheuber auf zehn Neophyten, denen sie im Berufsalltag schon mal begegnet sind. Sie suchten nach ihnen in der Natur, pressten die gefundenen Blätter und Blüten und erstellten daraus ein Herbarium. Darunter war auch der Kirschlorbeer, der vor dem Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Obwalden in mehreren Betonrondellen anzutreffen ist.

«Wir fanden es schon etwas seltsam, dass der Kanton vermehrt Anstrengungen unternimmt, um Neophyten zu bekämpfen, gleichzeitig aber vor einem öffentlichen Gebäude entsprechende Sträucher anpflanzt»,

sagt Erich Scheuber. Er möchte aber niemandem böse Absicht unterstellen. Schliesslich habe der Kirschlorbeer durchaus seine Vorzüge. «Er ist das ganze Jahr über grün und zudem sehr pflegeleicht», räumt Martin Berwert ein. Deswegen unterbreiteten die beiden dem BWZ gleich konkrete Vorschläge für eine Ersatzbepflanzung. Rektor David Schmid ist froh um diese Vorschläge. Man werde sie prüfen und bei der Planung der kommenden Gartenarbeiten berücksichtigen, versprach er.

Die Maximalnote 6,0 erhalten

Ganz allgemein wollten Martin Berwert und Erich Scheuber mit ihrer Arbeit dazu beitragen, dass die Leute genauer hinschauen, auch in ihrem eigenen Garten. Und dass sie gegebenenfalls entsprechende Massnahmen ergreifen. «Das blosse Ausreissen reicht in der Regel nicht», sagt Berwert. «Die Pflanze muss samt Wurzel entfernt werden.» In einigen Fällen biete sich auch der Einsatz von chemischen Mitteln an. Übrigens: Für ihre BM-Abschlussarbeit mit dem Titel «Neophyten – eine unterschätzte Gefahr» wurden Martin Berwert und Erich Scheuber mit der Maximalnote 6 belohnt. Kein Wunder, haben sie doch eine Menge Zeit und Herzblut investiert.

Aber sie profitierten auch selber, wie sie rückblickend festhalten. Scheuber erweiterte seinen Horizont im Gartenbereich, Berwert im Bereich Wald. Und was nun? Während Erich Scheuber demnächst sein Studium an der Pädagogischen Hochschule beginnt, um künftig als Oberstufenlehrer tätig zu sein, wird Martin Berwert in seinem Lehrbetrieb weiterarbeiten. Und irgendwann möchte er Berufsschullehrer werden, um das erworbene Wissen dem Berufsnachwuchs weiterzugeben.