Kriminalgericht Luzern
Tankstellenshops überfallen – einem Italiener drohen Haft und 12 Jahre Landesverweis

Bewaffnet mit einer CO2-Softair-Pistole, hat ein 36-jähriger Italiener 2016 und 2017 vier Tankstellenshops überfallen. In einem der Läden war er selber regelmässig Kunde.

Roger Rüegger
Merken
Drucken
Teilen

So richtig durchdacht waren die Aktionen des 36-jährigen Italieners nicht, der sich am Freitagmorgen vor dem Luzerner Kriminalgericht unter anderem wegen mehrfachen Raubs verantworten musste. Der Mann hat laut Anklageschrift der Luzerner Staatsanwaltschaft in der Zeitspanne vom 9. August 2016 bis 26. März 2017 in vier Fällen Tankstellenshops in der Stadt Luzern und in Emmen überfallen und dabei rund 21'000 Franken erbeutet. Ein Shop wurde vom Beschuldigten gleich zweimal heimgesucht.

Die Luzerner Staatsanwaltschaft beantragte für mehrfachen Raub, Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, gegen das Waffengesetz sowie gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zudem zwölf Jahre Landesverweis. Auf die Frage des Richters, warum er die Raubüberfälle verübt habe, antwortete der Beschuldigte:

«Es war eine dumme Sache. Mein Mitbewohner zog aus, und ich wollte die Wohnung nicht verlieren. Mit der Beute finanzierte ich die Miete.»

Dem Argument des Richters, dass dies ein recht ungewöhnlicher Weg sei, um an Geld zukommen, entgegnete der Beschuldigte: «Es war damals schlechtes Wetter in meiner Gefühlswelt. Ich handelte aus Verzweiflung.» Für die Taten habe er sich zuvor mit Kokain und Alkohol Mut gemacht.

Der Täter ist bei jedem Raub stets nach demselben Muster vorgegangen. Er betrat, bewaffnet mit einer CO2-Softair-Pistole, jeweils nach 20 Uhr die Shops, richtete die Waffe gegen die Angestellten und forderte die Frauen auf, ihm Geld auszuhändigen und dieses in einem mitgebrachten Stoffbeutel zu verstauen. Dabei war er stets dunkel gekleidet, maskiert und trug Handschuhe.

Beim dritten Raub war ein Komplize mit von der Partie

In drei Fällen arbeitete der Beschuldigte laut Anklage alleine. Am 25. Februar 2017, beim Überfall auf den Tankstellenshop im Bodenhof in Luzern, war jedoch ein Komplize mit von der Partie. Die Vorgehensweise aber blieb dieselbe. In diesem Fall waren beide mit einer Softair-Pistole bewaffnet. Die Luzerner Polizei konnte den Beschuldigten am 14. November 2017 in Emmen festnehmen. Den Mittäter schnappte sie am 5. Dezember in Kriens.

Bei der Verhandlung waren zwei Frauen anwesend, die damals in einem der Shops arbeiteten. Der Beschuldigte, der übrigens Stammkunde in einem der Geschäfte war, beteuerte, er habe die Überfälle nicht aus Bosheit verübt. Entschuldigt dafür habe er sich jedoch nie: «Ich fühlte mich danach nicht gut. Ich schämte mich und konnte mich deshalb nicht entschuldigen.» Für den in Luzern geborenen und hier aufgewachsenen Mann könnten die Delikte abgesehen von der drohenden Haftstrafe noch viel gravierendere Folgen haben. «Ein Landesverweis wäre für mich eine Katastrophe», sagt er.

Die Staatsanwältin findet hingegen, dass zwölf Jahre Landesverweis angemessen sind. Der Beschuldigte habe die Raubüberfälle zudem erst nach einigem Zögern gestanden. Die kriminelle Energie wertete sie hoch:

«Die Taten waren von langer Hand geplant, er ging skrupellos vor und schüchterte die Angestellten mit der Waffe ein.»

Die Softair-Pistolen seien zudem nicht von echten Handfeuerwaffen zu unterscheiden und würden vor dem Gesetz auch als Waffe eingestuft, sagte sie.

Der Verteidiger gab der Anklage in den meisten Punkten recht. Aber natürlich schützte er seinen Mandanten, so gut es ihm möglich war. «Die Beschuldigten müssen ja nicht von Beginn an alles gestehen. Es reicht auch, wenn sie ihre Fehler nach einer Denkpause zugeben, deshalb muss man sie nicht härter bestrafen.» Vier Jahre Freiheitsstrafe fand er zu hoch, auch wenn der Beschuldigte den Tatbestand des Raubs erfüllt habe.

Mit «Milchbüechli-Rechnung» auf 30 Monate plädiert

Sein Mandant, und in einem Fall ein Mittäter, hätten zwar mit der Waffe in der Hand eine Drohkulisse aufgebaut. «Aber sie sind nicht äusserst rücksichtslos vorgegangen. Die Vergehen wiegen nicht leicht, aber auch nicht schwer. Sagen wir leicht bis mittelschwer», formulierte er die Sache aus. Der Beschuldigte habe enorme Schulden, was der Beweggrund für die Taten gewesen sei. Es folgte eine «Milchbüechli-Rechnung», wie es der Verteidiger selber beschrieb. Für die erste Tat seien zwölf Monate angemessen, für die weiteren drei Raubüberfälle könne man jeweils sechs Monate dazu addieren. Ergibt 30 Monate.

Für Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz und weitere Vergehen addierte er zwei Mal zwei weitere Monate auf die Rechnung. Zum Schluss zog er für Einsicht und Reue wieder vier Monate ab, womit sein Antrag bei 30 Monaten zu stehen kam. Sechs davon unbedingt und 24 bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren seien eine angemessene Strafe.

Den Landesverweis könne er auf keinen Fall gutheissen. Sein Mandant habe keinen Bezug zu Italien. Er wohne mit seiner Verlobten und ihrem Bruder zusammen. Es bestehe keine Gefährdung für unsere Sicherheit. Der Beschuldigte habe eingesehen, dass er Fehler begangen habe.

Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.