Kriens-Mattenhof
Gefährliche Verkehrssituation soll durch Begegnungszone entschärft werden

Auf dem neuen Bahnhofplatz im Krienser Mattenhof kommen sich Fussgänger, Velo- und Autofahrer immer wieder in die Quere. Neu ist deshalb Tempo 20 signalisiert – ob das reicht?

Roman Hodel
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Wer mit dem Velo auf dem Freigleis-Weg in Richtung Kriens-Mattenhof fährt, kann seit dem vergangenen Juli durchradeln bis zum Bahnhofplatz. Das letzte Teilstück ist seither geöffnet. Doch es gibt eine neuralgische Stelle: Nämlich dort, wo das Freigleis in den Bahnhofplatz mündet:

Bild: hor

Auf relativ kleiner Fläche kommt hier einiges zusammen: Neben dem Fuss- und Veloweg sind dies eine Treppe von Gleis 2 des Bahnhofs, die Eingänge des Matteo-Hochhauses und des Sportgeschäfts Bächli sowie schliesslich die Strasse «am Mattenhof» mit fünf Autoparkplätzen. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen zwischen Velofahrern und Autofahrern, aber auch zwischen Velofahrern und Fussgängern. Eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt:

«Mehr als einmal schon wurde ich von Velolenkern beinahe über den Haufen gefahren.»

Diese seien oftmals viel zu schnell vom Freigleis her unterwegs. Das hat Raphael Spörri zwar auch schon beobachtet, wie er auf Anfrage sagt, doch der Krienser SP-Fraktionschef erlebt als Velofahrer meistens anderes: Autofahrer, die zu wenig auf Velos achten. Aus diesem Grund hatte Spörri im Einwohnerrat eine Interpellation eingereicht.

Die erste Begegnungszone in Kriens

Um die «angesprochene gefährliche Situation zu entschärfen», wie der Krienser Stadtrat in seiner Interpellationsantwort schreibt, hat die Stadt deshalb nun eine Begegnungszone signalisiert – die erste auf Krienser Gebiet. Fussgängerinnen und Fussgänger haben Vortritt, es gilt Tempo 20. Die entsprechenden Schilder wurden unter anderem am Freigleis montiert:

Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 2. März 2021)

Ausserdem hat die Stadt bei der Einmündung Freigleis/Bahnhofplatz zwei gelb-schwarze Poller aufgestellt und Bodenmarkierungen angebracht. Die sichere Führung des Veloverkehrs ist laut Stadtratsantwort in den letzten Monaten Gegenstand von zusätzlichen Planungsarbeiten gewesen. Die ersten Erfahrungen seien «grundsätzlich gut», wie Bauvorsteher Maurus Frey (Grüne) auf Anfrage schreibt. Weil aufgrund der Jahreszeit zunehmend mehr Fussgänger und Velofahrer unterwegs sein werden, könne man eine erste Beurteilung wohl erst im Sommer machen. Frey:

«Die Erfahrungen von anderen Orten zeigen aber, dass Begegnungszonen stets eine gewisse Angewöhnungszeit erfordern, weil sie gegenseitige Toleranz erfordern.»

Raphael Spörri bestätigt, dass das neue Regime bereits Wirkung zeigt: «Als Velofahrer kommt man seit ein paar Tagen besser durch am Mattenhof.» Allerdings: Nach wie vor parkieren manche Autofahrer ihren Wagen ausserhalb der markierten Parkfelder – so wie in diesem Fall:

Bild: Roman Hodel (Kriens, 2. März 2021)

Die Parkplätze befinden sich auf Privatgrund, weshalb gemäss Stadtrat die Grundeigentümer das privatrechtliche Park- und Fahrverbot durchsetzen und allenfalls büssen müssen. Auf dem Kiesplatz vor der Migros sollen zudem bald gestalterische Massnahmen das Wildparkieren verunmöglichen. Trotzdem findet Spörri, dass auch die Stadt ab und zu nach dem Rechten sehen muss:

«Manchmal haben ja sogar die Busse Mühe, über den Platz fahren zu können.»

Ein Fahrverbot für Autos ist laut Bauvorsteher Frey kein Thema: «Es ist gerade der Sinn einer Begegnungszone, dass auch Autos durchfahren können und so der Zubringerdienst etwa zum Bahnhof möglich bleibt.»

Einheitliche Wegbeschilderung für Veloweg Mattenhof-Campus Horw

Neben dem Bahnhofplatz hat die Stadt auch den Veloweg an der Nidfeldstrasse zwischen «McDonald's» und «Subway» neu markiert. Damit könnten nicht korrekt abgestellte Fahrzeuge, etwa von Lieferanten, gebüsst werden. Weiter arbeite man an einer einheitlichen Wegbeschilderung, welche vom Mattenhof bis zum Campus Horw reicht, und so das Freigleis besser ins Radwegnetz einbindet.

Laut Maurus Frey muss sich das System Begegnungszone zuerst einspielen:

«Der Prozess sieht vor, dass die Situation laufend beobachtet wird und wenn notwendig zusätzliche, ergänzende Massnahmen ergriffen werden.»