Hörerzahlen
Champions League und «Bachelor» verhelfen Privat-TV zu guten Quoten – Radio Pilatus mit 218'000 Hörerinnen und Hörern

Dass SRF keine Champions League mehr zeigen kann, setzt SRF zwei zu und hilft 3+. Jüngere schauen allerdings eh kaum mehr Fernsehen. Bei den Radiosendern bleibt Radio Pilatus die Nummer 1 in der Zentralschweiz.

Stefan Ehrbar, René Meier
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Das Moderations-Trio der Radio-Pilatus-Morgenshow: Selina Linder, Marco Zibung und Mira Weingart (von links)

Das Moderations-Trio der Radio-Pilatus-Morgenshow: Selina Linder, Marco Zibung und Mira Weingart (von links)

Bild: Pius Amrein (luzern, 30. November 2021)

Bei den Privatradios verteidigt das zu CH Media gehörende Radio 24 mit einer Nettoreichweite von täglich 237'000 Hörerinnen und Hörern den ersten Platz und legte im Semestervergleich um knapp 12'000 zu. Erneut Platz 2 der Privaten belegt der CH-Media-Sender Radio Pilatus, auf Platz 3 folgt Energy Zürich aus dem Haus Ringier (207'000 Hörer). Beide gaben im Semestervergleich bei der Reichweite leicht nach. Platz 4 und 5 gehen mit Radio FM1 und Radio Argovia ebenfalls wieder an CH Media. Radio Central kommt auf 177’000 Hörerinnen und Hörer, Radio Eviva auf 83’000 und Radio Sunshine auf 80’000 Hörerinnen und Hörer. Die drei Sender gehören zur Neuen Medien Zentralschweiz Werbe AG (NMZ).

In der Zentralschweiz will Ringier mit dem neu gegründeten Sender Energy Luzern, der nur auf DAB+ empfangbar ist, Radio Pilatus angreifen. Im zweiten Halbjahr kam Energy Luzern gemäss Mediapulse auf eine Nettoreichweite von täglich 28'000 Hörerinnen und Hörer und wurde Pilatus (218’470 Hörerinnen und Hörer) noch nicht gefährlich. Allerdings sind diese Zahlen noch wenig aussagekräftig. Angreifen will Ringier auch den Ostschweizer Champion FM1: Dieses Jahr lanciert der Medienkonzern den Sender Energy St. Gallen. Die Unikom-Radios, die nicht gewinnorientierten Lokalradios, werden in dieser Auflistung nicht ausgewiesen.

Im zweiten Halbjahr 2021 setzten sich Menschen in der Deutschschweiz deutlich weniger lang vor den Fernseher als im Semester zuvor. Das zeigen am Mittwoch veröffentlichte Daten des Medienforschungs-Instituts Mediapulse. Demnach betrug die durchschnittliche Sehdauer noch 104,9 Minuten pro Tag. Im Halbjahr zuvor waren es 123,1 Minuten gewesen.

Der Rückgang zeigt sich in allen Altersgruppen. Kaum mehr genutzt wird das klassische Fernsehen von 15-29-Jährigen: Gerade noch 27,2 Minuten tägliche Sehdauer wurden in dieser Gruppe verzeichnet, noch einmal weniger als im Halbjahr zuvor mit 33,6 Minuten. Das dürfte vor allem auf die Konkurrenz durch Streaming-Dienste und soziale Medien zurückzuführen sein, welche in dieser Altersgruppe stark genutzt werden.

SRF zwei verliert deutlich

Den höchsten Marktanteil verzeichnete im zweiten Halbjahr der TV-Sender SRF 1 mit 20,2 Prozent Marktanteil bei den über 3-Jährigen. Er steigerte den Anteil im Semestervergleich um 0,6 Prozentpunkte. Um 1,4 Prozentpunkte auf 8,9 Prozent gab hingegen SRF zwei nach, womit der Marktanteil der SRG-Sender insgesamt sank. Auf den Plätzen danach folgen wie schon im Semester zuvor ZDF, ARD sowie die Schweizer Ableger der deutschen Privatsender RTL, Sat1 und Vox.

Grössere Bewegungen gab er in diesem Bereich bei RTL, das 0,5 Prozentpunkte Anteil verlor und neu auf 4,2 Prozent Marktanteil kommt. Die zuletzt gestartete Informationsoffensive des Senders scheint sich zumindest in der Schweiz noch nicht auszuzahlen.

Der «Bachelor» zieht

Der erfolgreichste Schweizer Privatsender im vergangenen Semester war mit stabilen 1,7 Prozent Marktanteil 3+, das wie dieses Portal zu CH Media gehört. Für Quote sorgte insbesondere die Jubiläumsstaffel des «Bachelors». Sie verzeichnete mit durchschnittlich 23,8 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe der 15-49-Jährigen den stärksten Staffelstart aller Zeiten, heisst es in einer Mitteilung.

Die Live-Übertragung des Champions-League-Spiels Atalanta Bergamo gegen YB sorgte mit einem Live-Marktanteil von 28 Prozent zudem für den besten Live-Wert für die Übertragung eines Sport-Events seit Bestehen des Senders. 3+ zeigt in Zusammenarbeit mit der Swisscom-Tochter blue ausgewählte Spiele der Champions League, während SRF zwei keine Partien der Königsklasse mehr zeigen kann. Das dürfte mit ein Grund für die Zuschauerverluste sein.

SRF-Radios verlieren

Im Gegensatz zum Fernsehen blieb das Radio in Sachen Nutzungsdauer im zweiten Semester fast stabil. Durchschnittlich 115 Minuten täglich hörten die über 15-Jährigen hierzulande täglich Radio, im Semester zuvor waren es 120 Minuten gewesen. Meistgehörter Sender blieb Radio SRF1 mit einer täglichen Nettoreichweite von 1,23 Millionen Hörerinnen und Hörern. Das sind allerdings 2,7 Prozent weniger als im Halbjahr zuvor.

Auf Platz 2 folgt SRF3, das bei der Reichweite eine Einbusse von 35'000 Hörerinnen und Hörer täglich verzeichnen muss und nur noch ganz knapp auf eine Million kommt. Auch der Kultur-Sender SRF2 gab nach und erreichte zuletzt noch durchschnittlich 174'000 Menschen täglich. Der Jugendsender Virus aus dem Hause SRF kommt gerade noch einmal auf auf 21’190 Hörer. Der Sender wird derzeit neu konzipiert.