Das Tropenhaus Wolhusen: Am Sonntag ist definitiv Schluss

Am Sonntag öffnet das Tropenhaus zum letzten Mal seine Pforten. Dann ist endgültig Schluss. Wie es mit dem Gebäude nun weitergeht, bleibt unklar. Einige Mitarbeiter haben jedoch bereits eine neue Stelle gefunden.

Pascal Studer
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Wie lange steht das Tropenhaus Wolhusen noch? (Bild: Nadia Schärli, Wolhusen, 27. September 2018)

Wie lange steht das Tropenhaus Wolhusen noch? (Bild: Nadia Schärli, Wolhusen, 27. September 2018)

Besuchte man heute Morgen die Internet-Seite des Tropenhauses Wolhusen, erschien sofort eine warnende Meldung: «Das Restaurant Mahoi ist bis zur Schliessung am 23. Juni komplett ausgebucht». Der unspektakuläre Hauptsatz über das Restaurants des Tropenhauses lässt einen stutzen: Ausgebucht – und trotzdem schliesst das Tropenhaus diesen Sonntag mit einer Abschlussparty. Auch diese ist bereits ausverkauft.

Wolhuser Gemeinderat sieht Imageverlust

33'000 Personen besuchten das Tropenhaus Wolhusen im Jahr 2017, was einer täglichen Besucherzahl von rund 130 Personen entspricht. Ein Wert, der andeutet, wie stark die Bevölkerung das Tropenhaus vermissen wird. Trotzdem entschied der Hauptaktionär Coop letzten September, den Betrieb des Tropenhauses per Ende dieses Monats einzustellen. Hauptgrund dafür war die Wärmeversorgung, die aufgrund der volatilen Gasmärkte seit geraumer Zeit nur noch ungenügend war. Allein damit sei der eigentliche Kern des Konzeptes des Tropenhauses Wolhusen nicht mehr gegeben. Das Auslaufen des Wärmeverbund-Vertrags und der Neubau des Spitals Wolhusen, das bis anhin die Ersatzwärme sichergestellt hatte, waren weitere Punkte, die gegen eine Fortsetzung des Betriebs sprachen.

Dennoch zeigen die Besucherzahlen und die bereits einsetzende Nostalgie: Das Tropenhaus Wolhusen ist den Leuten ans Herz gewachsen. Der Wolhuser Gemeinderatspräsident Peter Bigler sagt dazu:

«Bei der Bevölkerung war das Tropenhaus sehr beliebt. Nicht nur regional, auch national hatte es eine sehr grosse Ausstrahlung.»

So sei auch der Imageverlust für die Gemeinde Wolhusen entsprechend gross. Peter Bigler versteht allerdings den Entscheid von Coop: «Die Tatsache, dass das Tropenhaus nicht mehr nachhaltig betrieben werden kann, widerspricht seinem Grundgedanken», sagte er am Freitag gegenüber dieser Zeitung.

Coop will Gebäude-Abriss verhindern

Auch für Coop war es keine einfache Entscheidung. Andrea Bergmann, Mediensprecherin von Coop, nahm zur Schliessung des Tropenhauses Stellung:

«Dieser Schritt tut uns weh. Das Tropenhaus ist für uns nach wie vor eine Herzensangelegenheit. Deshalb lassen wir nichts unversucht, um eine Übergabelösung zu finden.»

Bergmann meint damit: Man versuche alles Mögliche, um eine Alternativlösung für das Gebäude zu finden, um dieses in einer abgeänderten Form weiterhin nutzen zu können. Man sei bereits mit Interessenten im Gespräch. Fruchten diese jedoch nicht, wird das Tropenhaus höchstwahrscheinlich abgerissen. Einen «Rückbau» will man gemäss Bergmann allerdings möglichst vermeiden. Auch Peter Bigler begrüsst dieses Szenario nicht und plädiert für eine Nachfolgelösung im ähnlichen Rahmen.

Doch nicht nur die Zukunft des Gebäudes ist noch ungewiss. Auch die Mitarbeitenden des Tropenhauses müssen sich umorientieren – in beruflicher Hinsicht. 50 Personen beschäftigt das Tropenhaus Wolhusen derzeit, mit allen wurden bereits Gespräche geführt. Stand heute haben 3 der 50 Personen bereits eine Anstellung bei Coop erhalten, mit 9 weiteren werden Gespräche geführt. Von Beginn weg wurde klar kommuniziert, dass mit allen Mitarbeitenden nach Lösungen gesucht werde.

Tourismus Luzern verliert ein wichtiges Ausflugsziel

Ebenfalls enttäuscht über das baldige Ende des Tropenhauses ist Luzern Tourismus. Immerhin war dieses nicht nur ein beliebtes und vor allem wetterunabhängiges Ausflugsziel, sondern bediente sich auch exakt dem derzeitigen Nachhaltigkeits-Trend. Sibylle Gerardi, Leiterin Unternehmenskommunikation von Luzern Tourismus, sagt dazu:

«Die Schliessung des Tropenhauses ist auch aus unserer Sicht sehr schade. Das ganze Team war visionär und einzigartig und zeichnete sich durch Herzblut aus.»

Auch hier macht sich also ein gewisses Mass an Nostalgie breit. Das Tropenhaus Wolhusen selbst wollte zur Schliessung keine Stellung nehmen.