Regionalpolizei Bremgarten
Polizeijahr 2020: «Ich hätte nie gedacht, dass wir Leute büssen müssen, weil sie sich draussen treffen»

Die Regionalpolizei Bremgarten war im Coronajahr 2020 durchschnittlich häufiger in ihren 15 Vertragsgemeinden unterwegs. Dennoch sieht die Liste der Vorfälle gegenüber dem Vorjahr nicht dramatisch anders aus. Und doch war es anders, bestätigt Repol-Leiter Manfred Tschannen.

Andrea Weibel
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Auch für die Repol Bremgarten war 2020 ein sonderbares Jahr.

Auch für die Repol Bremgarten war 2020 ein sonderbares Jahr.

Christian Breitschmid (2019)

«Das vergangene Jahr war besonders geprägt von einem Ereignis, welches alles bisher Dagewesene auf den Kopf stellte und allen ein Umdenken sowie äusserst viel Flexibilität abverlangte», schreibt Manfred Tschannen, Leiter der Regionalpolizei (Repol) Bremgarten in seinem Rechenschaftsbericht übers Jahr 2020. «Neuland, Herausforderungen, Lernprozesse und vieles mehr auch für die Regionalpolizei.» Oberste Priorität jedoch hatte immer die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes, «was sich als alles andere als einfach herausstellte», schreibt er weiter. Dennoch war die Repol Bremgarten jederzeit einsatzbereit und einsatzfähig. Sogar noch mehr als in anderen Jahren.

Letzteres ist einfach erklärt: Interne Weiterbildungen der Polizisten wurden wegen Corona abgesagt, sodass die 4 Polizistinnen und 16 Polizisten der Repol Bremgarten kaum je Absenzen hatten. Ausserdem wurde die Repol um zwei Personen aufgestockt, was die Zunahme auf 13'110 Stunden Polizeipräsenz (Vorjahr 12'391) erklärt.

Corona hat auch Positives: weniger Einbrüche zu verzeichnen

In Bezug auf die Kriminalitätsrate ging 2020 laut Tschannen eher ruhig zu Ende. In Zusammenarbeit mit privaten Sicherheitsdiensten, benachbarten Regionalpolizeien und der Kantonspolizei ist es gelungen «insbesondere Einbruchskriminalität weiter auf tiefem Niveau zu halten». Dies führt Tschannen allerdings nicht nur auf die regelmässigen Kontrollen in den Wohn- und Industriequartieren und an neuralgischen Orten zurück, die wesentlich zum guten Resultat beitragen. Er führt auch die Reisebeschränkungen in Coronazeiten an, die «ebenfalls einen nicht unwesentlichen Beitrag an diese Entwicklung geleistet haben».

Erneut leicht angestiegen sind die Einsätze wegen häuslicher Gewalt. 2020 waren es 149 Einsätze, im Vorjahr 124. Häusliche Gewalt könne viele Auslöser haben. Die Repol geht aber davon aus, dass die veränderten Umstände stark zu diesen Zahlen beigetragen haben. Hier erklärt Tschannen:

«Wenn die ganze Familie daheim Homeoffice und Homeschooling machen muss, kann das schon zu Spannungen führen.»

Er ergänzt: «In vielen Fällen war bei den Beteiligten wiederum Alkohol im Spiel. Glücklicherweise hatten wir jedoch keine schweren Fälle von häuslicher Gewalt zu verzeichnen.»

Doppelt so viele gemessene Autos, aber weniger Übertretungen?

Bei den durchgeführten Geschwindigkeitskontrollen sind die Zahlen allerdings auffällig. 2020 wurden bei 307 Geschwindigkeitskontrollen total 569'302 Fahrzeuge gemessen. Im Vorjahr waren es bei 312 Kontrollen total nur rund die Hälfte: 295'567 Fahrzeuge. Doch obwohl rund doppelt so viele Fahrzeuge gemessen wurden, blieb die Zahl der Geschwindigkeitsübertretungen fast genau gleich: 2020 waren es 16'705, im Jahr davor mit 16'900 sogar leicht mehr. Wie kann das sein?

Der Repol-Leiter erklärt: «Seit Ende 2019 haben wir zusammen mit den Regionalpolizeien Muri und Wohlen eine semistationäre Radaranlage, die wir jeweils etwa eine Woche am gleichen Standort stehen lassen. Diese ist gross und steht gut sichtbar an der Strasse, sodass sie auch eine präventive Wirkung hat.» Weil die Fahrzeuglenker schon bald wissen, wo die Anlage steht, verzeichnet sie lediglich eine Übertretungsquote von 0,8 bis 1,5 Prozent. Tschannen sagt: «Bei Lasermessungen haben wir hingegen jeweils Übertretungsquoten von 10 bis 25 Prozent. Die Laser sind viel weniger gut sichtbar und nur einige Stunden am gleichen Ort.»

2020 mussten total 154 Fahrzeuglenker (Vorjahr: 180) bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht werden.

Velotest und Verkehrsunterricht für Schüler abgesagt

Auch beim Verkehrsunterricht an den Schulen hat sich das Bild drastisch verändert. 2020 waren es 325 Stunden, während 2019 die Polizisten noch 675 Stunden an den Schulen verbrachten. «Der Schülerverkehrsunterricht in den 144 Klassen mit knapp 2700 Kindern konnte wegen der Pandemie nicht wie geplant durchgeführt werden. Von April bis nach den Sommerferien musste er vorübergehend sogar ausgesetzt werden. Und auf den Fahrradtest in den 4. Klassen musste gar gänzlich verzichtet werden», so Tschannen.

Verkehrsunterricht in der Schule wie hier mit dem ehemaligen Regionalpolizisten Walter Friedli war 2020 fast nicht möglich.

Verkehrsunterricht in der Schule wie hier mit dem ehemaligen Regionalpolizisten Walter Friedli war 2020 fast nicht möglich.

Christian Breitschmid (2017)

Unterdessen konnte die Repol jedoch den Schülerverkehrsunterricht wieder normal aufnehmen. Tschannen sagt:

«Wenn die Schulen möchten, dass wir kommen, sind wir da.»

Ziele erreicht, und doch war es ein sonderbares Jahr

Deutlich abgenommen haben 2020 auch die Zahlen von «übrigen Berichten». Tschannen erklärt: «Das sind Berichte, die wir schreiben müssen, wenn wir beispielsweise anderen Regionalpolizeien oder sonst irgendwo aushelfen. Und da 2020 fast nichts stattgefunden hat, mussten wir auch selten aushelfen.» Im vergangenen Jahr waren es 460 solche Berichte, die die Repol Bremgarten zu schreiben hatte. Im Jahr davor waren es noch 669 gewesen.

Insgesamt ist Tschannen aber zufrieden: «Personell, finanziell, wie auch materiell konnten die Vorgaben eingehalten und die Zielsetzungen weitestgehend erfüllt werden.» Es sei ein spezielles Jahr gewesen, ein Lehrblätz, wie es Tschannen nennt. Eines wird er sicher nie vergessen:

«Ich hätte nie gedacht, dass es einmal so weit kommt, dass wir Leute büssen müssen, weil sie sich draussen treffen.»

Dies sei zwar selten vorgekommen. «Meistens mussten wir die Leute nur ermahnen, die Regeln einzuhalten. Denn eine Zeit lang änderten diese Regeln so häufig, dass die Leute nicht mehr wussten, was nun gilt.»