Erbe

Wie geht es jetzt weiter mit der Swisscom?

Carsten Schloter wird fehlen: Der Hauptsitz der Swisscom in Bern. HO

Carsten Schloter wird fehlen: Der Hauptsitz der Swisscom in Bern. HO

Carsten Schloter hinterlässt ein gesundes Unternehmen – als Visionär wird er dem Unternehmen aber fehlen. Mit Urs Schaeppi übernimmt nun der «zweitbeste Mann nach Schloter» das Unternehmen, zumindest vorübergehend.

Am schlimmsten ist der Tod von Carsten Schloter – selbstverständlich – für dessen Familie und Angehörige. Ein Schock ist die Nachricht aber auch für die Swisscom. Das Telekommunikationsunternehmen verliert mit Carsten Schloter einen absoluten Fachmann, da sind sich Politiker, Branchenkenner und selbst Swisscom-Konkurrenten einig. Der Deutsche war sich stets bewusst, dass er sich in einer Branche bewegt, die sich so schnell wandelt wie kaum eine andere: «Wenn wir im Jahr 2023 auf dieses Jahr zurückblicken, wird uns alles wie in der Steinzeit vorkommen», sagte er im Februar bei der Präsentation der Jahresergebnisse.

Schloter stiess im Jahr 2000 zur Swisscom und leitete zunächst die Mobile-Sparte. 2006 wurde er zum CEO ernannt. Nur ein Jahr später kaufte er für 7,6 Milliarden Franken den italienischen Breitbandanbieter Fastweb – was geschäftlich als sein grösster Fehltritt in Erinnerung bleiben wird. Denn die Swisscom kaufte in einer Boomphase und zahlte zu viel. Der fällige Abschreiber von 1,2 Milliarden Franken belastete das Ergebnis 2011 schwer. Im vergangenen Jahr meldete sich das Unternehmen aber eindrücklich zurück und steigerte den Reingewinn von 694 Millionen auf 1,762 Milliarden Franken.

Urs Schaeppi übernimmt

Schloter wird den Anlegern deshalb als der Mann in Erinnerung bleiben, der dem Konzern selbst dann half, profitabel zu bleiben, als die Mobilfunkpreise fielen. Das klassische Telekomgeschäft, bei dem Einheiten verrechnet werden, leidet nämlich seit dem Aufkommen der Smartphones unter einer Erosion. Die Kunden weichen je länger, je mehr auf Pauschal- und Gratisangebote aus. Schloter reagierte darauf mit der Umkrempelung von Tarifstrukturen im Mobilfunk und trieb den Einstieg in neue Geschäftsfelder wie etwa in der Informatik oder ins TV-Geschäft voran. Damit trat er den IT-Unternehmen und Kabelnetzbetreibern auf die Füsse, die ihrerseits der Swisscom im Telekomgeschäft Konkurrenz machen. Die hohen Marktanteile im Telekomgeschäft konnte die Swisscom unter Schloter aber verteidigen oder gar noch ausbauen.

Jetzt übernimmt ad interim Urs Schaeppi das Erbe Schloters. Ein Analyst bezeichnet den stellvertretenden CEO und Leiter von Swisscom Schweiz als «zweitbesten Mann nach Schloter». Allerdings vermöge Urs Schaeppi weniger zu begeistern und sei nicht so sehr ein Macher. Dennoch wird die Swisscom auch nach dem Tod von Schloter die unangefochtene Nummer eins im Schweizer Telekommarkt bleiben. Das Unternehmen ist mehr als stabil aufgestellt und hat in gewissen Bereich sogar eine zu starke Marktposition, wie Auseinandersetzungen mit den Schweizer Wettbewerbshütern zeigen.

Ganz spurlos wird der Wegfall von Schloter an der Swisscom allerdings nicht vorbeigehen, glauben einige Branchenkenner. Schliesslich sei Schloter als Visionär für das Unternehmen extrem wichtig gewesen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Verwaltungsrat wenig Ahnung habe von der Industrie. «Carsten Schloter ist ein Verlust für die Swisscom», sagt Andreas Müller, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Er sei ein hoch angesehener Manager gewesen.

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