Mostobst
Wie die Obstbauern die Preise künstlich hochhalten

Um die Hochpreisinsel Schweiz zu erhalten, liefern Obstbauern lieber billig ins Ausland. Obwohl wir genügend Mostobst zur Verfügung hätten, kaufen aber manche Schweizer Detailhändler Produkte aus dem Ausland ein.

Sermîn Faki
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Der Schweizerische Obstverband (SOV) erwartet dieses Jahr eine durchschnittliche Mostobsternte. Als Mostobst gelten vor allem Apfel- und Birnensorten, die gepresst und zu Getränken verarbeitet werden. Weil die Ernte von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfällt, kommt es immer wieder zu Überschüssen, die auf dem Schweizer Markt nicht verkauft werden können. Diese werden exportiert - zu deutlich tieferen Preisen.

Möglich macht das die Exportförderung des SOV. Diese verpflichtet die Obstbauern, einen gewissen Anteil ihres Verkaufserlöses im Inland in eine spezielle Kasse des Verbands einzuzahlen, aus der dann das Minus-Geschäft Export finanziert wird. Die Obstbauern verzichten also auf einen Teil ihres Einkommens, damit Konsumenten in der EU Schweizer Apfelsaft für weniger Geld kaufen können als Schweizer, könnte man sagen.

Kritik von Thurella

Dieses System ist unsinnig, meint der Thurgauer Getränkehersteller Thurella. Vor allem, weil in Schweizer Warenregalen wiederum Apfelsäfte aus der EU stehen. So stammt der Apfelsaft der M-Budget-Linie vor allem aus deutschem Konzentrat, wie eine Migros-Sprecherin bestätigt.

Bereits im März hatte Thurella die Exportförderung des SOV kritisiert. Dadurch werde das Obst für inländische Abnehmer künstlich verteuert, wodurch wiederum der Druck steige, günstiges Konzentrat aus dem Ausland zu importieren. Der Aargauer Abfüller Mineralquelle Zurzach AG bestätigte im letzten Herbst denn auch, Apfelsaftkonzentrat grösstenteils zu importieren. «Trotz der hohen Schutzzölle fahren wir immer noch günstiger», so Geschäftsführer Hanspeter Brunner damals. Die Thurella-Führung forderte deshalb eine Kürzung des Exportzustupfs und schlug Alternativen vor. Man sollte versuchen, die Überschüsse an jene Detailhändler zu verkaufen, die in ihren Billiglinien ausländische Säfte verwenden oder leichte Preissenkungen durchzusetzen.
Im SOV ist Thurella damit aufgelaufen.

An einer Vorstandssitzung vor zehn Tagen wurde der Vorschlag mit einer Gegenstimme abgelehnt. Den Grund dafür nennt SOV-Vizedirek-
torin Josianne Enggasser ohne Umschweife: «Wir wollen keinen Preiszerfall.» Im Klartext: Die Preise in der Schweiz sollen weiterhin hoch gehalten werden. In der Branche führt das zu Reibereien. Vor allem die verarbeitenden Betriebe, also Mostereien und Abfüller, sind nicht zufrieden.

«Quersubvention ist Fehlsystem»

Deutlich äussert sich die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). «Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass diese Quersubvention ein Fehlsystem ist», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Die SKS setze sich schon lange dafür ein, dass preistreibende, marktabschottende Methoden abgebaut werden. Wichtig sei jedoch, dass der Konsument wisse, woher ein Produkt stamme und unter welchen Bedingungen es produziert worden sei. Schweizerinnen und Schweizer seien auch dann noch bereit, einheimische Produkte zu kaufen, gibt sich Stalder zuversichtlich.

Aber: «Wenn die günstigen Produkte nicht zum Konsumenten kommen, geht der Konsument zu den günstigen Produkten», meint sie. «Mit dem massenhaften Einkaufstourismus nach Deutschland kämpfen verschiedene Branchen derzeit.» Josianne Enggasser bestreitet, den Schweizer Markt aufgegeben zu haben. «Ziel des SOV ist, den gesamten Markt mit Schweizer Produkten zu beliefern.» Man könne aber nichts machen, wenn ein ausländischer Anbieter in die Schweiz dränge.

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