Spurensuche

Werden in der Schweiz bald Drohnen für Russland gebaut?

Die Argus-Drohne von Altenrhein basiert auf einem umgebauten Ultraleichtflugzeug der slowenischen Firma Pipistrel.

Die Argus-Drohne von Altenrhein basiert auf einem umgebauten Ultraleichtflugzeug der slowenischen Firma Pipistrel.

Auf dem Flugplatz Altenrhein sollen Drohnen gebaut werden. Die Strippen ziehen ein Israeli und ein Franzose, beide mit engen Beziehungen zu Russland. Eine Spurensuche.

Die Schweiz gilt als internationaler Hotspot für die Entwicklung unbemannter Flugkörper. Die staatlichen Handelsförderer von «Präsenz Schweiz» starteten ein mehrjähriges Promotionsprogramm, um das Land international als «Home of Drones» zu positionieren. Die meisten Anwendungen sind ziviler Natur, doch der Übergang zur militärischen Nutzung ist fliessend. Nun ist aus dem Ausland ein Anbieter in der Schweiz gelandet, von dem die Branche bisher keine Kenntnis hat: die Argus Aviation Technologies AG.

Die neue Firma will auf dem Ostschweizer Grenzflughafen Altenrhein Kleinflugzeuge in Drohnen umbauen. Diese können zivil, aber auch militärisch eingesetzt werden. Die Hintergründe sind wenig transparent. Auf Anfrage erklärt Verwaltungsrat und Geschäftsführer Friedrich Gothsche, die Firma sei noch in der «Definitionsphase», weshalb er nur «eingeschränkt» Auskunft gegeben könne.

Die Argus Aviation ist bei der Altenrhein Aviation eingemietet und teilt sich mit ihr das Führungspersonal. Das ehemalige Servicezentrum der Pilatus-Flugzeugwerke ist mittlerweile der Schweizer Stützpunkt im weitverzweigten Aviatikkonzern des verschwiegenen israelischen Unternehmers Aaron Frenkel. Die Spur der Argus Aviation führt zunächst aber auf die Bermudas. Die dort gemeldete Argus Integrated Systems Pvt. Ltd. hat gemäss St. Galler Handelsregister das Aktienkapital gezeichnet. Nach Informationen der Enthüllungsplattform «Offshore Leaks» ist die Firma personell mit der AGM Aerospace General Marketing Corp. mit Sitz auf den British Virgin Islands verflochten. In dieser ist gemäss gleicher Quelle Frenkel als Direktor eingetragen.

Frenkel, der von Monaco aus geschäftet, ist mit dem Verkauf von Flugzeugen in osteuropäische Staaten reich geworden. Er wurde vom russischen Staatschef Vladimir Putin mit einem Orden ausgezeichnet. In Israel beherrscht er mit Uvision bereits eine Drohnenfirma. Diese ist auf kleine Kampfdrohnen spezialisiert, die als verkappte Bomben Kamikaze-Angriffe fliegen können. Frenkel war in den vergangenen Monaten auch als spekulativer Investor an der Übernahme des israelischen Drohnenproduzenten Aeronautics durch den Konkurrenten Rafael Advanced Defense Systems beteiligt.

Er kaufte Wochen vor dem Deal günstig Anteile, die er danach wieder abstiess und gemäss dem israelischen Wirtschaftsdienst «Globes» dabei einen Gewinn von umgerechnet 23 Millionen Franken einfuhr. Diese Firmenübernahme ist für die Schweiz relevant, da die Schweizer Armee die Beschaffung der Aeronautic-Drohne «Orbiter» beschlossen hat.

Technologiepartner Uavos

In seinem neuen Schweizer Drohnengeschäft stützt sich Frenkel nach vorliegenden Informationen auf Charles Hergott. Der Franzose lebt in der Schweiz und verfügt wie Frenkel über beste Geschäftsbeziehungen nach Russland. Das Land und seine Geschäftspraktiken habe er als Angehöriger der französischen Botschaft kennen gelernt, schreibt er auf einer Businessplattform. In Moskau ist er heute mit der Allied Aviation Consulting tätig, die mit Aviatik-Produkten handelt.

Hergott führt auch in Genf ein Beratungsbüro und ist zudem Teilhaber der Firma Uavos. Diese hat sich auf die Entwicklung von Autopiloten spezialisiert, einer Kerntechnologie für unbemannte Flugkörper. Der Sitz der Uavos-Holding ist Hongkong, der Hauptinvestor Vadim Tarasov ist wiederum Russe. Die Ursprünge der Uavor liegen jedoch in der Schweiz, heute sei der Hauptsitz im US-amerikanischen Silicon Valley. In Uavos-Dokumenten finden sich auch die ersten Hinweise, dass slowenische Kleinflugzeuge der Marke «Pipistrel» mit Uavos-Technologie zu Argus-Drohnen umgebaut werden sollen.

Militärische Nutzung ist möglich

Als Uavos ihr Projekt im vergangenen Jahr erstmals an einer Drohnenmesse in Indien vorstellte, stand der militärische Nutzen im Vordergrund. Auf der von Hergott betriebenen und mittlerweile weitgehend gelöschten Website unmanned-v-aircraft.com werden zivile Anwendungen aufgeführt. Explizit werden aber auch die militärischen Einsatzmöglichkeiten als «Störsender», «Zielortung» und «Strategic and Attack» genannt. Als Vorzüge der Argus-Drohne werden nicht nur ihre Wirtschaftlichkeit erwähnt, sondern auch, dass die spezifischen Einrichtungen erst beim Kunden eingebaut werden können. So liesse sich die Drohne im Inland zivil ausbauen und im Ausland militärisch nachrüsten.

Die neue Website argustech.aero rückt die zivilen Einsatzbereiche in den Vordergrund. Gothsche sagt denn auch, bei der Argus-Drohne handle es sich «um eine rein zivile Aufklärungsdrohne für den internationalen Markt». Sie könne bei wissenschaftlichen Missionen, im Umweltbereich bei Grenzüberwachung oder bei Katastrophen zum Einsatz kommen.

In ihrer Präsentation verspricht Argus Aviation «Swiss quality». Nach Möglichkeit würden Schweizer Partnerfirmen und Lieferanten gesucht. Teil des «Home of Drones» ist sie damit aber nicht. Beim Branchenverband, der Drone Industry Association, fliegt sie jedenfalls noch unter dem Radar. Mitarbeit: Andri Rostetter

Autor

Christian Mensch

Meistgesehen

Artboard 1