Es wurde viel geredet, aber gebessert hat sich nichts. Der Anteil von Frauen in Verwaltungsräten in der Schweiz wächst sogar langsamer als im Ausland, wie eine weltweit angelegte Studie von Egon Zehnder zeigt. Dazu hat der Headhunter die Zusammensetzung von Verwaltungsräten von 1610 Aktiengesellschaften in 44 Ländern analysiert.

In der Schweiz wurden 37 Unternehmen untersucht. Die Studie lässt erkennen, dass die Schweiz in vielen Punkten schlechter abschneidet als der globale Durchschnitt, was die Gleichstellung von Mann und Frau angeht.

Besser als der globale Durchschnitt klassiert sich die Schweiz bei der Anzahl Verwaltungsrätinnen in Schweizer Unternehmen. 22,3 Prozent der Verwaltungsratssitze in der Schweiz sind von Frauen besetzt, global sind es 20,4 Prozent.

 In Westeuropa sind es allerdings 27 Prozent der Sitze, die von Frauen besetzt werden. Der Anteil der Frauen in Verwaltungsräten hat sich in der Schweiz von 2004 bis 2018 um 13,3 Prozent erhöht, in Westeuropa um 21 Prozent.

In der Schweiz ist es ausserdem seltener als im Ausland, dass eine Frau an der Spitze eines grossen Unternehmens steht. Der Prozentsatz der Frauen, die einem Unternehmen als CEO vorstehen, liegt in der Schweiz bei 2,7 Prozent, global bei 3,7 Prozent. Bei der Besetzung von Verwaltungsratspräsidien sind die Zahlen ähnlich.

Immerhin: Im Jahr 2018 wurden 36,8 Prozent der neuen Verwaltungsratsmandate in der Schweiz mit Frauen besetzt, der globale Durchschnitt liegt bei 27 Prozent.

Eigeninitiative gefordert

Simone Stebler, Beraterin bei Egon Zehnder, fordert mehr Ambitionen von Unternehmen in der Schweiz. «Wünschenswert wäre es, wenn in jedem Verwaltungsrat 30 Prozent Frauen sitzen würden», sagt Stebler. Die kritische Masse von 30 Prozent ist laut verschiedenen Studien notwendig, damit Verwaltungsratsmitglieder nachhaltig die Diskussionskultur verändern und damit Entscheidungen in einem Verwaltungsrat beeinflussen können. So würden Frauen als gleichwertiger Teil eines Gremiums wahrgenommen.

«Dieser Einfluss kann die Unternehmenskultur verändern. Sie wird geschlechterneutral», erklärt Stebler. Das bedeute, dass sowohl sogenannt «weibliche» als auch «männliche» Führungsqualitäten geschätzt werden. So wird weiblichen Führungskräften in Studien eine höhere emotionale Intelligenz zugeschrieben. Diese steht für die Kompetenz im Umfang mit Gefühlen, die auch im beruflichen Alltag eine Rolle spielen kann.

Gemischte Gremien für Erfolg

Würde diese Qualität bei einer Person in einer Führungsposition besser akzeptiert und gewürdigt, dann werde das Unternehmen für ambitionierte Arbeitnehmerinnen attraktiver. Ausserdem existieren Studien, die belegen, dass Unternehmen mit einem durchmischten Verwaltungsrat finanziell erfolgreicher sind.

Bei Diskussionen um den Frauenanteil in Verwaltungsräten oder Geschäftsleitungen ist häufig die Aussage zu hören, dass passende Kandidatinnen nicht zu finden seien. Dem widerspricht die Headhunterin Doris Aebi, die selber Verwaltungsrätin ist. Sie ist Profi darin, passende Kandidatinnen und Kandidaten für Führungspositionen und Verwaltungsräte zu rekrutieren.

Es gebe genügend gut ausgebildete und erfahrene Frauen in der Schweiz, die für solche Funktionen infrage kommen und sich auch dafür interessieren, sagt Aebi. Wichtig sei, sie nicht nur im eigenen Beziehungsnetz finden zu wollen, sondern den Fächer gezielt zu öffnen. Frauen sind zudem zurecht anspruchsvoll und wollen genau wissen, was bei einer neuen Aufgabe auf sie zukommt. Dem gilt es gerecht zu werden.