Fifa-Skandal
Warum der Fifa-Skandal die Schweizer Touristiker kalt lässt

Die Hoteliers sind zufrieden – trotz den vielen Negativschlagzeilen über den Fifa-Kongress und der Verhaftungsaktion im Nobelhotel Baur au Lac. Grund ist die Art wie die Fifa und deren Präsident Sepp Blatter vom Normalbürger wahrgenommen wird.

Oliver Graf
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Die Hoteliers sind zufrieden – trotz den vielen Negativschlagzeilen über den Fifa-Kongressund der Verhaftungsaktion im Nobelhotel Baur au Lac.

Die Hoteliers sind zufrieden – trotz den vielen Negativschlagzeilen über den Fifa-Kongressund der Verhaftungsaktion im Nobelhotel Baur au Lac.

Keystone

Die Bilder gingen um die Welt: Die Kantonspolizei verhaftet im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac mehrere Fifa-Funktionäre. Seither steht der Weltfussballverband – und mit ihm der Standort Zürich – in jeder Nachrichtensendung, in jeder Zeitung im Zentrum. Und natürlich wird auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein hämischer Kommentar nach dem anderen abgesetzt. Die schlechte PR bleibt bislang an der Fifa hängen, auf die Schweiz, auf Zürich tropft nichts ab.

Tourismusdozent Peter Schmidli: «Sepp Blatter wird eher als Weltfigur denn als Schweizer wahrgenommen. Deshalb wirkt sich der Fifa-Skandal nicht direkt auf den Schweizer Tourismus aus.»

Tourismusdozent Peter Schmidli: «Sepp Blatter wird eher als Weltfigur denn als Schweizer wahrgenommen. Deshalb wirkt sich der Fifa-Skandal nicht direkt auf den Schweizer Tourismus aus.»

HO

Tourismus-Experte Peter Schmidli verweist auf eine Aussage, die Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid vor etwas mehr als einem Jahr nach dem Ja zur SVP-Masseneinwanderungsinitiative gemacht hatte: Ein Feriengast lasse sich von negativer Polit-Presse nicht zwingend beeinflussen – «unter den vielen Schlagzeilen über Silvio Berlusconi hat der italienische Tourismus nicht direkt gelitten», hatte Schmid damals gesagt.

Ähnliches dürfte nun auch im Fifa-Fall gelten, glaubt Schmidli, der an der Höheren Fachschule für Tourismus Luzern doziert. «Der umstrittene Weltfussballverband wird als eine Art eigener Staat wahrgenommen, er wird nicht mit der Schweiz gleichgesetzt.» Auch der umstrittene Fifa-Präsident Sepp Blatter werde vom Normalbürger «eher als Weltfigur, denn als Schweizer» wahrgenommen.

Der Fifa-Skandal werde sich deshalb nicht direkt auf den Zürcher oder Schweizer Tourismus auswirken. Andere Skandale seien da deutlich heikler, sagt Schmidli. «Die Steuerskandale der vergangenen Jahre werden beispielsweise direkt mit der Schweiz in Verbindung gebracht, gerade auch im wichtigen Markt Deutschland.» Dies könne sich auf die Marke Schweiz niederschlagen.

Auch beim Zürcher Hotelier-Verein gibt man sich überzeugt, dass der Fifa-Skandal trotz weltweiter Beachtung nicht direkt auf die Tourismusbranche zurückfallen wird. Besucherinnen und Besucher würden wegen der Stadt und der Region, ihren touristischen Angeboten und den gut aufgestellten Hotels nach Zürich reisen und hier übernachten, sagt Geschäftsleiterin Marianne Dobler-Müller. Kongresse, wie sie die Fifa gerade abhalte, seien für die Tourismusbranche aber natürlich ein sehr wichtiger Bereich: «Derartige Zusammenkünfte, sei es aus der Sport-, der Wirtschafts- oder auch der Kulturwelt, stellen gerade auch für die Hotels ein wichtiges Schaufenster dar.

Sie können sich international präsentieren.» Aber auch der hiesige Detailhandel und die weiteren Geschäfte könnten von derartigen Grossanlässen profitieren, sagt Dobler. «Es ist deshalb wichtig, dass wir weiterhin internationale Kongresse in die Region Zürich holen können.»

Jörg Arnold, Direktor des Zürcher Luxushotels Storchen und Vorstandsmitglied beim Dachverband Hotelleriesuisse, befürchtet ebenfalls keine negativen Auswirkungen der Fifa-Wirren auf den Tourismus: «Ich wüsste nicht, weshalb.» Der Skandal habe ja nichts mit der Stadt oder der Region zu tun. Dennoch hofft Arnold, dass beim Sitz der Fifa am Zürichberg rasch wieder Ruhe einkehren wird: «Davon, dass der Weltfussballverband in Zürich beheimatet ist, profitiert die Stadt enorm.»

Der Hoteldirektor zählt unter anderem etwa den prestigeträchtigen «Ballon d’Or» auf; der Titel des Weltfussballers des Jahres wird jeweils in einer glamourösen Gala in der Limmatstadt verliehen. Und im Frühling 2016 wird beim Bahnhof Enge das Fussballmuseum der Fifa eröffnet. «Das wird eine weitere Attraktion für Zürich.»