Von Roll mit Sitz in Breitenbach galt einst als stolzes Unternehmen. Gegründet im 19. Jahrhundert war die Firma zeitweise das grösste Eisenwerk der Schweiz. Mitte des 20. Jahrhunderts bröckelte das Imperium im Schwarzbubenland, Verkauf folgte auf Verkauf. Bis man sich auf das Geschäft mit thermischen und elektrischen Isolationen konzentrierte.

So konnte von Roll nach schwierigen Jahrzehnten wieder Fuss fassen. Zwar nicht mehr als die grosse Firma, aber zumindest in ihrem Geschäftsgebiet als Weltmarktführer, wie es bei von Roll heisst. Nun plant das Unternehmen, wieder zu wachsen.

Von Roll teilte am Montag mit, dass es Wandelanleihen in einem Gesamtvolumen von nominal über 163 Millionen Franken in Aktien umwandeln will. Damit steigt das Eigenkapital der Firma um mehr als das Doppelte an, von 108 Millionen Franken auf 256 Millionen Franken. Durch das erhöhte Eigenkapital sehe man sich in der Lage, «zukünftig auch anorganisches Wachstum anzugehen», lässt sich von-Roll-Chef Christian Hennerkes in der Mitteilung zitieren.

Die Firma will also auf Einkaufstour gehen. Wer im Einkaufskorb landen soll, dazu will sich von Roll aber nicht äussern. Sprecherin Claudia Güntert: «Denkbare Akquisitionen kommentieren wir im Vorfeld nicht.»

Mit Autofirmen im Gespräch

Es dürfte sich aber um Unternehmen im boomenden Elektromobilitätsmarkt handeln. Dort ist von Roll Partnerschaften mit Autofirmen wie Renault und einem nicht bekannt gegebenen deutschen Hersteller, eingegangen. Zudem: «Wir befinden uns aktuell in zahlreichen Entwicklungsprojekten mit nahezu allen namhaften Automobilherstellern», sagt Güntert.

Die Elektromobilitäts-Strategie bewirbt die Firma derzeit verstärkt. So schrieb von Roll vergangene Woche, dass eine eigene Gesellschaft für die Elektromobilsparte gegründet würde. Allerdings ist diese Firma bereits seit Oktober 2017 in Deutschland eingetragen, zudem suchte man seit März nach einem Geschäftsführer für die Division, den sie mit Jens Lange fand.

Über die neue Sparte will von Roll im Geschäft mit Hochspannungsisolationen wachsen. Diese werden in Elektromotoren eingesetzt und in Breitenbach entwickelt.

Die Massnahme verbessere auch das Ergebnis des Unternehmens, wie von Roll in der Mitteilung weiter schreibt. Der Effekt liege bei 6 Millionen Franken jährlich ab 2019. Im vergangenen Jahr hätte dies gereicht, um wieder einmal unter dem Strich einen Gewinn zu erzielen. Das Minus lag bei 4,3 Millionen Franken, ein Jahr vorher gar bei über 30 Millionen Franken.

Von Roll ist seit 2008 unter der Kontrolle der deutschen Investorenfamilie von Finck. Damals wurde vermeldet, dass die Familie zwei Drittel der Aktien hält. Wie viel sie heute besitzt, ist unklar. Ende November meldeten «der Spiegel» und die «Wochenzeitung», dass das Familienoberhaupt August von Finck die AfD finanziell unterstützen soll.