Sika

Verwaltungsrat wehrt sich gegen Illegalitäts-Vorwurf

Die Sika-Gründerfamilie will verkaufen und überrumpelte damit die Konzernleitung, der Verwaltungsrat wehrt sich. Wohin geht die Fahrt?Christian Beutler/Keystone

Die Sika-Gründerfamilie will verkaufen und überrumpelte damit die Konzernleitung, der Verwaltungsrat wehrt sich. Wohin geht die Fahrt?Christian Beutler/Keystone

Die Gründerfamilie des Baustoffkonzerns Sika will das Unternehmen an Saint-Gobain verkaufen. Dagegen wehrt sich der Verwaltungsrat. Der Streit hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

Es ist eine neue Eskalationsstufe im Übernahmestreit um den Baustoffkonzern Sika. Der Verwaltungsrat des Unternehmens hat am Montag erklärt, das Stimmrecht der Gründerfamilie Burkard und ihrer Schenker-Winkler Holding (SWH) beschränken zu wollen.

Ausserdem weigert sich der Verwaltungsrat, eine vorzeitige ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen. Eine solche strebt die Familie an, um drei abtrünnige Verwaltungsräte loszuwerden. Konkret geht es dabei um den Vorsitzenden Paul Johann Hälg sowie die Mitglieder Monika Ribar und Daniel Sauter. Die Burkards wollen so die Übernahme durch den Baukonzern Saint-Gobain vorantreiben.

Abwehrschlacht bei der Sika: VR-Präsident Paul Hälg im Video-Interview

Abwehrschlacht bei der Sika: VR-Präsident Paul Hälg im Video-Interview

Die Burkards respektive die SWH halten das neueste Vorhaben der Verwaltungsräte für illegal. Dazu zählt auch die geplante Begrenzung der SWH-Stimmrechte auf eine statutarische Grenze von fünf Prozent. Dies sei nicht rechtens, heisst es seitens der SWH. Laut Verwaltungsrat folgt das jedoch aus der anstehenden Übernahme, denn: Zusammen mit Saint-Gobain bilde die SWH eine Gruppe. Die SWH übe ihr Stimmrecht damit auf Weisung des französischen Bauriesen aus, was in anderen Fällen durch bundesgerichtliche Rechtsprechung untersagt worden sei. Die Folge wäre eine Reduzierung der Stimmanteile. Ein Gutachten des Rechtsprofessors Peter Nobel würde dies bestätigen.

Burkards wehren sich

Für SWH und Saint-Gobain sind die Vorwürfe haltlos. Ihr Argument: Die Einberufung einer Generalversammlung hänge nicht von den Stimmrechten, sondern allein vom Kapital ab. Ein Anteil von mindestens zehn Prozent sei dafür nötig. Die Burkards halten 16 Prozent. Gegen die angestrebte Stimmrechtsbeschränkung erhebt die Familie schwere Vorwürfe: Dies komme einer Enteignung gleich, heisst es in einer Mitteilung.

Rückblende: Anfang Dezember 2014 schockieren die Nachfahren des Sika-Gründers Kaspar Winkler das Management, den Verwaltungsrat und die Angestellten. Die Burkard-Erben geben bekannt, ihren Anteil am Unternehmen dem französischen Baukonzern Saint-Gobain für 2,75 Milliarden Franken zu verkaufen. Zwar besitzt die Familie nur einen Aktienanteil von 16 Prozent. Doch ihr Anteil ist gegenüber den übrigen Aktien privilegiert. Sie halten die Stimmrechtsmehrheit von 52 Prozent. Hinzu kommt eine weitere Besonderheit: Eine sogenannte Opting-Out-Klausel erlaubt es der Familie, die Stimmrechtsmehrheit zu verkaufen, ohne die anderen Aktionäre zu fragen.

Nicht nur wirtschaftlich relevant

Der Fall birgt eine besondere Brisanz, denn es geht dabei nicht nur um geschäftliche Interessen. Der Sika-Konzern ist seit 1910 in der Hand der Gründerfamilie. Diese hatte stets ihre Verbundenheit und ihre Loyalität zum Unternehmen betont. Die Stimmrechtsmehrheit wurde immer als problemlos, gar als positiv für das Unternehmen angesehen, denn so war es vor einer feindlichen Übernahme geschützt. Das galt, bis sich die Erben entschlossen, ihre Anteile zu Geld zu machen.

Die Nachfolgegeneration hat offenbar kein Interesse an der Übernahme der Anteile. «Es zeichnet sich nicht ab, dass eines der Kinder je eine nähere Beziehung zu Sika haben wird», begründete der Anwalt der Familie den Schritt. Bei den fünf Geschwistern der vierten Generation endet damit die Ära Burkard bei Sika.

Management und Verwaltungsrat waren empört. Sie wurden offenbar erst am 5. Dezember von der Gründerfamilie informiert – und dabei vor vollendete Tatsachen gestellt. In einer eilig einberufenen Medienkonferenz drohten Hälg und CEO Jan Jenisch mit dem geschlossenen Rücktritt der Konzernleitung. In der Folge überschlugen sich die Ereignisse. Mit dem heutigen Tag hat der Übernahmeprozess erneut an Brisanz gewonnen.

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