Wirtschaft

Velofahrer müssen bald in allen Fernverkehrszügen reservieren: Der VCS wehrt sich

Die Reservationspflicht für Velos dürfe nur eine kurzfristige Übergangslösung sein, moniert der VCS. (Symbolbild)

Die Reservationspflicht für Velos dürfe nur eine kurzfristige Übergangslösung sein, moniert der VCS. (Symbolbild)

Die SBB weiten die Reservationspflicht für Velos ab Frühling 2021 auf allen Intercity- und Eurocity-Linien aus. Der Verkehrs-Club VCS fordert derweil einen Ausbau der Kapazitäten.

(wap/agl) Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) verlangt von den SBB, in ihren Zügen mehr Platz für Velos zu schaffen. Dass Zweiräder künftig nur noch mit einer Reservation in Fernverkehrszügen mitreisen können, dürfe «nur eine kurzfristige Übergangslösung sein», schreibt der VCS am Dienstag in einer Mitteilung. Der Verband fordert weiter, dass der Preis der Velotageskarte um den Reservationspreis gesenkt wird. Ausserdem brauche es Anpassungen am Rollmaterial: «Der VCS verlangt, dass prioritär Züge umgebaut werden und mehr Platz für Velos und andere Sportgeräte in Multifunktionsabteilen geschaffen wird», heisst es in der Mitteilung.

Die SBB bestätigen die ausgeweitete Reservationspflicht auf Anfrage von CH Media. Man wolle im kommenden Jahr Kapazitätsengpässe wie in diesem Sommer vermeiden, schreibt ein Sprecher. Die SBB würden ab Frühling 2021 «auf allen IC/EC-Linien Velos nur noch nach vorgängiger Reservation transportieren.» Die SBB habe den Ansturm in den Sommermonaten unterschätzt, heisst es in der Stellungnahme weiter. Die Folge seien Kapazitätsengpässe und unzufriedene Kunden gewesen. Eine Reservation solle den Reisenden künftig Planungssicherheit geben. Denn sie garantiere, dass das Velo auch mitgenommen werden kann.

SBB: Kapazitäten können nicht beliebig ausgebaut werden

Wie der Sprecher weiter schreibt, würden derzeit die technischen und finanziellen Modalitäten der Reservation ausgearbeitet. Diese sollen den Interessenvertretern im Frühling 2021 vorgestellt werden. Die SBB strebe weiter an, auf den wichtigsten Verbindungen bereits ab 2021 zusätzliche Veloplätze zu schaffen. «Jedoch können die Kapazitäten für Velos nicht beliebig ausgebaut werden, dies ginge zu Lasten des Sitzplatzangebots», heisst es seitens der SBB weiter. Konzepte für den Ausbau der Kapazitäten würden derzeit geprüft.

Im Coronasommer ist die Nachfrage nach Velotageskarten stark gestiegen: Gemäss Zahlen der SBB wurden im Spitzenmonat Juli 45 Prozent mehr Tageskarten verkauft als im Juli 2019. Der VCS fürchtet mit der Pflicht zu reservieren eine Verlagerung der Velo-Touristen auf die Strasse: «Die Folge davon wird sein, dass Personen eher mit dem Auto zu ihrem Mountainbike-Wochenende anreisen», schreibt der Verband in seiner Mitteilung. Um die Wende hin zu einem klimafreundlichen Verkehr zu schaffen, sei es aber wichtig, dass der öffentliche Verkehr im Freizeitbereich attraktiver werde.

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