Wie kann Renova unterstützt werden? Eine Kapitalzufuhr oder ein bedeutender staatlicher Auftrag sei nötig, um den Verlust von Arbeitsplätzen zu vermeiden. Das berichtete gestern die russische Wirtschaftszeitung «Kommersant».

Am 6. April hatten die USA harte Sanktionen gegen russische Oligarchen und deren Unternehmen verhängt – als Antwort auf die Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf. Auch Vekselberg und Renova stehen auf der Sanktionsliste. Amerikanern ist seither der geschäftliche Umgang mit ihm untersagt. Nicht-US-Personen können sanktioniert werden, wenn sie bedeutende Deals mit ihm durchführen. Alle Vermögenswerte sind blockiert, die unter US-Zuständigkeit fallen. Vekselberg kontrolliert in der Schweiz unter anderem die Industrieunternehmen Sulzer, OC Oerlikon und Schmolz+Bickenbach.

Russland erwägt Massnahmen

Vekselberg fordert vom russischen Staat, dieser solle einen Kredit über 820 Millionen Euro übernehmen, den westliche Banken ihm gegeben hatten. Im Gegenzug bietet Vekselberg als Sicherheit seinen Anteil von 26,5 Prozent am Aluminium-Konzern Rusal. Jedoch zählt auch Rusal zu den sanktionierten Unternehmen, weshalb der Wert von Vekselbergs Rusal-Paket kollabiert ist. Der Milliardär fordert daher, sein Paket nicht zum aktuellen Marktwert zu verbuchen. Dieser entspreche nicht dem wahren Wert.

Zusätzlich soll Russland weitere Kredite und Obligationen ablösen, die Tochtergesellschaften von Renova erhalten haben. Dabei gehe es um einen Gesamtwert von 300 Milliarden Rubel (4,8 Milliarden Franken), die der russische Staat zu vorteilhaften Konditionen verleihen solle. Tochterunternehmen von Renova sollen bei staatlich ausgeschriebenen Bauprojekten bevorzugt behandelt werden. Steuerliche Erleichterungen finden sich ebenfalls im Forderungskatalog – oder ein Embargo auf importiertes Mineralwasser, wovon ein von Vekselberg kontrollierter Hersteller profitieren würde.

Der «Kommersant» kommentiert, die Wunschliste sei so breit gefasst, dass mit ihrer Umsetzung ein getrenntes bevorzugtes Wirtschaftsumfeld allein für Renova geschaffen würde. Allerdings habe Renova auch eingeschränkt, es erwarte nicht, dass es alle angeforderten Leistungen tatsächlich erhalten werde. Die Liste werde nun in den zuständigen Ministerien analysiert. Letzte Woche habe der russische stellvertretende Energieminister bestätigt, dass Massnahmen erwogen werden, um Renova zu unterstützen.

Am Flughafen abgefangen

Bereits letzte Woche wurde bekannt, dass Vekselberg nicht nur mit Sanktionen zu kämpfen hat. Die «New York Times» berichtete, dass der Milliardär von Mitarbeitern des amerikanischen Sonderermittlers Robert Mueller abgefangen wurde, als er an einem Flughafen in der Nähe von New York aus seinem Privatflugzeug stieg. Alle seine elektronischen Geräte seien untersucht und er selber befragt worden sein. Mueller soll untersuchen, ob es im Wahlkampf zu Absprachen kam zwischen dem russischen Staat und dem Team des heutigen Präsidenten Donald Trump.

Es sei unklar, warum Mueller Vekselberg abfangen liess, so die «New York Times» weiter. Möglich sei, dass Mueller wissen wolle, warum Vekselberg anwesend war bei der Amtseinführungs-Feier von Trump. Ein Cousin und Geschäftspartner von Vekselberg hat 250 000 Dollar zu dieser Amtseinführung gespendet. Vekselberg war anwesend, als der vom Kreml finanzierte Sender RT eine Dinerparty gab. An einem Tisch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sass damals Michael Flynn, Trumps erster nationaler Sicherheitsberater. Flynn trat nach wenigen Wochen zurück; gab zu, er habe das FBI belogen und kooperiert seither mit Mueller.