Uhrenbranche

Uhrenkönig Nick Hayek hat für Apples Uhr nur ein müdes Lächeln übrig

Apples Uhr macht ihn nicht nervös: Swatch-Chef Nick Hayek.

Apples Uhr macht ihn nicht nervös: Swatch-Chef Nick Hayek.

Swatch-Chef Nick Hayek reagiert auf die innovative Apple-Uhr mit Hohn und Spott. Ob er es besser kann, muss er aber erst noch zeigen. Das Zeugs dazu hätte er auf alle Fälle.

«Die Innovation, die in Cupertino präsentiert wurde, ist die Krone. Erfunden vom Luxusuhrenmacher Abraham-Louis Breguet. Das wurde präsentiert als die grosse Neuheit. Ich sage: wunderbar. Wir fühlen uns da überhaupt nicht benachteiligt», sprach der Schweizer Uhrenkönig Nick Hayek am Mittwoch mit ironischem Unterton anlässlich einer Pressekonferenz in Zürich.

Eigentlich eingeladen wurde wegen einer Kooperation zwischen Swatch und dem Flughafen Zürich – doch im Zentrum des Interesses stand die Apple Watch.

Worauf der Konzernchef der Swatch Group anspielte: Apple-Chef Tim Cook hat als Herzstück der neuen Apple-Uhr, die in der Nacht auf Mittwoch im kalifornischen Cupertino vorgestellt wurde, die Krone präsentiert.

Bei mechanischen Uhren dient sie zum Aufziehen des Uhrwerks. Bei der Apple Watch, wie das neue Wunderding von Apple heisst, dient die Krone dagegen als Zoom- und Navigations-Instrument: Man kann mit der Krone auf Kartenausschnitten ein- und auszoomen oder in der Mailbox durch die Nachrichten scrollen.

Akt unerhörter Selbstaneignung

Der Funktion nach sind die Kronen also kaum vergleichbar. Wie auch die Smartwatches mit mechanischen Uhren nur wenig gemein haben.

Die tragbaren Kleincomputer sind möglicherweise die ganz grosse Innovation der Industrie: «Apple Watch könnte den Durchbruch für Smartwatches bringen», urteilte der Uhrenanalyst der Bank Vontobel, René Weber. Deshalb, so Weber, würden die Smartwatches auch einen Einfluss auf die Schweizer Uhrenbranche haben.

Vor allem Zeitmesser im unteren Preissegment dürfe die Apple-Konkurrenz zu spüren bekommen. Die Swatch Group sei mit Swatch und Tissot exponiert. Es geht um einiges: Die beiden Marken machen rund 20 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Kein Wunder, straft Hayek die Innovation aus Silicon Valley mit Geringschätzung: «Wir lassen uns den Rhythmus sicher nicht von Cupertino diktieren und ich bleibe auch nicht extra auf wegen einer Apple Watch», so Hayek.

Herabwürdigung als Ausdruck der Beleidigung? Jedenfalls gehört der grosse Kronen-Erfinder Breguet heute zu Hayeks Imperium und Apples Kronen-Bezug könnte dem Oberhaupt als Akt unerhörter Selbstaneignung fremder Herrschaftsinsignien untergekommen sein.

Oder war man einfach überrascht, dass Apple schon gestern informierte? Selber tüftelt Hayek seit Jahren an einer Smartwatch. «Swatch hat schon vor zehn Jahren Smartwatch-Komponenten lanciert», so Hayek.

Etwa mit der Swatch Access, mit der man bezahlen konnte, oder mit dem Tissot-Modell, das über einen Touchscreen verfügte.

Zudem betreibe man die Batteriefabrik Renata, die Batterien für tiefsten Stromverbrauch herstelle. «Für mobile Geräte, Uhren, Telefone oder Hörgeräte, sind Renata-Batterien weltspitze.»

Und dazu habe Swatch die Mikrochip-Fabrik EM Microelectronic, die Weltspitze hinsichtlich der Stromeffizienz sei. Und dann sei da auch noch die Firma Micro Cristall, die Quarze herstelle: «Quarze brauchen Sie in elektronischen Geräten und sie sind in Mobilephones und in einigen dieser Smartwatches integriert», so Hayek. Und Swatch investiere auch viel Geld in die Forschung in diesem Bereich.

Zudem mische man auch schon munter bei den ersten Smartwatches mit. Die Swatch Group sei schon in drei Geräten von Smartwatch-Herstellern präsent: Im Display, in den Sensoren und in den Batterien.

Gerade beim Thema Batterien habe man sich in Cupertino noch in Schweigen gehüllt; nicht grundlos: «Das ist eines der grossen Probleme: Wie lange geht es, bis man die Uhr wieder aufladen muss», so Hayek. Die Swatch sei heute zwar nur ein Zulieferer, aber man wisse genau wie die Integration der Einzelteile zu einer Uhr, die mit seinem Träger interagieren könne – so Hayeks Definition einer Smartwatch –, funktioniere.

Bloss kein Fitness-Accessoire

Mit anderen Worten: Swatch hat so ziemlich alles für eine eigene Smartwatch. Sie muss nur die Einzelteile zusammensetzen. Zu hoffen ist, dass dabei mehr herausschaut als bloss ein Fitness-Accessoire, wie es Hayek im Gespräch mit der «NZZ am Sonntag» für 2015 unlängst in Aussicht gestellt hatte. Ein kommerzieller Brüller wäre das jedenfalls wohl kaum: Die Apple Watch hat auch Fitnessfunktionen und dazu noch vieles mehr.

Was genau uns erwartet, sagt Hayek nicht. Er will sich den Überraschungseffekt nicht nehmen lassen. Schon gar nicht von denen in Cupertino.

«Die sind hypernervös. Wir überhaupt nicht: Wir wissen was wir tun, wir haben das Know-how und wir tun die Dinge, die wir tun müssen. Sie werden es früh genug erfahren, dann, wenn der Konsument in den Genuss dieses Produkts kommt», sprach der König und zog an seiner Zigarre.

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