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UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann: «Die Leerstände sind ein Warnzeichen»

Schweiz-Chef Axel Lehmann in der UBS-Geschäftsstelle in Zug. Stefan Kaiser

Schweiz-Chef Axel Lehmann in der UBS-Geschäftsstelle in Zug. Stefan Kaiser

Der UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann warnt im Interview mit CH Media vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes.

Was tut die UBS Schweiz, damit Swiss Banking auch in Zukunft eine angesehene Marke bleibt – einerseits für Kunden, andererseits aber auch für Mitarbeitende?

Axel Lehmann: Die UBS ist ein wichtiger Teil des Schweizer Finanzplatzes. Wir unternehmen enorme Anstrengungen, um für unsere Kunden, ob Privatkunden oder Firmenkunden, die kompetenteste Bank zu sein – und dies wird uns in Kundenumfragen immer wieder bestätigt. Für uns heisst das einerseits, weiterhin im Bereich Digitalisierung und Technologie zu investieren, und andererseits grossen Wert auf die Ausbildung und Förderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu legen.

Nach der Finanzkrise 2008 und 2009 hat die UBS in der Schweiz Tausende Stellen gestrichen. Wird es einen weiteren Abbau geben?

Wir mussten uns nach der Finanzkrise fundamental neu ausrichten und haben uns dabei noch stärker auf unseren Heimmarkt Schweiz konzentriert. Wir wollen einerseits attraktive Arbeitsplätze bieten und andererseits auch die Regionen stärken. So haben wir vor zwei Jahren begonnen, ein Dienstleistungszentrum mit 450 Stellen in Schaffhausen aufzubauen. Ein weiteres mit einer Kapazität von bis zu 600 Arbeitsplätzen entsteht derzeit in Biel, und im Tessin haben wir ein Innovationszentrum für Künstliche Intelligenz geschaffen. Mit über 20 000 Mitarbeitenden sind wir der drittgrösste private Arbeitgeber hierzulande, und unser Personalbestand hat im letzten Jahr um rund 400 Stellen zugenommen. Natürlich haben Kosten weiterhin eine hohe Priorität, aber wir werden auch künftig in der Schweiz einstellen.

Die UBS hat in den letzten zehn Jahren aber auch viele Stellen ins Ausland, etwa nach Polen oder Indien, ausgelagert. Das waren ursprünglich vor allem Hilfsjobs, zum Beispiel im Backoffice-Bereich, in letzter Zeit aber auch vermehrt anspruchsvollere Jobs.

Ja, wir haben in Polen, Indien, China und in den USA Hubs geschaffen. Diese hatten ursprünglich zwei Funktionen: Vor zehn, fünfzehn Jahren wurden eher einfachere, repetitive Tätigkeiten dorthin ausgelagert. Solche werden heute aber viel stärker automatisiert, auch dank der Digitalisierung. Diese Welle ist vorbei. Inzwischen findet man in diesen Ländern auch hervorragend ausgebildete Leute wie Mathematiker oder Ingenieure. Zum Teil sind das Kompetenzen, die in der Schweiz, in London oder New York schwierig zu wettbewerbsfähigen Löhnen zu finden sind. In Indien gibt es etwa viele hervorragende Software-Ingenieure, diese könnten wir in der Schweiz in dieser grossen Anzahl nie rekrutieren.

Bei der Mitarbeiterzufriedenheit gab es unlängst negative Schlagzeilen: Wie die «Financial Times» Mitte März berichtete, werde Müttern bei der UBS nach der Schwangerschaft der Bonus dauerhaft gekürzt. Ausserdem wirke sich die Babypause negativ auf Aufstiegschancen aus. Gibt oder gab es eine systematische Benachteiligung in der Schweiz?

Nein, das kann ich ganz klar sagen: Wir legen äussersten Wert auf Gleichbehandlung. Wir haben klare Richtlinien und Kontrollen, die eine systematische Diskriminierung verhindern. Diese werden laufend verbessert. Wir achten streng darauf, dass es beispielsweise bei vergleichbarer Qualifikation, Position und Leistung keine Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen gibt. Wenn wir Diskrepanzen finden sollten, dann handeln wir. Wir möchten unbedingt mehr Frauen in Führungspositionen. Deswegen ist uns die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr wichtig – übrigens auch für Männer.

Beim Vaterschaftsurlaub haben einige Schweizer Konzerne vorgelegt, etwa Novartis, wo künftig ein Vaterschaftsurlaub von 14 Wochen gewährt wird. Ist eine Ausweitung auch bei der UBS ein Thema?

Ich glaube, wir haben hier eine gute Lösung. Zusätzlich zu den schon länger gewährten zwei Wochen bezahlter Vaterschaftsurlaub haben Väter nach der Geburt bei uns seit eineinhalb Jahren das Anrecht auf bis zu einem Monat unbezahlte Ferien. Zusätzlich haben sie das Anrecht, ihr Arbeitspensum für bis zu einem halben Jahr auf 80 Prozent zu reduzieren, um mehr Zeit für die junge Familie zu haben. Ich habe bis jetzt noch von keinem einzigen jungen Vater gehört, dies sei ein Problem. Bei uns werden jährlich rund 300 Kollegen neu «Papis», und wir finden passende Lösungen.

Viele Schweizer Banken haben in den letzten Jahren ihre Gebühren erhöht. Wo steht die UBS bei den Gebühren? Haben auch Sie erhöht?

Wir haben letztes Jahr in der Schweiz im Privatkundengeschäft rund 40 000 neue Kunden dazugewonnen. Vorletztes Jahr waren es ungefähr gleich viele. Das spricht dafür, dass wir einiges richtig machen. Wir wollen mit unseren Gebühren wettbewerbsfähig sein, doch man darf nie die Gebühren alleine anschauen, sondern auch der Service und die Qualität spielen eine Rolle.

Schweizer Banken reduzieren ihre Filialnetze. Wird es auch bei der UBS Schliessungen geben?

Wir haben vor zirka zehn Jahren das ganze Filialnetz ausgebaut. Heute beobachten wir, dass die Kunden immer digital affiner werden. Wir sehen, dass sie immer weniger in eine Filiale gehen, um traditionelle Transaktionen zu tätigen, sondern eher, um Beratung oder Unterstützung bezüglich ihrer Digitalapplikationen zu erhalten. Wir haben rund 280 Filialen in der Schweiz, und noch in diesem Jahr werden wir mit fünf bis zehn Piloten starten. Wir wollen ein neues Filialformat testen, welches die Beratungssituation in den Vordergrund stellt und welches auch in einem Kleinformat bestehen kann. Die physische Präsenz ist nach wie vor zentral, hat aber nicht mehr die gleiche Funktion wie früher.

Werden in diesen neuen Filialen keine Mitarbeiter mehr vor Ort sein?

Doch, das werden Kleinfilialen sein mit zwei bis vier Mitarbeitenden, an zentralen Orten, wo eine gewisse Kundenfrequenz besteht.

Der Bund will der Postfinance erlauben, Kredite und Hypotheken zu vergeben. Dies wäre eine starke Konkurrenz für die UBS.

Wir sind offen für eine Aufhebung des Hypothekar- und Kreditverbots unter der Voraussetzung, dass Wettbewerbsgleichheit gegeben ist. Dies setzt unter anderem voraus, dass die Postfinance künftig mehrheitlich in privaten Händen ist und die regulatorischen sowie steuerlichen Bedingungen vergleichbar sind. Ausserdem müssen die bestehenden rechtlichen Probleme gelöst werden, so beispielsweise die Interessenskonflikte des Bundes als Regulator und als Miteigentümer einer grossen Bank.

Sie könnten also mit einer Teilprivatisierung leben?

Ich bin Realist. Ich weiss nicht, ob eine Vollprivatisierung politisch machbar ist. Doch eine mehrheitliche Privatisierung ist notwendig.

Es läuft ein politischer Prozess, den Eigenmietwert abzuschaffen. Sollte dies durchkommen, lohnt es sich für die Eigenheimbesitzer, ihre Hypotheken abzuzahlen. Sehen Sie da Probleme auf die UBS und die Banken zukommen?

Nein, ich glaube, es ist gut, dass man das Thema anschaut. Aus Bankensicht würde man den Eigenmietwert eigentlich gerne behalten, weil er ein gewisses Hypothekarwachstum generiert. Aber aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Abschaffung eine gute Sache. Und wenn man den Eigenmietwert reduzieren oder abschaffen will, dann ist jetzt, in diesem Tiefzinsumfeld, der Zeitpunkt dafür.

Die tiefen Zinsen verleiten zum Bauen, die Leerstände in der Schweiz ausserhalb der Zentren sind auf einem hohen Stand. Sehen Sie akute Probleme im Immobilienmarkt?

Bei den Renditeliegenschaften sehen wir eine gewisse Überhitzung, darauf hat auch die Nationalbank hingewiesen. Man muss nur einmal abends durchs Mittelland fahren und darauf achten, wie viele Lichter in diesen Häuserzeilen brennen. Das zeigt Ihnen alles. Die Leerstände sind ganz klar ein Warnzeichen, dass man vorsichtig sein muss, wo man investiert als Bank, und jedes Objekt sehr gut analysieren muss, wenn es um das Hypothekargeschäft geht.

Also keine konkreten Alarmsignale?

Man sieht, dass die Ampel auf Orange geht. Solange der Markt und das Zinsumfeld so bleiben wie jetzt, wird sich nicht viel ändern. Wenn die Zinsen schneller steigen sollten, könnte das Verwerfungen geben. Dann würden einige Kreditnehmer Schwierigkeiten haben, die Hypotheken zu bedienen, und gerade Renditeliegenschaften könnten deutlich an Wert verlieren.

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