Wirtschaft

Trotz leichter Entspannung im Handelsstreit: China wird wegen eingebrochenen Handelszahlen allmählich nervös

US-Präsident Donald Trump und der chinesische Vizepremier Liu He beim zweitägigen Handelstreffen im Weissen Haus in Washington.

US-Präsident Donald Trump und der chinesische Vizepremier Liu He beim zweitägigen Handelstreffen im Weissen Haus in Washington.

Chinas Wirtschaft steht unter Druck. Wegen des anhaltenden Handelskriegs mit den USA ist der chinesische Außenhandel im September drastisch eingebrochen. US-Präsident Trump feiert die jüngsten Verhandlungen als Durchbruch. Peking sieht das hingegen ganz anders.

Dass der Handelsstreit mit den USA in China Spuren hinterlassen würde, war den Wirtschaftsplanern in Peking zwar klar. Dass der Einbruch aber so dramatisch ausfallen würde, hat sie doch überrascht. Chinas Aussenhandel ist im September stärker eingebrochen, als die chinesische Führung erwartet hatte. Wie der chinesische Zoll am Montag mitteilte, gingen die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,2 Prozent auf rund 218 Milliarden Dollar zurück. Das ist der stärkste Einbruch seit acht Monaten. Die Importe sanken gar um 8,5 Prozent auf 178 Milliarden Dollar. Bei den Exporten war die chinesische Führung von einem Rückgang um 3 Prozent ausgegangen, bei den Importen um rund sechs Prozent.

In diesen Zahlen schlägt sich vor allem der Einbruch der Importe aus den USA nieder. Diese sanken im September um über 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sie sind unmittelbar auf die Strafzölle von Anfang September zurückzuführen, mit denen sich die USA und China gegenseitig überzogen haben. Chinas Exporte in die USA sackten um 22 Prozent ab. Das dürfte Auswirkungen auf viele Sektoren haben. In China sind es vor allem der Technologie- und Konsumsektor, die unter den hohen Zöllen leiden. In den USA sind es die Landwirte, die ihr Soja, Mais und Schweinefleisch wegen der chinesischen Vergeltungszölle nicht mehr loswerden.

Zölle werden nicht erhöht, bleiben aber bestehen

Genau im Agrarsektor sieht US-Präsident Donald Trump nun seinen Erfolg der letztwöchigen Handelsverhandlungen mit dem chinesischen Vizepremier Liu He. Er bezeichnete das Ergebnis als «grossartigsten und grössten Deal», der je für die amerikanischen Bauern in der Geschichte des Landes gemacht wurde. Seit anderthalb Jahren überziehen sich die zwei grössten Volkswirtschaften der Welt gegenseitig mit Strafzöllen. Trump wirft China mangelnden Marktzugang vor und den Diebstahl von geistigem Eigentum. Trump zufolge hat sich China nun in einer «ersten Phase» dazu verpflichtet, geistiges Eigentum besser zu schützen und Agrarprodukte im Wert von bis zu 50 Milliarden Dollar einzukaufen. Im Gegenzug verzichtete Trump auf die für Dienstag geplante Erhöhung bereits existierender Strafzölle auf chinesische Importe von 25 auf 30 Prozent.

Auch die Führung in Peking versicherte, dass sie von weiteren Strafzöllen absehen werde. Weitere Verhandlungen stünden aber an. Die chinesische Seite klingt denn auch viel weniger euphorisch als die amerikanische. Aus Sicht von Chinas Staatschef Xi Jinping bleiben zu viele Streitpunkte offen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua schrieb am Wochenende lediglich von «wichtigen Fortschritten». Von einem «Durchbruch» war in China nicht die Rede.

Details des Abkommens sind noch nicht publik

Tatsächlich haben beide Seiten noch nichts schriftlich veröffentlicht und auch keine Details bekannt gegeben. «Die Wahrheit ist, dass es noch nichts Konkretes gibt, um einen Deal zu verkünden», heisst es in einer ersten Einschätzung des unabhängigen Wirtschaftsinstituts Gavekal mit Sitz in Hongkong. Die Ökonomen vermuten, Trump habe in letzter Minute versucht, die für Dienstag angedrohte Erhöhung der Zölle zu vermeiden, um nicht weiteren Unmut unter den US-Landwirten zu erzeugen. Trump schiele bereits auf die Wahlen im nächsten Jahr.

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