Seit dem 15. Januar, dem Tag, an welchem die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euromindestkurs von 1.20 Franken aufgehoben hat, dreht sich alles um die Frage: Wie verdaut die Wirtschaft den Frankenschock? Besser als erwartet, glaubt man dem jüngsten Arbeitsmarktbarometer von Manpower.

Achtungserfolg

Aus der alle drei Monate durchgeführten Umfrage des Job-Vermittlers geht zwar hervor, dass 91 Prozent der 750 befragten Arbeitgeber aus Unsicherheit keine Veränderungen ihres Personalbestands im ersten Quartal 2016 erwarten. Klarere Vorstellungen haben die wenigsten: Drei Prozent rechnen mit einem Anstieg, ebenso viele mit einem Rückgang. Unter dem Strich sollte also alles in etwa beim Alten bleiben.

Immerhin: Berücksichtigt man saisonale Einflüsse wie unterschiedliches Klima, liegt der Saldo bei +1 Prozent zum Vorquartal und bei +3 Prozent im Jahresvergleich.

Bedenkt man, dass die Unternehmen im Januar auf einen Schlag Wettbewerbsfähigkeit im Ausland einbüssten, weil sich ihre Produkte in Fremdwährung über 10 Prozent verteuert hatten, wäre allein das schon mehr als ein Achtungserfolg.

Die Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung hemme die Entscheidungsfreudigkeit, erklären die Ökonomen von Manpower. Am Donnerstag könnte die SNB in ihrer letzten Lagebeurteilung dieses Jahr weitere Massnahmen gegen den starken Franken treffen und etwa die Zinsen tiefer als bisher mit –0,75 Prozent ins Minus drücken.

Fragezeichen bei der Industrie

Nach Sektoren und Regionen aufgeteilt wird mehr ab- statt aufgebaut. Das Resultat fällt insgesamt deshalb positiv aus, weil Schwergewichte wie Zürich, Zentralschweiz und Nordwestschweiz einen Beschäftigungsaufbau oder zumindest keinen Abbau erwarten.

Überraschend optimistisch ist die bisher gebeutelte Industrie: Sie erzielt ihr bestes Ergebnis seit 2011 sowie den höchsten Wert der zehn untersuchten Wirtschaftssektoren.

Das ist erklärungsbedürftig: Einer der zuverlässigsten Zukunftsindikatoren ist die monatliche Umfrage bei den Chefeinkäufern der Unternehmen. Verschätzen sie sich beim eigenen Bedarf, bleiben sie auf Eingangsprodukten sitzen. Sie haben also ein vitales Interesse an der Richtigkeit ihrer Einschätzung der Wirtschaftsdynamik.

Dieser Index deutet seit Anfang Jahr auf Schrumpfen der Beschäftigung in der Industrie hin. Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, äussert deshalb Bedenken: So bald werde die Beschäftigung nicht anziehen. Und auch das Barometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH (Kof) verharrte zudem im November unter dem langjährigen Mittel.

Die Grossbank Credit Suisse ist ebenfalls vorsichtig: Die Arbeitslosenquote werde nächstes Jahr im Schnitt von gegenwärtig 3,4 auf 3,7 Prozent steigen. Dabei werde die Exportindustrie auch 2016 unter der Frankenstärke leiden. Besonders in der Industrie dürften Investitionsentscheide öfters zuungunsten des hiesigen Standorts ausfallen und Arbeitsplätze abwandern.

Dank besserer Nachfrage aus dem Ausland könnte die Exportindustrie im Verlauf der zweiten Jahreshälfte die Talsohle womöglich langsam durchschreiten. Credit Suisse hält die Geldpolitik der SNB aber für zu restriktiv und plädiert für eine Senkung der Negativzinsen.

Das Konjunkturforschungsinstitut BakBasel hat gestern die Prognosen gesenkt: Die Schweizer Wirtschaft werde sich erst 2017 deutlich erholen. Für den Jahresdurchschnitt 2016 prognostiziert BakBasel einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 3,6 Prozent. Bis zum Jahresende 2017 dürfte die Arbeitslosenquote wieder auf etwa 3,4 Prozent sinken.