Restaurants, gehobene Schnellverpfleger oder Bars haben landauf und landab ihre tiefste Krisenzeit offenbar hinter sich gelassen. Die Trendwende nach sechs verlorenen Jahren hat vor allem Frauen zu neuen Arbeitsplätzen verholfen. Dagegen hat der Detailhandel zuletzt nur noch Jobs für Männer geschaffen. Frauen wurden hingegen zu Tausenden die Stellen gestrichen.

Diese Trends weist das Beschäftigungsbarometer aus, welches das Bundesamt für Statistik veröffentlicht hat. Total entstanden im Vergleich zum Vorjahr rund 80'000 neue Arbeitsplätze. Genug Jobs für jeden Einwohner der Stadt St. Gallen, sämtliche Kinder und Rentner inbegriffen.

Die Gastronomie hatte ab dem Herbst 2008 in den Überlebensmodus umgeschaltet. Viele Betriebe fuhren den Personalbestand auf das gerade noch verkraftbare Minimum hinab, wie der Basler Wirteverband erklärt. «Sonst hätten sie schlicht nicht überlebt», sagt Präsident Maurus Ebneter. Im Herbst 2013 hatte die Gastronomie rund 12 Prozent ihrer Arbeitsplätze gestrichen – etwa 23'000 Jobs waren weg.

Ausgebliebener Aufschrei

Einen Aufschrei gab es deswegen nie. Maurus Ebneter staunt über die ausgebliebene politische Reaktion noch heute. Auch wenn er die Erklärung kennt. Anders als ein Sparprogramm bei einem Weltkonzern habe der Abbau in der Gastronomie sich in Tausenden von Restaurants vollzogen, verteilt übers Land und schleichend in fünf Jahren. So wurde der gewaltige Jobverlust nie bemerkt in Bundesbern oder in einer Kantonshauptstadt. Doch 2018 scheint das Schlimmste ausgestanden – und auf einmal stellen die Gastwirte den Hebel auf Wachstum um.

Rund 10'600 Stellen sind in der Gastronomie entstanden, in nur zwölf Monaten. Auf einmal sind die Verluste aus fünf langen Krisenjahren zu einem guten Teil wieder wettgemacht. Von dieser Wende profitierten vor allem Frauen. Über zwei Drittel der neuen Jobs wurden von ihnen besetzt. Damit trug die Gastronomie massgeblich zur gestiegenen Zahl von Frauenjobs bei. Nur im Gesundheitswesen, wo drei Mal mehr Frauen als Männer arbeiten, entstanden mehr Stellen für Frauen.

Dennoch ist der Branche nicht zum Jubeln zumute. Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse, betont die Unbeständigkeit dieses Aufschwungs. Umfragen würden zeigen, dass die Gastwirte in naher Zukunft schon wieder weniger Mitarbeiter bräuchten. Dabei sei die Branche weit entfernt von den besten Zeiten von Mitte 2008. Schliesslich merkt Platzer als Kandersteger Hotelier auch an, dass der Aufschwung bisher an der Beherbergung vorbeiging. Dort stagnierte die Stellenzahl.

Neue Jobs nur für Männer

Wie die Jobwende zustande kam, nährt die Zuversicht nur bedingt. Kaum etwas ist schliesslich launischer als das Wetter. Rekordwarme Sommermonate und ein September mit strahlend blauem Himmel bescherten der alpinen Gastronomie unvermittelt wieder mehr Gäste. Um diesen Andrang zu meistern, musste wohl Personal wieder zurückgeholt werden, das man in den schwierigen Vorjahren hatte gehen lassen.

In dieses negative Bild des Jobaufschwungs könnte etwas paradoxerweise auch passen, dass viele Arbeitsplätze für Frauen geschaffen wurden. Gastwirte, wie andere Unternehmer auch, reagieren auf einen plötzlichen Nachfrageschub gerne zunächst einmal vorsichtig – und stellen Teilzeit-Mitarbeiter ein, oftmals zu kleinen Pensen. Weicht der Aufschwung nach kurzer Zeit einer Enttäuschung, können sie diese Mitarbeiter leichter wieder gehen lassen. Es sind überproportional oft Frauen, die zu solchen unsicheren Bedingungen eine neue Stelle annehmen.

Frauen arbeiten generell häufiger als Männer nur Teilzeit. Oder in Arbeitsverhältnissen, die Experten «instabil» nennen oder «prekär». Damit einher geht auch ein höheres Risiko einer Entlassung, wenn es einem Unternehmen schlecht läuft oder einer Branche. Genau diese Dynamik scheint sich derzeit im Detailhandel abzuspielen. Dort entstanden im letzten Jahr immerhin rund 1400 neue Arbeitsplätze. Die jedoch ausschliesslich von Männern besetzt wurden. Hingegen verloren rund 7000 Frauen ihren Arbeitsplatz.

Löhne in der Schweiz: