Krise? Als solche könnte man einen Umsatzrückgang von fast 11 Prozent auf 7,6 Milliarden und einen Gewinneinbruch von fast 50 Prozent auf 593 Millionen Franken innerhalb eines Jahres wohl bezeichnen. Swatch-CEO Nick Hayek wollte davon an der Bilanz-Medienkonferenz in Biel jedoch nichts wissen. Eine Strategie-Änderung? Wurde im Verwaltungsrat nicht diskutiert. Im Gegenteil. Auf kurzfristige Veränderungen überstürzt zu reagieren, sei kein guter Ratschlag, so Hayek. Die Swatch-Group sei in allen Preissegmenten mit starken Marken präsent und es bestehe keine Notwendigkeit, daran etwas zu ändern.

2016 kämpfte der Uhrenkonzern, zu dem unter anderem die Marken Omega und Longines gehören, mit einer Konsumflaute und insbesondere schwächeren Verkäufen an Touristen aus China und Russland. Vor allem aus China reisten wegen neuer Einreisebestimmungen weniger Touristen in die Schweiz ein. Auch russische Besucher blieben der Schweiz wegen westlicher Sanktionen gegen das Land vermehrt fern. In den ersten Monaten des neuen Jahres hat sich die Nachfrage laut Hayek nun jedoch erfreulich entwickelt – insbesondere in Asien, dem für Swatch wichtigsten Absatzmarkt. Für 2017 rechnet er mit einem Wachstum in Lokalwährungen von bis zu 10 Prozent.

Das ist ambitioniert, aber geradezu bescheiden im Vergleich zu den Plänen für die 2007 gegründete Konzerntochter Belenos, die Batterien mit einer neuartigen Vanadium-Verbindung unter anderem für Elektroautos produzieren soll. Swatch verspreche sich davon ein Umsatzpotenzial von bis zu 15 Milliarden Franken bis 2020, hörte man vor nicht allzu langer Zeit aus der Konzernzentrale.

Am Donnerstag nun gab sich Hayek etwas zurückhaltender. Auf Belenos angesprochen, nannte er keine Zahlen und sprach stattdessen von einem Marathon: «Wir machen Fortschritte, sind aber immer noch etwas davon entfernt, ein wirklich grosser Player im Markt zu sein.» Aktuell bewege sich die Firma von der Forschung und Entwicklung hin zur Produktion von Batteriezellen. 2017 werde für Belenos deshalb ein sehr wichtiges Jahr. «Die Welt braucht Alternativen zu den grossen asiatischen Batterienproduzenten», ist Hayek überzeugt. Er sei erstaunt, dass man im Batterien-Bereich in Europa und den USA nicht mehr Anstrengungen sehe.

«In die falsche Richtung»

Mächtige Konkurrenz, hier allerdings aus den USA, hat die Swatch-Group auch in einem anderen wichtigen Zukunftsmarkt: jenem der smarten Uhren und Armbänder. Hayek machte gestern einmal mehr klar, dass Swatch «kein Smartphone in die Uhr bringen will». Swatch sei keine Firma für Consumer Elctronics, denn die Profitabilität sieht er in diesem Bereich wegen der riesigen Distributionsnetzwerke und der kurzen Halbwertszeiten für nicht gegeben. Die technologische Entwicklung ignorieren kann Swatch natürlich trotzdem nicht. «Wir haben schon immer gesagt, dass wir nützliche Funktionen in die Uhr bringen wollen», betonte Hayek gestern. Die Marke Tissot etwa habe dies mit dem Luftdruckmesser und anderen Funktionen schon vor langer Zeit gemacht.

Auch jetzt soll Tissot wieder Pionierarbeit leisten: Gegen Ende 2018 wird die Uhrenmarke ein erstes Modell mit einem von Swatch selber entwickelten Betriebssystem auf den Markt bringen, wie gestern angekündigt wurde. Den Markt für Betriebssysteme im Wearables-Markt beherrschen heute hauptsächlich Google und Apple. Die Entwicklung gehe aber in die falsche Richtung, findet Hayek: Immer mehr Energieverbrauch, immer mehr zusätzliche Funktionen. Das hauseigene Betriebssystem, verspricht er, werde designt «für alle kleinen Objekte, die verbunden sein wollen».