Neuausrichtung

Stromkonzern Alpiq nervt die Konkurrenz mit Paketlösungen

Vom Stormlieferanten zum Energiedienstleister: Alpiq.

Vom Stormlieferanten zum Energiedienstleister: Alpiq.

Der Ex-Strommonopolist grast neuerdings im Garten der Gebäudetechniker und sorgt damit für Ärger. Weil Alpiq die ganze Produktepalette von der Steckdose bis zum Kraftwerk anbietet, kann sie Offerten anbieten, die die Konkurrenz ausstechen.

Als voll integrierter Energiekonzern bietet Alpiq neuerdings die ganze Produkte- und Dienstleistungspalette im Energiesektor an: von der Kraftwerkbewirtschaftung über die Stromlieferung und das Energiemanagement für einzelne Gebäude bis hin zur Installation der Steckdosen und zu Lüftungsschächten in Gebäuden. Diesen Strategiewechsel hat Alpiq im letzten Dezember kommuniziert.

Das Problem: Wegen der sinkenden Stormpreise lässt sich mit dem Verkauf von Strom immer schlechter leben. Das zeigten auch die gestern publizierten Alpiq-Geschäftszahlen zum ersten Quartal: Bei gleich hohem Energieabsatz sanken der Umsatz um 13 und das operative Ergebnis um 42 Prozent. Zusatzeinnahmen jenseits der Stromproduktion sind also dringend nötig.

Alpiq versucht sein Glück im Bereich der Gebäudetechnik, das heisst: man installiert Elektroanlagen in Gebäuden, liefert Lösungen für die Gebäudeautomation, -überwachung, für Heizungen, Lüftungen und Sanitäranlagen.

An der Grenze der Fairness

Konkurrenten sagen nun aber, dass Alpiq mit solchen Engagements die Grenzen der fairen Marktwirtschaft überschreite. Weil Alpiq die ganze Palette anbiete, könne der Ex-Monopolist zu Preisen offerieren, die für nicht voll integrierte Stromunternehmen nur noch fantastisch seien. «Ich kann meine Offerten ja nicht mit Stromlieferungen quersubventionieren», sagt etwa Christian Stäuble, CEO von ID Gebäudetechnik.

Für halbstaatliche Energieunternehmen wie Alpiq, aber auch für viele Elektrizitätsunternehmen wie die von Bern (EWB), Baselland (EBL), Zentralschweiz (CKW) oder Aarau (IBAarau) sei das anders. Für sie seien die Installations-Aufträge gleichsam ein Türöffner für weitere Zusatzgeschäfte aus der voll integrierten Produkte- und Dienstleistungspalette. Zum Beispiel für Energielieferverträge auf Contracting-Basis.

Weko müsste untersuchen

Die ehemaligen Monopolisten offerierten dabei die Elektro-, Heizungs- und Klimainstallationen zu den gleichen Preisen wie die unabhängigen Haustechnik-Firmen. Zusätzlich aber garantierten sie vorteilhafte Konditionen für die spätere Stromlieferung. Oder die ehemaligen Monopolisten lieferten einfach den Hausanschluss gratis. Das sei quasi die Schweizer Art von Korruption: «Die grossen halbstaatlichen Organisationen schanzen sich die Aufträgli frisch-fröhlich zu, und die freie Marktwirtschaft zerfleischt sich für die restlichen Aufträge», sagt Stäuble.

Er selber müsse heute für 70 Prozent der Selbstkosten offerieren und dann hoffen, dass er die restlichen 30 Prozent durch Mehraufwände oder Einsparungen reinholen könne. Sonst hätte er bei Grossaufträgen gegen die teilweise halbstaatliche Konkurrenz keine Chancen.

Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht hoch problematisch werde es, wenn staatliche Monopolisten Unternehmen der Gebäudetechnikbranche übernehmen, wie beispielsweise die EWB die Bärenhaustechnik gekauft hat. «Ob das mit den Werten der freien Marktwirtschaft vereinbar ist, müsste eigentlich die Weko untersuchen. Eine Gelegenheit für die Verwaltungsräte zur Saläraufbesserung ist es allemal», so Stäuble.

Alpiq sagt auf Anfrage, dass man keinen Quersubventionen tätige. Man habe keine gebundenen Kunden und biete Stromlieferungen nur für freie Kunden an. Sämtliche Stromlieferangebote basierten auf reinen Markpreisen, welche nur kleine Vertriebsmargen und in keinem Fall eine Quersubventionierung zuliessen. «Alpiq ist also in keiner Situation Monopolist», so gestern eine Sprecherin.

Stäuble, der mit seinem Unternehmen zu den grössten unabhängigen Gebäudetechnikern der Schweiz gehört, weiss, dass er wenig ausrichten kann: «Wir können nur zusehen, wie der Markt immer mehr an die Grossunternehmen geht. Am Schluss sind wir alle Teil von grossen parastaatlichen Organisationen», sagt der studierte Gebäudetechniker – und tut es nicht ohne Ironie. Denn als Anhänger der freien Marktwirtschaft kann er solche Vorstellungen ohne Humor nicht ertragen. «Das Ganze ist nur noch grotesk», sagt er und lacht.

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