Pierin Vincenz musste seinen 62. Geburtstag am Freitag hinter Gittern feiern. Seit Ende Februar sitzt der Ex-Raiffeisen-Chef in Untersuchungshaft. Falls es der Staatsanwaltschaft nicht gelingt, ihren Verdacht zu erhärten, kann das den Steuerzahler einiges kosten.

Im Fall eines Freispruchs hätte Vincenz Anspruch auf eine Entschädigung. Bei der Genugtuung gehe die Justiz im Normalfall von einem Satz von 200 Franken pro Tag aus, sagt der Strafverteidiger Konrad Jeker. Doch im Fall von Vincenz sind die Voraussetzungen anders. «Ich könnte mir einen Tagessatz von 2000 Franken vorstellen», sagt Jeker zur «Sonntagszeitung». Grund dafür ist die Bekanntheit des Untersuchungshäftlings Vincenz. Die Persönlichkeitsverletzung wiegt laut Jeker bei einer prominenten Person wie dem Ex-Raiffeisen-Chef schwerer als bei einem anonymen Häftling. Hinzu kommen die Kosten für seine Anwälte. «Um die 100'000 Franken Anwaltskosten im Monat sind im Fall Vincenz gut möglich», sagt Jeker. «Mindestens einen Teil davon muss bei einem Freispruch der Staat bezahlen.»

Die Strafverfolger werfen Vincenz ungetreue Geschäftsbesorgung im Zusammenhang mit Zukäufen der Raiffeisen-Gruppe vor. Er wird verdächtigt, sich beim Kauf der Unternehmen Aduno und Investnet bereichert zu haben.