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Schweizer Transporteure wollen Geld für italienisches Schienennetz

Weil Italien zu wenig Geld für den Ausbau seiner Zubringerstrecke zur Neat hat, soll der Bund nachhelfen. Das fordern Schweizer Transportunternehmen. Eine Studie unterstützt sie dabei.

Thomas Schlittler
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Die NEAT-Baustelle bei Sigirino am Monte Ceneri (Archiv)

Die NEAT-Baustelle bei Sigirino am Monte Ceneri (Archiv)

Keystone

Italien hat Geldprobleme und macht keine Anstalten, in den Ausbau der Neat-Zubringerstrecke zu investieren. Schweizer Transporteure sind auf diesen Abschnitt angewiesen und wollen deshalb, dass der Bund einspringt: «Ohne die Anpassung der Strecken bis zu den italienischen Terminals nützen auch die Investitionen in der Schweiz nicht viel», sagt Hupac-Verwaltungsratspräsident Hans-Jörg Bertschi vor den Medien in Zürich. Die Hupac AG ist Marktführerin im alpenquerenden kombinierten Verkehr.

Ende 2012 hat Verkehrsministerin Doris Leuthard dem südlichen Nachbarland 230 Millionen Franken in Aussicht gestellt, die in den Ausbau der Strecke Chiasso–Mailand sowie in die Luino-Linie zwischen Ranzo TI und Gallerate in der Lombardei fliessen sollen. Das Parlament diskutiert das mögliche Investment in Italien voraussichtlich im Sommer. Der versprochene Kredit ist Teil des Pakets zum Bau eines 4-Meter-Korridors auf der Gotthardachse.

Auf den Zufahrtsstrecken zur 57 Kilometer langen Neat-Röhre sind viele Tunnels zu klein für die steigende Anzahl von Sattelschleppern. Mit ihren 4 Metern Eckhöhe stellen sie die Verlagerungspolitik vor Probleme. Die Bahninfrastruktur lässt auf der Nord-Süd-Achse vielerorts nämlich nur den Transport von Aufliegern bis 3,86 Meter Eckhöhe zu. Das soll sich mit der Realisierung des 4-Meter-Korridors ändern. Zusätzlich zu den 24 Milliarden Franken, auf die sich die Neat-Gesamtkosten nach heutigem Wissensstand belaufen werden, müssen nochmals 940 Millionen aufgeworfen werden. Darin enthalten sind die 230 Millionen für Italien. Diese dürften in Bundesbern für hitzige Diskussionen sorgen.

Studie rät zu Italien-Hilfe

Das Cargo Forum Schweiz, ein Zusammenschluss verschiedener Verbände mit spezifischen Interessen am Güterverkehr, hat an der Hochschule Luzern eine Masterarbeit in Auftrag gegeben, um den monetären Nutzen der Gesamtinvestitionen auf der Gotthard-Linie für den kombinierten Verkehr zu untersuchen.

Die Massnahmen beinhalten die neue Röhre am Gotthard, den Ausbau der Schienenkreuzungsstellen zur Verlängerung der Züge – 700 Meter statt 500 Meter – und die Errichtung eines Korridors für 4 Meter hohe Transporteinheiten. Das Fazit der Autoren: «Bei unveränderten Trassenpreisen kann ein jährlicher Nutzen von 154,4 Millionen Franken ab 2020 erreicht werden.» Dies entspricht drei Viertel der Betriebserträge, die der Bund jährlich dem kombinierten Verkehr ausschüttet.

Diese Rechnung beinhaltet eine Investition in Italien. Werde die Luino-Linie nicht realisiert, führe das zu einem wertvernichtenden Szenario für die Gesamtinvestition in den 4-Meter-Korridor, so die Studie. Hupac-Chef Bertschi mahnt: «Die Infrastruktur entscheidet über die Verkehrsverteilung von übermorgen.»

Strasse ist effizienter geworden

Die Bilanz der bisherigen Schweizer Verkehrsverlagerungspolitik fällt zwiespältig aus: 2012 durchquerten 1,2 Millionen Lastwagen unsere Alpen. Das sind zwar fast 14 Prozent weniger als im Jahr 2000, die Zahl liegt jedoch immer noch deutlich über dem Verlagerungsziel von jährlich 650 000 alpenquerenden Fahrten bis 2018. Bei der transportierten Gütermenge in Tonnen konnte die Strasse – durch Effizienzsteigerungen – ihren Anteil gegenüber der Schiene gar halten (siehe Grafik). Bertschi sieht die Massnahmen trotzdem als Erfolg: «Im Ausland hat die Strasse deutlich zugelegt. Uns ist es gelungen, auf der Nord-Süd-Achse erhebliche Mengen von der Strasse auf die Schiene zu verlagern.»

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