Zwischen 2012 und 2014 gingen die Gehälter in der Industrie um 8 Prozent zurück. Deutliche Rückgänge gab es auch in der öffentlichen Verwaltung, dem Personalverleih, der Bankenbranche, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Verkehrsbranche. Besonders betroffen waren die Einstiegslöhne von Ausländern. Diese Resultate zeigen Recherchen der SonntagsZeitung, gestützt auf die kürzlich veröffentlichte Lohnstrukturerhebung 2014 des Bundes. 

In der Industrie und in der öffentlichen Verwaltung führte das auch zu Lohndruck bei den Schweizer Berufsanfängern. «Die Personenfreizügigkeit wird missbraucht», sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. «Schweizer Firmen rekrutieren Arbeitnehmer im Ausland zu tiefen Löhnen, statt Einheimische zu fairen Bedingungen anzustellen.»

Stefan Studer, Geschäftsführer der Angestellten Schweiz, kritisiert die Arbeitgeber scharf: «Offensichtlich versuchen sie, die Löhne von neu in den Arbeitsprozess einsteigenden Angestellten von Anfang an zu drücken.» Das führe auch bei den anderen Erwerbstätigen zu Lohndruck, insbesondere den älteren.

Davon könne keine Rede sein, widersprechen der Schweizerische Arbeitgeberverband und der Industrieverband Swissmem. Die langfristige Lohnentwicklung seit 2002 sei positiv – das zeige, dass durch die Bilateralen kein Missbrauch durch die Arbeitgeber erfolgt sei. Doch genau dies sei der Fall, sagt Daniel Lampart. Er stützt sich auf die Ergebnisse der Lohnkontrollen aus dem letzten Jahr. Sie zeigen, dass die Zahl der Missbräuche gestiegen ist.