Thomas-Cook-Pleite

Schweiz lässt ihre Touristen im Stich ++ CEO kassierte 14 Millionen ++ Grösste zivile Rettungsaktion der Geschichte gestartet

Der britische Traditions-Reisekonzern ging in der Nacht auf Montag Konkurs. Über 150'000 Reisende sind weltweit gestrandet. Während Grossbritannien seine Touristen evakuiert, müssen Schweizer Reisende selber schauen. Derweil steht CEO Peter Fankhauser für seinen Lohn in der Kritik.

«Vielen Dank, auf Wiedersehen und alles gute, Thomas Cook». Die Pleite des grossen Reisekonzerns löste viele Emotionen aus. So anlässlich des letzten Flugs von Thomas Cook Airlines am Montagmorgen:

Stunden zuvor hatte Thomas Cook mitgeteilt: «Wir entschuldigen uns, dass wir Ihnen mitteilen müssen, dass wir unseren Betrieb per sofort einstellen müssen.» Die Mitteilung schlug ein, wie eine Bombe.

Um 3 Uhr morgens ging die Nachricht um die Welt: Der britische Reiseveranstalter Thomas Cook, das älteste Reiseunternehmen der Welt, ist Konkurs. Alle Geschäfte werden eingestellt, die hauseigenen Airlines gegroundet. Weltweit sind davon über 600'000 Touristen betroffen, die aktuell mit Thomas Cook in die Ferien verreist sind und aktuell nicht mehr wissen, wie sie nach Hause kommen oder ob alle Leistungen für die Ferien bezahlt wurden.

Für 150'000 Reisende, die weltweit an den Flughäfen gestrandet sind, nehmen die Ferien ein unrühmliches Ende: sie müssen notfallmässig evakuiert werden, da ihr Flüge nicht mehr durchgeführt werden können.

Die britische Regierung und die CAA Civil Aviation Authority (das ist die britische Version des BAZL) haben unter dem Code-Namen «Operation Matterhorn» die grösste nicht militärische Rettungsaktion in der Geschichte der Menschheit gestartet. Dutzende Flugzeuge wurden kurzfristig gechartert und sind noch in der Nacht auf Montag gestartet, um gestrandete Touristen aus allen Ecken der Welt wieder zurück in die Heimat zu holen.

Die Schalter sind geschlossen.

Richard Moriarty, Chef der CAA erklärte gegenüber den Medien, dass man alles unternehme, um die Touristen zu evakuieren. «Zählen wir alle gecharterten Flugzeuge zusammen, so haben wir eigentlich eine der grössten Airlines des Landes zusammengestellt.» Britische Medien sprechen von etwa 90 gemieteten Flugzeugen.

600 Millionen Pfund

Die angelaufene Rettungsaktion werde mehrere Tage dauern, bis alle Menschen wieder in der Heimat seien, sagte Dominic Raab, der britische Aussenminister, dessen Departement für die Rückführung verantwortlich ist. «Wir lassen keine Britinnen und Briten gestrandet im Ausland zurück.» Reisende würden jedoch darum gebeten, geduldig zu sein, da die Repatriierung einen enormen Aufwand darstelle.

Die Rückführung koste den britischen Staat mindestens 600 Millionen Pfund (ca. 740 Millionen Franken). Die Rückflüge und Reisekosten für sämtliche britischen Staatsbürger würden vollständig übernommen.

Auf Anfrage von CH Media erklärt die CAA, dass dies jedoch nur für Rückführungsflüge von britischen Bürgern nach Grossbritannien gelten würde. Ausländische Reisende müssten sich selber um ihre Heimreise kümmern, respektive die jeweilige zivile Luftfahrtbehörde (in der Schweiz das BAZL) sei für die Repatriierung ihrer Landleute verantwortlich. Wie viele Schweizer also sind davon betroffen?

«Wir haben auf Notgeschäftsführung umgestellt»

Kontaktiert man den Reiseveranstalter Thomas Cook – zu dem auch Neckermann Reisen gehört – an seinem Schweiz-Hauptsitz in Pfäffikon, SZ, so hört man nur einen Anrufbeantworter, der einen darum bittet, nicht mehr anzurufen, da das Unternehmen unter britische Administration gestellt worden sei und seine Geschäftstätigkeiten eingestellt habe.

Der letzte Flug von Thomas Cook Airlines.

Auch die Website liefert keine Kontaktmöglichkeit für Schweizer Reisende, die im Ausland festsitzen. Es steht schlicht die Information, dass das gesamte Unternehmen und die nationalen Ableger auf Notgeschäftsführung umgestellt hätten und sämtliche Geschäftstätigkeiten eingestellt wurden.

Der Verkauf von Reisen sei gestoppt. Man müsse sich an die britische Zivil-Luftfahrtbehörde wenden, um seine Rückreise zu organisieren. Doch das gilt ja eben nicht für Schweizer. Trotz mehrfacher Kontaktversuche reagierte Thomas Cook auf keinen der Anrufe.

Schweizer Reisende müssen selber schauen

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL regelt in der Schweiz die nicht militärische Luftfahrt. Auf Anfrage von CH Media erklärt das BAZL, dass die Zuständigkeit für die Rückführung von Reisenden bei Thomas Cook liege. Also jener Firma, die Konkurs ist. Man gehe zwar davon aus, dass Schweizer betroffen seien, immerhin war Thomas Cook die Nummer zwei im europäischen Reisemarkt, genaue Zahlen habe man jedoch nicht.

Urs Holderegger, Kommunikationschef des BAZL erklärt: «In Grossbritannien ist die Regierung gesetzlich dazu verpflichtet, alle seine Landsleute in einem solchen Fall kostenlos zu evakuieren.» In der Schweiz gebe es ein solches Gesetz nicht. «Das BAZL oder andere Bundesbehören organisieren daher keine Rückführungen.»

Es sei Sache der Reisenden oder der Tourismus-Branchenverbände, die Rückreisen auf eigene Kosten zu organisieren. Zwar würde das BAZL helfen und Auskunft geben, verantwortlich sei man jedoch nicht und verwies auf die Swiss oder die Edelweiss. «Vielleicht wissen die ja etwas.» Ein Anruf bei der Swiss war bisher ergebnislos.

Auch bei dem Schweizer Reise-Verband SRV und dem Schweizer Tourismus-Verband STV sind aktuell keine Rückführungs-Massnahmen oder Unterstützung für gestrandete Schweizer Reisende geplant. «Wer eine Reise bucht und strandet, muss die notfallmässige Rückführung nach aktuellem Kenntnisstand auch selber bezahlen», heisst es etwa vom STV.

Ein Konzern vor dem Aus: CEO in der Kritik

Der Veranstalter Thomas Cook ist in 16 Ländern der Welt aktiv und hat global rund 21'000 Angestellte. Der Konzern erwirtschaftete jährlich einen Umsatz von 11.7 Milliarden Franken. In der Schweiz hat Thomas Cook seinen Hauptsitz in Pfäffikon, SZ, und ist hier unter der Tochtermarke Neckermann Reisen weit besser bekannt. Tausende Menschen verreisten jedes Jahr mit Thomas Cook aus der Schweiz in die Ferien.

Thomas Cook ist pleite - 600'000 Reisende betroffen

Thomas Cook ist pleite - 600'000 Reisende betroffen

Nun haben sämtliche Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, den Verkauf eingestellt.

Die Bemühungen um eine Rettung waren am Sonntag gescheitert. Zwar habe der Konzern einen Kredit von 900 Millionen Pfund erhalten, für die Fortführung der Geschäfte wären jedoch nochmals rund 250 Millionen Pfund nötig gewesen. Aus diesem Grund habe man in der Nacht auf Montag um drei Uhr britischer Zeit in London den Insolvenzantrag gestellt und sich unter britische Administration gestellt.

CEO Peter Fankhauser vor den Medien

Konzernchef Peter Frankhauser, ein Schweizer, bedauerte das Scheitern der Gespräche und sprach in der Erklärung von einem «tief traurigen Tag» für die Firma und die Angestellten, da voraussichtlich alle Filialen geschlossen werden müssten. Alleine in Grossbritannien hat Thomas Cook über 560 Reisebüros.

Der CEO und die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung der Thomas Cook Group stehen derweil in der Kritik wegen der hohen Gehälter, welche sich die Kader-Leute untereinander ausbezahlt hatten. So kassierte alleine der Schweizer Peter Fankhauser, seines Zeichens Konzernchef, seit 2014 rund 14 Millionen Franken Gehalt. Dies, obwohl sich der Konzern seit 2012 in finanzieller Schieflage befindet und bereits einmal von Banken gerettet werden musste. Trotzdem hätten sich die Firmenchefs in dieser Zeit mehr als 25 Millionen Franken ausgezahlt und sogar noch Bonis abkassiert. Dies veröffentlichte der Daily Telegraph am Montag in einer Recherche.

Thomas Cook: der älteste Reiseveranstalter der Welt

Das Unternehmen war rund 170 Jahre aktiv. Gegründet wurde das Geschäft 1841 vom Unternehmer Thomas Cook, der Bahnreisen in England organisierte. Bereits 1855 organisierte Cook die erste Pauschalreise von England nach Europa und bot zum ersten Mal ein Paket aus Transport, Unterbringung und Verpflegung an. Thomas Cook gilt somit als Pionier des modernen Tourismus, wie wir ihn heute kennen.

Doch nun, nach 170 bewegten Jahren ist es vorüber mit dem Reisepionier. Er schliesst seine Tore – wohl für immer.

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