UBS
Schrottpapiere in Leipzig entsorgt: UBS droht Millionenstrafe

Nach Untersuchungen der US-Finanzaufsicht SEC soll die Schweizer Grossbank UBS kurz faule Kreditpapiere in europäische Städte verkauft haben. Leipzig droht deswegen ein Loch von 360 Millionen Franken und der UBS eine neue Millionenbusse.

Marco Weiss
Merken
Drucken
Teilen
US-Finanzaufsicht SEC ermittlet gegen die UBS

US-Finanzaufsicht SEC ermittlet gegen die UBS

Keystone

Bankinterne Dokumente und Gerichtsunterlagen zeigen demnach, dass UBS-Investmentbanker dem Leipziger Kommunalunternehmen 2006 gezielt hochriskante Papiere verkauft haben. Ziel des Verkaufs sei es gewesen, Risiken auf die Stadt Leipzig zu übertragen. So berichtet der «Spiegel» in seiner neusten Ausgabe.

Mit dem Geschäft sollten sich die Wasserwerke laut der Investmentbanker angeblich gegen Risiken aus grenzüberschreitenden Leasinggeschäften absichern können. Doch in Wirklichkeit waren die von der Bank strukturierten Derivate (CDOs) laut Aktenlage keine Absicherung, sondern schufen stattdessen gewaltige Risiken für die Stadt.

Wette gegen Kunden

In einer bankinternen E-Mail heisst es, dass die UBS am meisten profitieren würde «falls der Kunde Verluste erleidet». Aber nicht alle bei der UBS waren für den Deal: Die Controlling-Abteilung der Bank sprach sich gegen das Geschäft aus und verwies in ihrer Begründung auf ein drohendes «Reputationsrisiko» für die Bank, falls das Kommunalunternehmen hohe Verluste erleiden sollte.
Dennoch wurde das Geschäft im Juni 2006 abgeschlossen, da sich die UBS-Investmentbanker in London und New York gegen Widerstände der Controller durchsetzten.

UBS widerspricht

In ihrem jüngsten Geschäftsbericht berichtet die Bank von zahlreichen Klagen in London und Leipzig. Fest steht demnach mittlerweile nur, dass der Fall in London zu verhandeln sei. Aus Sicht der Bank schuldet die KWL der UBS 127 Millionen Franken aus Credit Default Swaps (CDS) Geschäften aus den Jahren 2006 und 2007.

Korruption bei der KWL

Der ehemalige Geschäftsführer der KWL sowie zwei Finanzberater wurden laut UBS wegen Korruption verurteilt. Sie stehen derzeit zudem wegen Veruntreuung vor Gericht. Diese Verfahren stehen laut UBS im Zusammenhang mit den Geschäften mit dem eigenen Geldhaus und anderen Banken.

300 Millionen Verlust für Leipzig

Der Stadt Leipzig drohen laut SEC Verluste von rund 360 Millionen Franken. Die CDOs erwiesen sich als Sammelpaket teilweise fauler Finanzpapiere. Je näher der Zusammenbruch des aufgeblähten US-Immobilienmarktes rückte, der vor fünf Jahren die globale Finanzkrise auslöste, desto mehr Risiken bürdete die UBS der Stadt Leipzig auf.

Bis 2010 waren dann insgesamt 13 Werte ausgefallen, darunter die größten Verlustbringer der Finanzkrise wie Papiere von Lehman Brothers und der US-Hypothekenfinanzierer. Acht Papiere, die bald darauf nichts mehr wert waren, hatte die UBS der Stadt sogar erst nachträglich untergeschoben, die letzten noch im Herbst 2007, so die SEC.

Korrekt: Wasserwerke und nicht Stadtwerke

In einer ersten Fassung haben wir aus dem Geschäftsbericht der Stadtwerke Leipzig aus dem Jahr 2006 zitiert. Den Deal mit der UBS haben aber die Wasserwerke der Stadt Leipzig geschlossen. Wir entschuldigen uns fürs Versehen.

Seit mittlerweile zwei Jahren ermittelt die US-Finanzaufsicht SEC bereits gegen die UBS wegen der Deals mit der Stadt Leipzig. Der UBS droht unterdessen eine Millionenstrafe. Die Bank äussert sich wegen der laufenden Ermittlung und juristischen Auseinandersetzungen momentan nicht zu den Vorgängen.