Wirtschaft

SBB-Chef Vincent Ducrot lobt Maskenpflicht und kritisiert Strukturen der Bahn: «Wir müssen wesentlich besser werden»

Der neue SBB-Chef Vincent Ducrot zieht am 3. Juli in Yverdon Bilanz zu seinen ersten 100 Tagen.

Der neue SBB-Chef Vincent Ducrot zieht am 3. Juli in Yverdon Bilanz zu seinen ersten 100 Tagen.

Vincent Ducrot führt die SBB seit 100 Tagen. Nun zieht er eine erste Bilanz. «Gewisse Dinge gehen so nicht weiter», sagt er. Er rechnet damit, dass sich die Bahn erst in drei Jahren wieder von der Coronakrise erholt.

An zwei Medienkonferenzen in Yverdon und Zürich tritt der neue SBB-Chef Vincent Ducrot heute vor die Journalisten. Seit 100 Tagen führt der 57-Jährige die Bundesbahnen, die er mitten in der Coronakrise von seinem Vorgänger Andreas Meyer übernommen hat. Mit einer Videobotschaft hat sich Ducrot nun an die Mitarbeitenden gewandt.

Dabei nahm er Bezug auf die Maskenpflicht, die ab Montag im öffentlichen Verkehr gibt. Der Bundesrat verordnete diese am Mittwoch. «Sie ist nötig», sagt Ducrot. Die Maskenpflicht sei eine «wichtige Massnahme» und der Beitrag der SBB, damit es zu keiner zweiten Welle komme. Er zähle auf die Mitarbeitenden, so Ducrot. Das Personal solle ein «gutes Vorbild» sein und Masken tragen.

SBB-CEO Vincent Ducrot: "Wir sind eine Bahn."

SBB-CEO Vincent Ducrot: "Wir sind eine Bahn."

Vincent Ducrot, CEO der SBB, zieht nach 100 Tagen im Amt eine erste Zwischenbilanz. An einer Medienkonferenz betonte er: "Wir machen Bahn, wir sind eine Bahn und wir werden in 10 Jahren weiterhin eine Bahn sein." Er will das Transportunternehmen wieder zusammenführen und sich auf das Kerngeschäft konzentrieren.

«Die SBB bleiben eine Eisenbahn»

Abgesehen von der Coronakrise habe er sich einige Prioritäten gesetzt, so Ducrot. Die erste sei, den Betrieb zu stabilisieren. «Wir müssen wesentlich besser werden», so der Bahnchef. Es gelte, pünktlicher zu sein und weniger Pannen und Störungen zu produzieren. Die zweite Priorität sei die Kundenzufriedenheit. Die Qualität müsse erhöht werden, Toiletten besser gereinigt und Sprayer bekämpft werden. «Da müssen wir gemeinsam einen Effort machen», so Ducrot - «damit die Kunden die Bahn noch mehr lieben».

Eine weitere Priorität seien die Mitarbeitenden. Es brauche mehr Lokführer und mehr Personal in den Werkstätten, aber auch die Ausbildung werde intensiviert. «Wir werden die nötigen Ressourcen organisieren», verspricht Ducrot. Zuletzt nennt der Bahnchef die Innovation als Ziel. Er versucht aber, Bedenken entgegenzuwirken, wonach sich die SBB zu weit von ihrem Kerngeschäft entfernen könnte: «Wir sind eine Eisenbahn und werden eine Eisenbahn bleiben.» Die Mitarbeitenden machten einen «super Job», für den er sich bedanken wolle.

Kritik an den Strukturen der SBB

In einem gleichzeitig erschienenen Interview mit der hauseigenen Medienstelle kritisiert Ducrot die bisherige Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen: «Die vielen Strukturen haben zu Redundanzen geführt, was problematisch ist». Es gebe bei den SBB «mehrere kleine und grosse Einheiten, deren Verantwortlichkeiten wir klären müssen. Sie müssen ihre Aufgaben ungehindert ausführen können.» Ducrot sagt, er wolle die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Bereichen fördern, «damit wir effizient arbeiten können».

Neu geschaffen habe er auch die Konzernstelle Kunden. Diese soll eine «echte Koordinationsstelle für die Angelegenheiten der Kunden» sein. In der heutigen SBB gebe es Tätigkeiten, die unabhängig voneinander erfolgten. «Das kann so nicht weitergehen, denn es wirkt sich negativ auf die Kundenzufriedenheit aus», so Ducrot. «Wir brauchen ein starkes Team, das alles koordiniert und eine klare Botschaft vermittelt: Wir alle haben die Verantwortung für unsere Kundinnen und Kunden, denn sie sind für uns das Wichtigste.»

Lobende Worte findet Ducrot für den Bund, der diese Woche bekanntgegeben hatte, die SBB finanziell zu unterstützen. Die SBB habe in der Coronakrise bis zu 90 Prozent der Kunden verloren, was zu einem finanziellen Loch geführt habe, so Ducrot. «Nach Einschätzung der Konzernleitung wird es zwei bis drei Jahre dauern, bis wir das Niveau von 2019 wieder erreicht haben.»

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