Expansion

Samba-Stimmung in Kloten: Flughafen Zürich gewinnt Ausschreibung in Brasilien

Flughafen Zürich

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Die Flughafen Zürich AG erweitert ihr ausländisches Geschäft. Neu stossen zwei Flughäfen in Brasilien zum Portfolio. In Südamerika waren die Erfahrungen allerdings nicht nur positiv.

Erst kürzlich ging der Flughafen Zürich bei einer Privatisierungsrunde in Indien leer aus ("CH Media" berichtete). Doch nun hat er im Rahmen eines öffentlichen Bieterverfahrens den Zuschlag für den Betrieb von zwei Flughäfen in Brasilien erhalten: Vitória und Macaé im Südosten das Landes. Vergangenes Jahr wiesen die beiden Flughäfen ein Verkehrsvolumen von gesamthaft rund 3.2 Millionen Passagieren auf. Wobei auf Macaé nur etwa 200‘000 Passagiere fallen. Laut Flughafen-Zürich-Finanzchef Lukas Brosi würden von dort aus auch viele Helikopterflüge durchgeführt auf die nahen Ölplattformen vor der Küste Rio de Janeiros.

Im Gespräch mit "CH Media" gibt sich Brosi zufrieden: "Beide Flughäfen passen sehr gut zu uns, und Brasilien hat nach wie vor einen starken Binnenverkehr." Man habe auch für ein zweites "Paket" mitgeboten, sei da aber überboten worden. Brosi betont, das Investitionsrisiko sei bei den beiden Flughäfen gering. Wie viele Manager aus Zürich nun nach Brasilien geschickt werden, sei noch nicht klar. "Ich könnte mir aber ein Modell vorstellen, bei dem wir den CEO stellen und eventuell noch zwei weitere Manager auf unterer Stufe.“ 

Ausbau in Brasilien

Brasilien ist für den Flughafen Zürich nicht Neuland. Bereits seit 2014 sind die Zürcher im Land präsent.  Zum Portfolio gehören eine Minderheitsbeteiligung an der Betreibergesellschaft des internationalen Flughafens Confins in Belo Horizonte sowie die 100-Prozent-Beteiligung am Flughafen Hercilio Luz in Florianópolis. Nach der Unterzeichnung der Konzessionsvereinbarung, die im zweiten Halbjahr erwartet wird, hält die Flughafen Zürich AG 100 Prozent an den beiden Flughäfen, um diese im Rahmen einer 30-jährigen Konzession zu betreiben.

Damit geht die Flughafen Zürich AG die Verpflichtung ein, in den nächsten Jahren rund 80 Millionen Franken in den Ausbau der Flughäfen zu investieren. Nach Übernahme der Betriebsverantwortung, die per Anfang 2020 in Aussicht steht, rechnet der Flughafen Zürich mit einem zusätzlichen EBITDA-Beitrag in hoher einstelliger Millionenhöhe.

Erfolg in Indien

Der grösste Ausland-Erfolg verzeichnete der Flughafen Zürich in Indien. 2008 hatten sich die Zürcher am Flughafen Bangalore in Südindien beteiligt. Sie halfen beim Bau der Infrastruktur und beim Management vor Ort mit. Vor einigen Monaten wurden die letzten Anteilsscheine verkauft. Insgesamt spülte das Engagement rund 100 Millionen Franken in die Kassen.

Bisher war Lateinamerika aber noch kein „El Dorado“ für den Flughafen Zürich. Denn auch schlechte Erfahrungen wurden gemacht, so zum Beispiel in Venezuela, wo die Zürcher vom damaligen Präsidenten Hugo Chavez enteignet wurden. Es folgte ein jahrelanger Streit vor Gericht. Und in Belo Horizonte warten die Zürcher noch immer auf versprochene Investitionszahlungen der Geschäftspartner in zweistelliger Millionenhöhe.

Dennoch fokussieren sich die Zürcher auch in Zukunft bei internationalen Projekten auf Lateinamerika und Asien. Zuletzt hatte der Flughafen Zürich dafür ein Büro in Kuala Lumpur eröffnet (CH Media berichtete).

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