US-Sanktionen

Russland-Sanktionen: Millionen-Dividenden von Viktor Vekselberg landen beim US-Staat

Das US-Finanzministerium veröffentlicht harte Sanktionen und eine Liste, auf der sich die Namen Viktor Vekselberg und Renova-Gruppe finden.

Das US-Finanzministerium veröffentlicht harte Sanktionen und eine Liste, auf der sich die Namen Viktor Vekselberg und Renova-Gruppe finden.

Im Konflikt zwischen den USA und Russland werden mit Sanktionen Milliardäre, Wirtschaftsführer und gar ganze Unternehmen hineingezogen. Für den russischen Milliardär Viktor Vekselberg wird der Spielraum in der Schweiz eng.

Grosse Skandale sind wie schwarze Löcher mit riesigen Gravitationsfeldern. Auch Menschen werden hineingezogen, die mit der Haupthandlung nur noch am Rande oder gar nichts zu tun haben. Der Wahlskandal um Donald Trump und die Einmischung Russlands hat die Wirkung eines solchen schwarzen Lochs.

Wirtschaftsführer wie Josef Ackermann, Ivan Glasenberg oder Luca di Montezemolo mussten diese Woche wichtige Ämter aufgeben. Der Aluminium-Tycoon Oleg Deripaska verliert Milliarden. Der Schweizer Wirtschaftsminister muss zum Telefonapparat greifen. Drei schweizerische Industriekonzerne tragen seit dieser Woche geopolitischen Ballast mit sich. Der russische Milliardär Viktor Vekselberg könnte seine Kontrollmehrheiten an ihnen aufgeben müssen.

Seinen Anfang nimmt dieser Lauf der Dinge im Dezember 2016. Die US-Geheimdienste geben ihre gemeinsame Einschätzung ab, Russland habe zugunsten von Trump in den Wahlkampf eingegriffen. Die Eskalation be- ginnt. Im August 2017 bringt der Kongress einen widerwilligen Trump dazu, ein Sanktions-Gesetz zu unterzeichnen. Gegner der USA – vor allem Russland – sollen via Sanktionen bekämpft werden. Danach bleibt es lange ruhig. Trump lässt eine Deadline verstreichen. Im Januar meldet sich sein Aussendepartement zu Wort – es wird verwirrend.

Lachen über Forbes-Liste

Ein Trump-Sprecher verkündet – im Widerspruch zum Gesetz –, es brauche keine zusätzlichen Sanktionen. Das Gesetz wirke schon abschreckend genug. Die vom US-Kongress geforderte Oligarchen-Liste scheint dem «Forbes»-Magazin entnommen: Alle reichen Russen der Welt herauskopiert, fertig. Die Welt lacht über die «Forbes-Liste». Nicht so manch russischer Oligarch, der sich unter den 96 Namen findet. Gemäss internationalen Medien werden US-Lobbyisten angeheuert, um von der Liste zu kommen. Anwälte raten: Scheiden lassen, Vermögen auf die Ehefrau übertragen.

Am Freitag vor einer Woche erfasst der Trump-Russland-Skandal die Schweiz. Das US-Finanzministerium veröffentlicht harte Sanktionen und eine Liste, auf der sich die Namen Viktor Vekselberg und Renova-Gruppe finden. Am Montag tauchen an der Schweizer Börse alle drei Industrieunternehmen ab, an denen Vekselberg grosse Beteiligungen hält: Sulzer, OC Oerlikon, Schmolz + Bickenbach. Besonders hart trifft es Sulzer, an der Vekselberg über 50 Prozent hält. Die US-Banken verweigern dem Konzern drei Tage lang, Neugeschäfte in Dollars abzuschliessen. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann spricht mehrmals mit dem US-Botschafter in der Schweiz. Auf dem Spiel stehen Schweizer Arbeitsplätze.

Am Donnerstag die Erleichterung. Sulzer erhält von der US-Behörde Ofac die Erlaubnis, von Vekselberg rund 5 Millionen eigene Aktien zu kaufen. Derlei bedeutende Deals sind Vekselberg sonst unter dem US-Sanktionsregime nicht mehr gestattet. Damit sinkt der Anteil seiner Renova unter 50 Prozent, Sulzer ist keine «blockierte Person» mehr. Die Amerikaner richten sich nach einer simplen 50-Prozent-Regel: Es trifft alle Unternehmen, an denen eine sanktionierte Person mehr als 50 Prozent hält. Doch Sulzer ist nicht zurück im Courant normal. Vekselberg schon gar nicht.

Von den Folgen der US-Sanktionen betroffen

Sulzer darf Vekselberg die Dividenden nicht länger ausbezahlen. Die rund 75 Millionen Franken für 2017 gehen auf ein Treuhandkonto in den USA, wie ein Sprecher sagt. Wann Vekselberg dieses Geld erhält, entscheiden die US-Behörden (OC Oerlikon wird laut Auskunft des Konzerns gleich verfahren mit den 50 Millionen, die Vekselberg zustehen.) Dann müssen die Juristen klären, ob im Sulzer-Verwaltungsrat noch Renova-Vertreter bleiben dürfen, die von Renova angestellt sind. Und dann stellt sich die bange Frage, was nun Kunden, Investoren und Banken tun werden. Viele könnten Sulzer-Konkurrenten vorziehen, bei denen es keine juristischen Scherereien geben kann mit schnell schiessenden Cowboys in Washington.

Weitere Sanktionen

Das würde ins Muster bisheriger Sanktionen passen. So kommt etwa der schweizerische Handel mit dem Iran nur schleppend voran, obwohl dieser inzwischen weitestgehend befreit ist von amerikanischen Sanktionen. Vor allem die Zurückhaltung der Banken ist ein Hindernis. «Ein paar wenige Restriktionen hat es noch, und dennoch scheuen die Banken jedes Risiko. Im Iran haben sie wenig zu gewinnen, hingegen können sie in den USA alles verlieren», sagt Thomas Borer, der israelische Unternehmen im Umgang mit den US-Sanktionen beraten hat.

Das ist nicht alles. Die USA könnten noch kräftiger zuschlagen wollen gegen Russland. Etwa, indem sie von der 50-Prozent-Regel abkommen. Neu würden sie darauf abstellen, von wem ein Unternehmen kontrolliert wird. Sulzer, OC Oerlikon und Schmolz + Bickenbach würden damit alle den US-Sanktionen unterstellt. Was das bedeutet, hat Sul- zer zuletzt erlebt. Und zusätzliche Sanktionen sind wahrscheinlich. Bereits haben US-Abgeordnete eine entsprechende Gesetzesvorlage eingeführt. Sie reagieren auf den Anschlag auf einen früheren russischen Doppelagenten und dessen Tochter. Russische Agenten sollen am Türgriff seines Hauses in einer südenglischen Kleinstadt einen äusserst starken Nervenkampfstoff platziert haben.

Selbst wenn es nicht so weit kommen sollte: Vekselberg wird die drei Industrieunternehmen nicht einem solch unberechenbaren Risiko ausgesetzt lassen können. Dagegen dürften sich auch die unabhängigen Verwaltungsräte wehren, etwa der Sulzer-Präsident Peter Löscher. Personen, die mit der Situation vertraut sind, sehen für Vekselberg kaum eine andere Wahl, als seine Beteiligungen herunterzufahren. Zumal er an allen Fronten zu kämpfen hat. Durch die Sanktionen wird keine westliche Bank mit ihm zusammenarbeiten wollen. Seine Renova Management AG, mit Sitz in Zürich, dürfte durch die Sanktionen vollständig blockiert sein.

Am statusträchtigen Sitz der Renova, gleich am Zürichsee, war es gestern ausgesprochen ruhig. Es waren kaum einmal Mitarbeiter zu sehen. Renova war indessen schon vor den Sanktionen weit von jener Grösse ent- fernt, die Vekselberg ihr einst geben wollte. Peter Löscher, ehemaliger CEO des Weltkonzerns Siemens, sollte einst als Chef alle Beteiligungen unter einem Holding-Dach führen. Es wurde kräftig Personal aufgebaut. Doch nach nur zwei Jahren war er den Posten wieder los, er war der russischen Renova-Fraktion im Machtkampf unterlegen. Das Personal wurde abgebaut.

Nun hat sich der Niedergang beschleunigt. Nach den Sanktionen ist Josef Ackermann, ehemals Chef der Deutschen Bank, aus dem Verwaltungsrat ausgetreten. Ebenso der Italiener Luca di Montezemolo, Präsident von Ferrari, sowie John Deutch, der unter anderem Direktor des CIA war. Der eben noch illustre Verwaltungsrat ist heute mehr oder weniger aufgelöst. Vekselberg wird sich gut überlegen müssen, was aus der Renova noch werden kann in Zürich.

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