Bau in der Krise

Robuste Schweizer Baubranche - der Optimismus kehrt zurück

An der Baumesse Swissbau in Basel dreht sich alles ums Bauen. Georgios Kefalas/Keystone

An der Baumesse Swissbau in Basel dreht sich alles ums Bauen. Georgios Kefalas/Keystone

Das letzte Quartal 2015 lässt hoffen – die Baumesse Basel erhält auch aus dem Ausland vermehrt Zuspruch. Auch der Kanton Aargau ist auf gutem Bau-Weg.

Entgegen den Unkenrufen in der Baubranche hat die Zweitwohnungsinitiative nicht so rasch durchgeschlagen. 2014 war mit einem Wachstum von 3,3 Prozent sogar noch ein Rekordjahr. Erst 2015 drehte die Branche ins Minus. Gemäss dem Bauindex der Credit Suisse und des Schweizerischen Baumeisterverbands zeichne sich aber im vierten Quartal des letzten Jahres bereits eine Stabilisierung ab.

Das bestätigt auch Hans Killer, Präsident der Dachorganisation der Bauwirtschaft «Bauenschweiz», gestern anlässlich der Eröffnung der Baumesse Swissbau in Basel. Der Zementumsatz sei 2015 zwar 7,9 Prozent zurückgegangen, doch im letzten Quartal dieses Jahres war der Rückgang deutlich schwächer. Das gesamte Bauvolumen sei mit 63 Milliarden Franken im langjährigen Vergleich immer noch hoch.

Die fundamentalen Faktoren, etwa das tiefe Zinsniveau und das anhaltende Bevölkerungswachstum, seien nach wie vor intakt, schätzen die Baumeister. Das schwieriger gewordene gesamtwirtschaftliche Umfeld bietet kurz- bis mittelfristig allerdings auch kaum grosse Wachstumsperspektiven.

Swissbau: Ausland interessiert

An der gestern eröffneten Baumesse Swissbau in Basel macht man sich wegen des schweizweiten Rückganges des Bauvolumens nicht allzu grosse Sorgen. Die Zahl der Aussteller blieb mit 1100 gegenüber der Swissbau vor zwei Jahren stabil. 300 sind zwar nicht mehr erschienen, aber ebenso viele sind neu dazugekommen. Interessant: Der Anteil ausländischer Aussteller hat von 19 auf 21 Prozent zugenommen. Dank des hohen Frankenkurses ist der Schweizerische Hoch- und Tiefbau auch preislich attraktiv. Da sind auch die in Franken zu bezahlenden Standgebühren zu verschmerzen.

Basel deutlich im Plus

Nach einem Minus von rund einem Prozent rechnet die BAK Basel Economics in ihrer Branchenstudie mit 0,8 Prozent Umsatzrückgang, 2017 sei bereits wieder mit einem Wachstum von 1,3 Prozent zu erwarten. Die regionalen Unterschiede seien freilich recht gross. Besonders die Bergregionen spürten derzeit die Folgen der Zweitwohnungsinitiative, schätzt Klaus Jank von der BAK. Hingegen werden die Hochbauinvestitionen in der Nordwestschweiz, besonders in Basel-Stadt, stärker zunehmen als anderswo in der Schweiz. Anstelle des Rückgangs von 0,8 Prozent werde die Region Basel 0,7 Prozent im laufenden Jahr zulegen. 2017 steige das Wachstum auf 2,4 Prozent. Die jährlichen Wachstumsraten seien allerdings volatil, schränkt Jank ein. Das durchschnittliche Wachstum von 2017 bis 2021 betrage gemäss der Prognose vom September 1,6 Prozent pro Jahr (Gesamtschweiz: 1,3 Prozent pro Jahr) sagt Jank.

Die Region Basel profitiere einmal mehr von den Investitionen der Pharmaindustrie. In Basel laufen derzeit die Vorbereitungen für einen weiteren Ausbau des Roche-Hauptsitzes. Unter anderem ist ein 205 Meter hoher Turm in Planung, der den aktuellen nochmals um 30 Meter überragen wird. Weitere Roche-Bauvorhaben werden in Kaiseraugst realisiert. In Basel ist des Weiteren das Biozentrum im Bau und ein neues Uni-Spital geplant. Zudem ist der Wohnungsleerstand in Basel noch immer sehr klein.

Auch der Aargau gut unterwegs

Auch im Aargau ist die Lage der Bauwirtschaft nicht allzu schlecht. «Ein milder Winter, ein wunderbarer Sommer und dazu ein goldener Herbst, was will man mehr zum Bauen?», schreibt Martin Kummer, Präsident des Baumeisterverbandes Aargau im aktuellen Mitteilungsblatt des Verbandes. Nach wie vor sei die Bautätigkeit sowie die Auftragslage im Bauhauptgewerbe im Kanton Aargau gut. Das Jahr 2015 verzeichnete immer noch eine gute Nachfrage nach Wohnraum. Die Leerwohnungsziffer sei von 1,67 Prozent auf 1,98 Prozent angestiegen. Der Anstieg um 0,31 Prozentpunkte sei jedoch «moderat». Bei den Gewerbe- und Bürobauten gibt es jedoch bereits eine Überkapazität, was die Bauwirtschaft in dieser Sparte eher bremst. Es sei aber mit einem leichten Umsatzrückgang zu rechnen.

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