Ausbau

Radios aus der Deutschschweiz wollen im Tessin senden

Deutschschweizer Radios wollen via DAB+ auch im Tessin senden.

Deutschschweizer Radios wollen via DAB+ auch im Tessin senden.

Ab Herbst sollen im südlichen Teil des Landes auch Privatradios aus der Deutschschweiz zu hören sein. Der Ausbau der nötigen Sendeanlagen stockt nun aber.

Das Tessin ist eine der beliebtesten Feriendestinationen der Deutschschweizer. Das wollen sich nun auch die grossen Privatradios aus der Deutschschweiz zunutze machen. Ab dem Herbst wollen einige von ihnen über das Digitalradio DAB+ auch im Tessin senden.

Der Netzbetreiber Swissmediacast (SMC), eine gemeinsame Unternehmung der grössten Radiosender und der SRG, hat vom Bundesamt für Kommunikation bereits im Dezember 2017 die Konzession erhalten, um ein DAB+-Netz im Tessin für die Deutschschweizer Radios aufzubauen. Mittlerweile geht es laut SMC-Chef Bernhard Schmid «in langsamen Schritten» mit den Baubewilligungen voran. Der ursprüngliche Plan sah vor, am 1. September die ersten fünf Sendeanlagen in Betrieb nehmen zu können. Durch die Coronakrise sei der Baueingabeprozess nun allerdings ins Stocken geraten, «womit der Termin wohl sehr knapp werden könnte», so Schmid.

«Es ist schwierig, Kosten zu kapitalisieren»

Mit Inbetriebnahme der ersten Etappe sollen 80 Prozent der Bevölkerung und die ganze A2 im Tessin abgedeckt werden. Danach soll der Empfang auch auf der San-Bernardino-Route der A13 ermöglicht werden, im Endausbau sollen 98 Prozent der Bevölkerung erreicht werden. In einem ersten Schritt würden vor allem Deutschschweizer Radios, die eine Verbreitung im Tessin wünschen, das Angebot nutzen, sagt Schmid. Als Kandidaten nennt er etwa 20 Minuten Radio oder Radio 24, das wie diese Zeitung zu CH Media gehört.

Florian Wanner, der Leiter Radio bei CH Media, sagt, der Entscheid für eine Verbreitung im Tessin sei noch nicht gefallen. «Unsere regionalen Sender sind sehr stark in der jeweiligen Region verankert. Daher macht eine Ausweitung nur wenig Sinn, weil es schwierig ist, die zusätzlichen Kosten mit der Reichweite ausserhalb des Hauptsendegebiets zu kapitalisieren.»

Bund reduziert Fördergelder für DAB+

Erschwerend komme hinzu, dass der Bund künftig weniger Fördergelder für DAB+ sprechen werde. Aber: «Für die bestehenden Hörer wäre es ein Zusatznutzen, wenn sie ihren Sender auch im Tessin hören könnten», so Wanner. «Für Radio 24 als grösstes Privatradio der Schweiz könnte das spannend sein, weil wir so unsere Position als Nummer 1 weiter stärken könnten.»

Interesse zeigt auch Alfons Spirig, Verwaltungsratspräsident der Neue Medien Zentralschweiz mit den Sendern Radio Central, Radio Sunshine und Radio Eviva. «Mit unserem Konzessionsgebiet in der Zentralschweiz sind wir traditionell Anrainer des Kanton Tessin», sagt Spirig. «Wir sind grundsätzlich an einer durchgehenden Empfangsmöglichkeit von Airolo bis Chiasso interessiert.»

Bereits heute ist Radio Central im Tessin über DAB+ zu hören - allerdings nur auf der südlichen Strecke zwischen Biasca und Chiasso auf den Netzen von Digris. Dieser Betreiber wendet sich in erster Linie an kleinere, nicht-kommerzielle Sender und unterhält lokale Netze. Spirig sagt: «Das reicht natürlich als Übergang in unsere Region nicht. Wir werden erstmals mit Radio Central und möglicherweise auch Radio Sunshine entweder über Digris oder SMC im Tessin vertreten sein.» Die SMC macht ihr neues Angebot nun allen Schweizer Privatradios bekannt. Später ist auch eine Ausdehnung auf italienische Radios denkbar.

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