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Postfinance wird eine Bank: Was ändert sich nun für den Kunden?

Die Schweizerische Post wird eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft, die Postfinance erhält die Bankbewilligung. 10 Antworten auf 10 brennende Fragen, was sich nun bei der Post ändert und was dies für Auswirkungen auf den Kunden hat.

Thomas Schlittler
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Die Schweizerische Post ist ab heute eine Aktiengesellschaft, der Bund hat aber weiterhin das Sagen. KEYSTONE

Die Schweizerische Post ist ab heute eine Aktiengesellschaft, der Bund hat aber weiterhin das Sagen. KEYSTONE

Für die Schweizerische Post beginnt eine neue Ära: Durch den Eintrag ins Handelsregister wird sie heute – rückwirkend auf den 1. Januar 2013 – von einer öffentlichen Anstalt in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft umgewandelt.

Gleichzeitig erhält ihre Tochter Postfinance eine Bankbewilligung. Verwaltungsratspräsident Peter Hasler sprach gestern in Bern von einem historischen Ereignis:

«Es ist, wie wenn die Tochter 18 Jahre alt wird und in die grosse Welt hinausgeht – aber immer noch vom Geld des Vaters lebt.» Die Post ist in dieser Metapher die Tochter, der Bund der Vater.

Doch was ändert sich konkret? 10 Fragen und 10 Antworten.

Was ändert sich an der postalischen Grundversorgung?

Am Auftrag des Bundes für die Post ändert sich nichts. Die Post muss ihren Grundversorgungsauftrag – den Service public – wahrnehmen wie bisher. «Die Kunden werden nichts merken», verspricht Hasler. Eine vollständige Reform sei nicht das Ziel des Parlaments gewesen.

Was ändert sich für die Angestellten?

Das ist noch offen. Die Post ist aber gesetzlich verpflichtet, für die 60 000 Mitarbeiter mit den Gewerkschaften innert zweier Jahre einen neuen Gesamtarbeitsvertrag auszuhandeln. Die Gespräche sollen im August beginnen. Die Post-Führung gibt sich bisher in vielen Punkten bedeckt. Das macht die Gewerkschaften misstrauisch: «Für diese Geheimniskrämerei gibt es keinen Grund. Wir müssen deshalb annehmen, dass das Management einen Angriff auf die Anstellungsbedingungen plant», so Fritz Gurtner, Leiter Sektor Logistik von Syndicom. Falls dem so sein sollte, werde man heftigen Widerstand leisten. Post-Chefin Susanne Ruoff sagte bisher nur, dass das Unternehmen keine bestehenden Löhne senken werde.

Welche Vorteile bringt die Umwandlung für die Post?

Die Post erhält mit der Umwandlung neue unternehmerische Möglichkeiten. Sie kann sich zum Beispiel an anderen Unternehmen beteiligen oder Allianzen eingehen. «Das konnten wir zwar schon in der Vergangenheit, jetzt wird es aber einfacher», sagt Konzernleiterin Ruoff.

Kann sich die Post nun wie die Swisscom an ausländischen Unternehmen beteiligen?

Ja, das ist möglich. Die Post-Führung versicherte aber, dass man keine Milliardeninvestitionen im Ausland tätigen werde. Auslandabenteuer, wie sie die Swisscom in der Vergangenheit gewagt hatte, seien nicht geplant. «Wir werden sehr selektiv und fokussiert vorgehen», so Ruoff.

Welche Auswirkungen gibt es auf die Organisation?

Neu werden unter dem Dach der Schweizerischen Post AG die drei Konzerngesellschaften «Post CH AG», «PostFinance AG» und «PostAuto Schweiz AG» geführt. Die juristische Struktur folgt damit den Märkten, in denen die Post tätig ist.

Wem gehört die Schweizerische Post ab heute?

Eigentümer der spezialrechtlichen Aktiengesellschaft bleibt auch nach der Umwandlung zu 100 Prozent der Bund – neu einfach in der Rolle des Aktionärs. Das Parlament hat dem Bund aber die Möglichkeit gegeben, bis zu 49 Prozent des Aktienkapitals an Private zu verkaufen. «Ich rechne aber nicht damit, dass es in den nächsten Jahren dazu kommen wird», sagt Verwaltungsratspräsident Hasler. Auch eine vollständige Privatisierung steht momentan nicht zur Debatte.

Was ändert sich für Kunden der Postfinance?

Die grösste Änderung für die fast drei Millionen Kunden der Postfinance gibt es betreffend Haftung. Die implizite Staatsgarantie fällt weg. Die Kundengelder sind neu primär durch das Eigenkapital der Postfinance gesichert. Sollte dies nicht ausreichen, garantieren der Bund und die Einlagensicherung die Kundengelder bis maximal 100 000 Franken pro Kunde. Diese «limitierte» Staatsgarantie gilt jedoch nur noch für die nächsten fünf Jahre oder bis zur Endfälligkeit der Anlagen. Danach haften ausschliesslich das Eigenkapital und die Einlagensicherung.

Darf die Postfinance in Zukunft auch Kredite und Hypotheken anbieten?

Nein. Das Parlament hat der Postfinance auch mit der neuen Gesetzgebung verboten, selbstständig Kredite anzubieten. Die Postfinance muss in diesem Bereich weiterhin mit anderen Banken zusammenarbeiten. «Zahlen und Sparen bleiben auch künftig das Kerngeschäft der Postfinance», sagte Hansruedi Köng, CEO der neuen Retailbank. Das Bankrecht eröffne jedoch die Möglichkeit, Anlageprodukte in Zukunft selbstständig anzubieten.

Was Ändert betreffend Aufsicht der Postfinance?

Durch die Bankbewilligung wird die Postfinance von einem Finanzinstitut zu einer der grössten Banken auf dem Schweizer Retailmarkt und ist neu der Eidgenössischen Finanzmarktkontrolle (Finma) unterstellt. Die Postfinance wird von der Finma – wie Raiffeisen oder die ZKB – in die Bankenkategorie zwei (sehr bedeutende Marktteilnehmer) eingestuft. Für Banken dieser Kategorie wird eine Eigenkapitalquote von 13,6 bis 14,4 Prozent verlangt. Mit einer Eigenkapitalquote von 19 Prozent erfüllt die Postfinance diese Vorschrift bereits zum Start.

Besteht die Gefahr, dass die Postfinance wegen des Steuerstreits ins Visier der USA gerät?

Ausgeschlossen werden kann es nicht. Köng glaubt aber nicht daran, dass sein Institut angeklagt werden könnte: «Das Geschäftsmodell der Postfinance war und ist auch heute nicht auf unversteuerte Vermögenswerte ausgerichtet.» Entsprechend habe die Postfinance auch keine Rückstellungen für mögliche Bussen vorgenommen. Die Postfinance hat sich schon vor Jahren entschieden, nur mit in der Schweiz wohnhaften US-Bürgern Kundenbeziehungen zu führen. Zudem habe man von US-Kunden früh eine Deklarationspflicht eingefordert.