Schweizerische Post
Post will den E-Podestplatz verteidigen

Die Schweizerische Post investiert auch in die digitale Zukunft. Die neue Post-Chefin, Susanne Ruoff will ihre Erfahrung mit der «Digitalen Welt» dem Unternehmen zu Nutze machen. Neue elektronische Dienstleistungen werden laufend entwickelt.

ruedi mäder
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Für Grosskunden wie die Suva oder Raiffeisen wurden letztes Jahr von Swiss Post Solutions 75 Millionen Dokumentseiten gescannt. pd

Für Grosskunden wie die Suva oder Raiffeisen wurden letztes Jahr von Swiss Post Solutions 75 Millionen Dokumentseiten gescannt. pd

Just vor zwei Monaten überraschte die Schweizerische Post die Öffentlichkeit mit der Ankündigung, dass die externe Managerin Susanne Ruoff im September 2012 von Jürg Bucher die Konzernführung übernehmen werde. Als Folge ihrer langjährigen Tätigkeit für IBM und British Telecom Switzerland könne sie die Post-Spitze «besonders mit ihrer Kompetenz in der digitalen Welt verstärken». Kunden verlangten in den kommenden Jahren vermehrt auch elektronische Dienstleistungen.

Weltweit auf dem Spitzenplatz

So weit, so gut – allerdings ist der hier angedeutete Wandel im Unternehmen Post als strategischer Ansatz keineswegs erst Zukunftsmusik. Dies machte Konzernchef Bucher am Beginn seines letzten Jahres an der Spitze der Post mit einer Auslegeordnung im Rahmen einer Medienorientierung in Bern deutlich. Dabei hatte man das Timing für das Hintergrundgespräch nicht etwa dem Zufall überlassen: Zu gleicher Stunde gab nämlich der Weltpostverein UPU (Universal Postal Union) die Resultate einer Untersuchung im Kreis der 192 Mitgliedsländer im Spätherbst 2011 bekannt.

Untersucht wurden die elektronischen Angebote im Sortiment der Postfirmen. Letztlich belegte der «Gelbe Riese» aus der Schweiz Platz eins vor den Branchenverwandten aus Weissrussland, Italien, Deutschland, Katar und Tunesien. Ihre Toprangierung verdankt die Post den Spitzenplätzen in den Kategorien E-Finance (Rang 1), E-Government (1.), E-Post (2.) und E-Commerce (2.).

Postchef Bucher zeigte sich stolz darüber, dass die Post mit ihren hybriden und digitalen Produkten und Dienstleistungen bereits eine vielversprechende Position einnimmt. Die strategische Marschrichtung: Man will das traditionelle «gelbe» Kerngeschäft – Briefe, Pakete, Zahlungen und Personentransport – halten und nach Möglichkeit ausbauen. Parallel dazu sollen neue Geschäfte entwickelt werden.

Elektronische Post und E-Finance

Beispiel Brief: Empfänger sollen künftig bestimmen können, ob sie ihre Post konventionell in den Hausbriefkasten spediert haben wollen oder aber elektronisch über eine sichere Verbindung. Mittlerweile nutzen 3000 registrierte Kunden die so genannte Swiss Post Box: Dabei haben sie via Smartphone oder Internet weltweit Zugriff auf ihre physische Post, die (auf Wunsch) für sie digitalisiert wird.

Beispiel Distanzhandel (E-Commerce, Versandhandel etc.): Hier soll das bestehende Angebot sowohl im Heimmarkt Schweiz als auch grenzüberschreitend ausgebaut werden. Dabei hat die Post eine Ausdehnung ihres Logistikangebots entlang der Wertschöpfungskette im Visier – über das Lagern und Transportieren hinaus. Dieter Bambauer, Leiter Postlogistics, liess gestern durchblicken, im Rahmen dieses Distanzhandels-Grossprojekts solle bis im Frühjahr 2012 der Standortentscheid im Hinblick auf eine neue Logistikplattform für Geschäftskunden spruchreif sein.

Beispiel E-Finance: Die Topposition in der erwähnten internationalen UPU-Studie hängt fraglos mit jenen Investitionen zusammen, die von der Postfinance seit den 90er-Jahren im elektronischen Banking getätigt wurden. Heute sind 1,3 Millionen oder jeder zweite Postfinance-Kunde im E-Finance registriert. Damit ziert die Post in der Schweiz vor der UBS die Spitze und gewinnt seit geraumer Zeit monatlich 8000 zusätzliche Nutzer. Noch in diesem Jahr soll unter «E-Cockpit» eine Internet-Variante des bewährten Haushaltsbüchleins aufgeschaltet werden.

Die Frage nach den bisherigen Investitionen im Bereich E-Services sei schwierig zu beantworten, meinte Postchef Bucher. Er räumte ein, trotz rasantem Wachstum seien die Einnahmen mit postalischen E-Services «immer noch relativ bescheiden». Zunehmend gefragt seien bereits lizenzierte Technologien. Hier sehe die Schweizerische Post ein interessantes Potenzial. An mehreren Produktfronten könnten bald Geschäftsabschlüsse spruchreif werden.