Bauindustrie
Wärmepumpen sind ausverkauft: Arbonia wächst weiter – aber die Materialkosten schmälern den Gewinn

Wechselkurs, Inflation, die Energiekosten und vor allem auch Rohstoffe wie Stahl und Kupfer haben der Arbonia im ersten Halbjahr 2022 zu schaffen gemacht. Dennoch bleibt der Ausblick optimistisch.

Stefan Borkert
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Die boomende Baubranche treibt das Geschäft der Arbonia AG in Arbon an.

Die boomende Baubranche treibt das Geschäft der Arbonia AG in Arbon an.

PD

Für Pessimismus ist es nicht die Zeit. Alexander von Witzleben, exekutiver Verwaltungsratspräsident des Bauzulieferers Arbonia, sieht trotz des geschmälerten Gewinns keinen Grund, dass die Wachstumsphase des Konzerns endet. Im Gegenteil. Die steigenden Energiekosten würden zwar das Ergebnis belasten, aber sie würden der Arbonia auch nutzen, denn Immobilienbesitzer und -investoren sanierten energetisch und bauten auf höchstem energetischen Standard neu. Ausserdem verwies er an der Präsentation des Semesterergebnisses auf die vielen Förderprogramme europäischer Staaten.

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und des damit einhergehenden Umdenkens, was Energie und Heizungen angeht, erweise sich die von der Arbonia eingeschlagene Strategie mit modernen Produkten wie Wärmepumpe, Lüftung, Fussbodenheizung und Batteriespeicher für energieeffiziente und -autarke Gebäude als umso richtiger. Von Witzleben:

Alexander von Witzleben, Verwaltungsratspräsident Arbonia AG, Arbon.

Alexander von Witzleben, Verwaltungsratspräsident Arbonia AG, Arbon.

Andrea Tina Stalder
«Neben den bereits bekannten wirtschaftlichen Vorteilen beschleunigen diese Produkte den Wandel zu von fossilen Energieträgern und Strompreisen unabhängigen Gebäuden.»

Ebenfalls würden sich die in der Vergangenheit beschlossenen und getätigten Investitionen auszahlen, um mit Produktivitätssteigerungen der Lohninflation und den gestiegenen Materialpreisen zu begegnen.

Russisches Werk produziert weiter

Nach reiflicher Überlegung habe Arbonia entscheiden, dass das Werk für Flachheizkörper in Stupino, das 100 Kilometer südlich von Moskau liegt, nicht geschlossen werde. In dem hochautomatisierten Werk werden seit Herbst 2019 vorwiegend Stahl-Flachheizkörper für den lokalen, russischen Markt sowie angrenzende GUS-Länder produziert. Die Gesamtinvestition betrug rund 30 Millionen Euro. Von Witzleben erklärte, dass man zwar die Leistungen derzeit nicht transferieren könne, aber der russische Markt, der bei Flachheizkörpern zu den grössten in Europa zähle, werde weiter beliefert.

Bauboom hält an

Arbonia profitiert unterdessen auch vom Bauboom in der EU und der Schweiz. Die Nachfrage nach Produkten für die Wärme- und Kälteerzeugung, die Energiespeicherung, die Wärme- und Kälteverteilung sowie Lüftung und Luftfilterung für den Wohnungsbau wie auch für den Gewerbebau sei ungebrochen hoch, sodass ein Teil dieser Produkte, wie etwa Wärmepumpen bis zum Jahresende ausverkauft sei, sagte von Witzleben. Diese Nachfrage habe auch die Entscheidung, in Tschechien die Kapazitäten für Wärmepumpen zu erweitern, beschleunigt.

Ausserdem wird mit Hochdruck an der Produktion eigener Batteriespeicher gearbeitet. Die Serienreife sei erreicht. Zunächst würden 500 Batteriespeicher in Tschechien produziert. Dann sei die Anzahl nach oben offen. Da es sich um eine reine Montageproduktion handle, könne die Stückzahl sehr schnell gesteigert werden. Der Verkauf sei kein Problem.

Türenproduktion rechnet sich wieder

Die Division Türen sei im ersten Halbjahr 2022 mit einigen schwierigen Themen konfrontiert gewesen. Von Witzleben erklärt, dass es zu Beginn des Jahres zu Produktionseinschränkungen aufgrund einer grossen Anzahl von quarantänebedingten Abwesenheiten gekommen sei. Deshalb habe auch der hohe Auftragsbestand zu alten Preisen nicht wie erwartet abgebaut werden können. Mit den Investitionen in erhöhte Kapazitäten, Produktivität und Automatisierung habe die Division aber das Fundament für profitables Wachstum gelegt und somit grössere negative Auswirkungen verhindern können. Betroffen war die Division Türen auch von erheblichem Preissteigerungen bei Rohstoffen. Um diesen entgegenzuwirken, seien weitere Preiserhöhungen im ersten Halbjahr bei den Kunden angekündigt worden, welche im zweiten Halbjahr dann wirksam werden.

Gemäss Arbonia-Finanzchef Daniel Wüest ist der Umsatz im ersten Halbjahr um 7,2 Prozent auf 631 Millionen Franken gestiegen. Der Konzerngewinn ist allerdings, den Materialkosten, dem Wechselkurs, der Inflation und der Energiekrise geschuldet, von rund 24 Millionen Franken auf knapp 12 Millionen Franken gesunken. Nur schon die gestiegenen Materialpreise hätten rund 68 Millionen Franken gekostet.

Materialkosten gehen zurück

Arbonia-Chef von Witzleben erwartet, dass diese Kosten wieder abnehmen. Man beobachte jetzt schon einen Rückgang. Er geht deshalb von einem deutlich besseren zweiten Halbjahr aus.

Arbonia-Chef Alexander von Witzleben erwartet im zweiten Semester eine Umsatzsteigerung von 5 Prozent.

Arbonia-Chef Alexander von Witzleben erwartet im zweiten Semester eine Umsatzsteigerung von 5 Prozent.

Benjamin Manser
«Dadurch, dass die Arbonia im Unterschied zum Vorjahr im ersten Halbjahr 2022 wieder ein ausreichendes Lager an Fertigprodukten für das zweite Halbjahr 2022 aufbauen konnte und die Fachhändler ihre Lager weitgehend abgebaut haben, wird auf Nachfrageseite ein deutlich besseres zweites Halbjahr 2022 erwartet.»

Gleichzeitig würden die Preiserhöhungen zur Kompensation der Materialpreissteigerungen im zweiten Halbjahr vollumfänglich greifen. Zudem zeichne sich an den Rohstoffmärkten eine Stabilisierung der hohen Preise ab. Von Witzleben erwartet nach wie vor für das gesamte Geschäftsjahr eine Umsatzsteigerung von gut 5 Prozent oder mehr. Weiter sagte von Witzleben, dass man selbstverständlich nach weiteren Akquisitionen Ausschau halte. Die Möglichkeiten seien vorhanden, aber noch sei nichts in trockenen Tüchern.