Päckli-boom
Onlinehändler erwarten immer mehr Bestellungen: «Wir werden auch nach Corona weiterwachsen»

Die Pandemie hat dem Schweizer Onlinehandel einen starken Aufschwung beschert. Die führenden Anbieter Brack.ch und Digitec Galaxus blicken dem laufenden Jahr optimistisch entgegen und sind überzeugt: Das Wachstum wird sich auf diesem Niveau fortsetzen.

Sarah Kunz
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Volle Lager bei Onlinehändler Brack.ch: Die Gruppe erzielte im Coronajahr 2020 erstmals einen Umsatz in Milliardenhöhe.

Volle Lager bei Onlinehändler Brack.ch: Die Gruppe erzielte im Coronajahr 2020 erstmals einen Umsatz in Milliardenhöhe.

Keystone

Gäbe es einen Gewinner der Coronakrise, würde der Onlinehandel den Pokal erhalten. Kaum eine andere Branche verzeichnete so ein starkes Wachstum, kaum eine andere Branche konnte den Umsatz derart steigern. Lockdowns, geschlossene Läden, die vorangetriebene Digitalisierung und eine allgegenwärtige Unsicherheit haben Schweizerinnen und Schweizer vor die Bildschirme und in die Onlineshops getrieben.

Und der Boom hält an: Weil derzeit erneut viele Geschäfte geschlossen haben und wegen Einreisebeschränkungen Briefkästen in Deutschland nicht mehr geleert werden können, ziehen die Bestellungen bei den beiden grossen Schweizer Händlern Brack.ch und Digitec Galaxus bereits wieder an. Wenn auch nicht im selben Ausmass wie im ersten Lockdown, weil jetzt mehr Geschäfte geöffnet haben dürfen. Trotzdem: der Anstieg ist da. Und er bleibt.

«Die Pandemie hat uns sicher zwei Jahre in die Zukunft katapultiert», sagt Marc Isler, CEO von Brack.ch. Der Onlinehandel habe bereits vor der Pandemie ein stetes Wachstum verzeichnet. Das Coronavirus habe ihm nun aber einen starken Schub verliehen. So hat die Competec-Firmengruppe, zu der Brack.ch gehört, im vergangenen Jahr erstmals die Milliardengrenze überschritten. Der Umsatz von 1,026 Milliarden Franken entspricht einem Wachstum von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Grund für diese extreme Zunahme war natürlich die Coronakrise. Sie hat die Bestellungen in den Bereichen IT, Haushalt und Wohnen sowie Sport und Freizeit massiv in die Höhe getrieben. «Das kommt nicht überraschend», sagt Isler. «Viele mussten sich ihr Büro zu Hause einrichten, wollten es sich dort gemütlich machen und gleichzeitig etwas Gutes für ihre Gesundheit tun.»

Jetzt sind Schweizerinnen und Schweizer im Homeoffice aber langsam eingedeckt. Wenn die Läden wieder öffnen dürfen und der Alltag wieder etwas Einzug hält, werden sich die Zahlen gemäss Isler auch wieder normalisieren. «Wir werden aber nicht auf die Wachstumszahlen von vor der Pandemie zurückfallen», ist er sich sicher. Isler geht also nicht davon aus, dass der Trend in diesem Jahr nachlassen wird. Im Gegenteil: «Wir werden auf ähnlich hohem Niveau auch nach Corona weiterwachsen.»

Schweizer Onlinehändler erwarten weiterhin ein Wachstum

Davon ist auch Digitec Galaxus überzeugt. Der Platzhirsch auf dem Markt geht davon aus, das immense Wachstum vom vergangenen Jahr fortsetzen zu können. Im Coronajahr 2020 hat die Migros-Tochter einen rekordmässigen Umsatz von 1,826 Milliarden Franken erzielt, 59 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Wachstum wird aber nicht von alleine kommen, der Markt schläft schliesslich nicht. Wer punkten will, muss am Ball bleiben. Im laufenden Jahr will Digitec Galaxus mit einem breiten Sortiment, fairen Preisen und schnellen Lieferungen trumpfen. «Wir halten an unserem Konzept fest», sagt ein Sprecher.

Brack.ch setzt vermehrt auf das Einkaufserlebnis: «Wir wollen wegkommen vom klassischen E-Commerce-Denken und unseren Kunden dasselbe bieten, das sie auch im Laden haben», sagt CEO Isler. «Der Kunde soll stöbern und ganze Welten sehen können», sagt er. Das heisst, wer nach einem Fitnessgerät sucht, soll gleichzeitig auch andere Produkte oder Ernährungstipps sehen, die dazu passen. Dadurch will die Plattform Inspiration bieten und nicht nur ein einzelnes Produkt in den Mittelpunkt stellen. Das Ziel für das Jahr 2021? «Stärker wachsen als der Markt.»

Und der wird immer mehr umkämpft. «Wer sich heute behaupten will, musste in der Pandemie umdenken und sich neu orientieren», sagt Isler. «Den führenden Onlinehändlern ist das gut gelungen, für die kleineren Unternehmen wird es hingegen immer schwieriger mitzuhalten.» Vor allem konventionelle Händler im stationären Bereich müssten nun auf den Zug aufspringen und ihr Online-Angebot ausbauen. Dem pflichtet der Digitec Galaxus-Sprecher bei: «Im Zweifel kaufen wir heute viele Produkte lieber online als im Geschäft.» Und noch lieber bestelle man bei Schweizer Händlern. Das sei aber auch logisch. Schliesslich fühle man sich im eigenen Umfeld und mit heimischen Marken am sichersten.