Uhrenindustrie

Ohne Chinesen läuft's nicht: Ein Jahr zum Vergessen für Swatch

Swatch-Gruppen-Chef Nick Hayek

Swatch-Gruppen-Chef Nick Hayek

Der Konzern vermisst Touristen aus China, der Gewinn bricht um die Hälfte ein – doch es gibt Hoffnung für 2017.

In diesem Jahr soll alles wieder besser laufen. Neues Jahr, neues Glück, sagt sich Swatch-Chef Nick Hayek. Denn 2016 ging es ihm ein wenig ab. Vor allem die Chinesen fehlten. Viel weniger Touristen aus China kamen im vergangenen Jahr nach Europa – und auch in die Schweiz.

Da diese nicht nur in hiesigen Hotelbetten schlafen, Liftkarten kaufen und Fondue im Restaurant bestellen – sondern für gewöhnlich auch Schweizer Uhren und Schmuck shoppen, tut ihr Fernbleiben auch dem Swatch-Chef weh.

Gewinneinbruch um 47 Prozent

Als Grund für den Besucherrückgang aus China führt Swatch in erster Linie die erschwerten Einreisebedingungen in den Schengen-Raum an, zu dem auch die Schweiz gehört. Seit kurzem brauchen Chinesen ein Visum, das biometrischen Kriterien genügt – und ein solches bekommt man dort nicht überall.

Viele müssen vor der Schweiz-Reise Inlandsflüge buchen, um an ihren Pass zu kommen – was durchaus von einer Europa-Tour abhalten kann. Neben den Chinesen schenkte im letzten Jahr auch der Besucherrückgang aus Russland ein. Wegen der Sanktionen, die die USA und Europa Russland in Folge der Annexion der Krim auferlegten, blieben auch viele Russen fern.

Swatch traf das hart. Um satte 47 Prozent brach der Gewinn im vergangenen Jahr ein, wie der grösste Schweizer Uhrenkonzern am Donnerstag bekannt gab. Der Umsatz ging um 10,6 Prozent zurück. Analysten hatten zwar mit einem schwachen Ergebnis gerechnet, doch diese Zahlen überraschten die meisten.

Die Ergebnisse für das Jahr 2016 «blieben hinter den Erwartungen zurück, und die Marge von 10,7 Prozent ist auf dem niedrigsten Stand seit 1997», schreibt der Analyst der Bank Vontobel. Die Konsequenz, die Swatch zieht, schmerzt die Aktionäre: Die Dividende fällt um 10 Prozent geringer aus.

Hayek zu Recht optimistisch

Trotz dieses schlimmen Jahres gibt sich der Swatch-Chef optimistisch. Das ist er eigentlich immer – schon zu Beginn des vergangenen Jahres hatte er eine Umsatzsteigerung prophezeit. Doch glaubt man den Analysten, könnte er dieses Mal recht behalten mit seinem positiven Ausblick aufs 2017. Hayek sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, er erwarte eine Einnahmen-Steigerung von sieben bis zehn Prozent – in Lokalwährungen, wohlgemerkt. Das Ergebnis sei letztlich stark von Wechselkurs-Entwicklungen abhängig.

Zu den Chancen des Bieler Konzerns im 2017 schreibt die Zürcher Kantonalbank: «Swatch Group ist zwar bekannt für (zu) optimistische Prognosen.» Der jüngste Branchentrend deute jedoch «darauf hin, dass die Schweizer Uhrenindustrie im Verlaufe des Jahres 2017 wieder zu leichtem Umsatzwachstum zurückkehren könnte».

In der Tat gibt es positive Anzeichen: Die Verkaufszahlen der letzten Monate zeigten vor allem in Asien und im Mittleren Osten steigende Umsätze, heisst es seitens Swatch. Das gelte auch für die Marken im Luxussegment, sodass für das Jahr 2017 in Lokalwährung wieder mit einem gesunden Wachstum zu rechnen sei, «umso mehr dies ebenfalls in den USA und in Europa erwartet wird».

In Sachen USA hatten laut Bloomberg einige Uhrenmacher bereits im vergangenen Monat auf dem Genfer Uhrensalon Andeutungen gemacht: Demnach gebe es Hoffnung, dass Donald Trumps Steuersenkungspläne für Vermögende die Uhrenabsätze ankurbeln könnten.

Gegenüber der Nachrichtenagentur sagte Hayek nun, er hoffe, dass die USA ihre Mittelschicht wieder stärken könnten. «Das wäre gut für die Schweizer Uhrenindustrie.»

Neben Uhren und Schmuck setzt Hayek verstärkt auf Hochleistungs-Batterien für Elektroautos der Swatch-Tochter Belenos. Laut dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» sollen ab März erste Tests in China anlaufen. In zwei bis drei Jahren könne, wenn alles gut gehe, die Zulassung erfolgen.

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