Krebstherapie

Neue, teure Krebsbehandlung ist doch nicht so neu: Novartis zieht Patent zurück

Der Basler Pharmakonzern Novartis hat für die Zelltherapie Kymriah im Oktober vor einem Jahr die Zulassung in der Schweiz erhalten.

Der Basler Pharmakonzern Novartis hat für die Zelltherapie Kymriah im Oktober vor einem Jahr die Zulassung in der Schweiz erhalten.

Die Organisation Public Eye argumentiert, dass es sich bei der Krebstherapie «Kymriah» um keine Erfindung handle, sondern um eine medizinische Dienstleistung. Novartis zieht nun das Patent zurück.

Public Eye wertet es als Erfolg: Im Juli hat die Nichtregierungsorganisation zusammen mit Médecins du Monde beim Europäischen Patentamt in München Einspruch gegen ein Patent für die Krebstherapie Kymriah von Novartis eingelegt. Nun verzichtet der Basler Pharmakonzern auf das Patent.

Kymriah sei kein Medikament, sondern eine medizinische Dienstleistung, argumentiert Public Eye. Tatsächlich wird mit körpereigenen Zellen des Patienten gearbeitet. Den Betroffenen wird Blut entnommen. Die darin enthaltenen Immunzellen werden im Labor modifiziert und vermehrt, damit sie ­zurück im Körper des Patienten den Krebs bekämpfen. Derzeit ist Kymriah zur Behandlung von zwei Blutkrebsarten zugelassen.

Das Verfahren sei nicht von Novartis neu erfunden worden, sagt Patrick Durisch von Public Eye. Kymriah baue massiv auf Vorentwicklungen und die Mitfinanzierung durch öffentliche Institutionen wie etwa Universitäten auf. Das Patent erlaube Novartis eine Monopolstellung, die überrissene Preise ermögliche.

In der Schweiz verlangt Novartis offiziell 370'000 Franken für die einmalige Therapie, was wiederholt für Diskussionen gesorgt hat. Im Juni hatte sich der Pharmakonzern mit mehreren Krankenkassen auf eine Vergütung geeinigt. Laut Novartis zahlen die Kassen deutlich weniger als den offiziellen Preis. Den genauen Preis halten Novartis und die Krankenkassen allerdings unter Verschluss.

Spitäler treiben Entwicklung selber voran

Der Antrag für das Patent sei von Novartis noch vor der eigentlichen Verhandlung am Europäischen Patentamt zurückgezogen worden, sagt Durisch. «Dies zeigt die Angst von Novartis vor einem gefährlichen Präzedenzfall.» Bereits im September habe Novartis einen ähnlichen Patentantrag für Kymriah zurückgezogen. Es sei das erste Mal, dass ein Einspruch durch eine Nichtregierungsorganisation zur Aufhebung eines europäischen Pharmapatents führe, sagt Durisch.

Novartis entgegnet, dass Kymriah durch mehrere Patente geschützt sei – ohne eine genaue Zahl zu nennen. Das von Public Eye angegriffene Patent sei für die weitere Entwicklung und Vermarktung von Kymriah nicht entscheidend. Daher habe man beschlossen, den Antrag zurückzuziehen. Der Entscheid sei zusammen mit der University of Pennsylvania gefällt worden. Die Universität hat Kymriah erforscht und entwickelt. Im Jahr 2012 hat Novartis mit der Uni eine Lizenzvereinbarung für die Entwicklung und Vermarktung von Kymriah abgeschlossen. Inhaber des Patents ist deshalb die Universität, während Novartis die exklusiven Rechte dafür besitzt.

In der Schweiz sind derzeit die grossen Kantons- und Universitätsspitäler daran, eine eigene Plattform für Zelltherapien aufzubauen, die wie Kymriah funktionieren. Dabei gehe es jedoch primär nicht darum, eine Alternative zum Novartis-Produkt anzubieten, weil dieses so teuer sei, sagt Thomas Cerny, Präsident des Verbands Krebsforschung Schweiz.

Die Krebsforschung Schweiz habe inzwischen einen Grundsatzentscheid gefällt, um das Projekt mit drei bis fünf Millionen Franken zu unterstützen. Der genaue Betrag werde im Frühling gesprochen.

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