Luftfahrt

Neue «Öko-Airline» nimmt Zürich ins Visier - mit einer Strategie, die Fragen aufwirft

Der Flughafen Zürich dürfte sich derzeit über jede zusätzliche Airline freuen. Doch wird die neue «Green Airlines» aus Deutschland trotz der Corona-Krise wirklich abheben?

Der Flughafen Zürich dürfte sich derzeit über jede zusätzliche Airline freuen. Doch wird die neue «Green Airlines» aus Deutschland trotz der Corona-Krise wirklich abheben?

In Deutschland geht bald eine neue Fluggesellschaft an den Start. Sie will künftig auch in die Schweiz fliegen. Doch nicht nur die Corona-Krise lässt an den Plänen Zweifel aufkommen.

Eine neue Airline? Und das mitten in der Corona-Krise? Die Meldung, dass kommenden Herbst in Deutschland mit «Green Airlines» eine neue Fluggesellschaft an den Start geht, sorgte vergangene Woche in Branchenkreisen für Furore. Mindestens so überraschend wie der Zeitpunkt ist auch die PR-Botschaft, mit der die neue Firma namens «Green Airlines» wirbt. Denn der Name ist Programm. Wer mit «Green Airlines» fliegt, soll während der Reise kein schlechtes Öko-Gewissen haben. Alle Treibhausgas-Emissionen werden überkompensiert, und zwar um 50 Prozent.

In den Branchenberichten war bisher die Rede davon, dass die Airline von Karlsruhe/Baden-Baden mehrere Male pro Woche nach Berlin und Hamburg fliegen wird. Geplant ist zudem eine zweite Basis am Flughafen Paderborn-Lippstadt. Es kommen nur Ziele in Frage, die per Auto oder Zug nicht unter viereinhalb Stunden erreichbar sind. Nun zeigt sich: Zu den potenziellen Destinationen, die «Green Airlines» anvisiert, gehört auch der Flughafen Zürich. Die Zwingli-Stadt ist auf der Webseite für das kommende Jahr angekündigt.

Umweltbewusste Geschäftsreisende als Kundschaft

Ein genaueres Datum oder die Anzahl geplanter Flüge werden nicht genannt. Dies sei zurzeit angesichts der aktuellen Entwicklungen und den Reiserestriktionen auch nicht möglich, sagt eine Sprecherin. Allerdings sei bereits klar, dass Zürich von Paderborn-Lippstadt angeflogen würde. Zudem werde man auch Verbindungen nach Genf und Basel eingehend prüfen, «wenn die Nachfrage gross genug ist». Zur Zielkundschaft der Airline gehören generell Geschäftsreisende und Unternehmen. In zwei Wochen soll das Buchungssystem online sein.

Allerdings bleibt die Frage: Meinen die das ernst? Nicht nur, dass sich die Aviatik in ihrer schlimmsten Krise aller Zeiten befindet. Aber da wäre auch die Botschaft. So heisst es auf der Webseite: «Denn, wenn wir das WIE des Fliegens besser angehen, hat jeder Passagier das Gefühl, mit seinem Flug etwas Gutes zu tun.» Über die beiden Gründungsmitglieder ist wenig bis nichts in Erfahrung zu bringen, auch nicht auf der Homepage der Firma. Ein ehemaliger Tui-Manager vermutete denn auch kürzlich auf dem Branchenportal Airliners.de, dass es sich beim Projekt um Satire handelt.

Mit diesem Verdacht konfrontiert, sagt die «Green Airlines»-Sprecherin: «Wir sind der Meinung, dass es auch im Jahr 2020 nachhaltige Konzepte in der Luftfahrt braucht.» Da es heute keine marktreifen alternativen Antriebe in der Luftfahrt gebe, würden andere Massnahmen wie die Vermeidung von Plastikabfall, die CO2-Kompensation und die Beimischung von Bio-Kerosin in den Fokus rücken. Danach richte man die Firma aus.

«Swiss Skies» und die tollkühnen Pläne ab Basel

Tollkühne-Aviatikpläne – die gibt es auch in der Schweiz. Im Herbst 2018 präsentierten vier Unternehmer das Projekt «Swiss Skies»: Per Mitte 2019 sollte die neue Airline ab Basel und anderen europäischen Flughäfen abheben. Das Ziel waren 16 Flugzeuge und 100 Millionen Startkapital. Über 5000 Stellen sollten dadurch in der Region entstehen.

Ein Jahr später, im Herbst 2019, sprangen zwei der vier Gründungsmitglieder ab. Und auch heute existiert «Swiss Skies» nach wie vor nur auf dem Papier. Doch trotz Corona lebt das Projekt weiter. Ein Sprecher sagt auf Anfrage, dass das Team «kontinuierlich» weiterarbeite, um attraktive Flüge ab Basel zum Beispiel an die amerikanische Ostküste anbieten zu können. «Wir sind überzeugt, dass der internationale Reiseverkehr wiederaufleben wird und entschlossen, die Chancen in einem veränderten Markt zu packen.»

Meistgesehen

Artboard 1