Beerdigung in Bern, Befruchtung in Basel: Skywork verabschiedete sich am Freitag auf dem Berner Belpmoos für immer. Gleichzeitig stellten die Verantwortlichen von Swiss Skies in Basel ihre Airline-Idee mit 30 Prozent tieferen Preisen auf Langstrecken vor. Eines ist klar: So deutlich wie sich Skywork als Schweizer Airline in den vergangenen Jahren präsentierte, umso europäischer, internationaler ist Swiss Skies gedacht.

Überrascht waren die Verantwortlichen des geplanten neuen Airline-Projekts Swiss Skies. Überrascht davon, wie viel Echo ihre Idee ausgelöst hat. Und wohl auch überrascht davon, dass bereits Kritik am Projekt aufkommt. An einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz sollten Zweifel ausgeräumt werden. Alvaro Oliveira, Philippe Blaise, Harald Vogels und Armin Bovensiepen präsentierten sich als Erfahrene im Airline-Geschäft. Etliche Jahre bewegen sich die vier bereits im Business. Die Zweifel, ob das Projekt überhaupt zum Fliegen kommt, konnten sie aber nicht ausräumen. Neuigkeiten waren rar, Konkretes ebenfalls. Dazu ein Haufen Symbolbilder und Schlagworte. Swiss Skies ist noch nicht über den Status einer Idee gediehen.

Das mag daran liegen, dass man noch am Anfang steht und sich nicht in die Karten blicken will. Aber: Bis Ende Jahr will das Unternehmen 50 Millionen Franken bei Investoren zusammenkratzen. Da muss zumindest gegenüber den Geldgebern wohl mehr geliefert werden.

Einer breiten Öffentlichkeit sind die vier Männer hinter Swiss Skies erst seit dieser Woche bekannt. Bovensiepen ist als ehemaliger Manager bei Air Berlin noch der Bekannteste der vier. Die Idee hinter Swiss Skies entwickelte aber nicht Bovensiepen, sondern sie stammt von Alvaro Oliveira und Philippe Blaise.

Überraschung erstaunt

Dass gestern die vier die Idee einer neuen Schweizer Airline präsentierten, ist ein Zufall. Denn Blaise und Oliveira hätten sich zufällig getroffen, sagt Swiss-Skies-Sprecher Adrian Kohler. Im Gespräch über Veränderungen im Airline-Geschäft entwickelten sie die Idee hinter Swiss Skies. Eine gemeinsame Vergangenheit scheinen die beiden tatsächlich nicht zu haben. Vogels und Bovensiepen hätten sich im erweiterten Umfeld der beiden bewegt. Eingetragen in der 2017 gegründeten Firma CH-Airways, welche im Hintergrund von Swiss Skies steht, sind nur Oliveira und Blaise. Die anderen beiden fehlen.

Oliveira, Schweizer, geboren in Brasilien mit Wohnsitz in Lugano trat an der Orientierung ruhig auf, sprach leise und zurückhaltend. Er habe 29 Jahre Erfahrung in der Branche, als Pilot und Manager. Philippe Blaise, Franzose mit Wohnsitz in Estavayer, arbeitet bei Etihad und Swiss. Er blieb gestern weitgehend im Hintergrund. Hauptsächlich gesprochen hat Bovensiepen. Das hat wohl aber auch damit zu tun, dass er Deutsch spricht. Im Gegensatz zu den anderen.

Die Überraschung der Verantwortlichen darüber, welches Interesse das Projekt auslöst, ist erstaunlich. Denn die Verantwortlichen sind selber auf die «Financial Times» zugegangen. Diese hatte in dieser Woche das erste Mal über Swiss Skies berichtet. Der Auslöser für die Aufmerksamkeit war also selbst geplant. Man wollte sich so ins Gespräch mit Investoren bringen, sagt der Swiss-Skies-Sprecher. Zudem: In letzter Zeit häuften sich Meldungen zu Problemen in der Luftfahrt. Etliche Airlines groundeten, vor allem in Europa. Der Idee, eine Billig-Langstrecken-Airline zu lancieren, kommt als Kontrapunkt logischerweise schon Aufmerksamkeit zu. Und diese Aufmerksamkeit braucht das Projekt, um überhaupt mehr zu werden, als es bis jetzt ist: eine Idee.

Oliveira und seine Mitstreiter betonten am Freitag, dass es sich nur um eine neue Idee handelt. «Wir stellen hier noch keine Airline vor, sondern präsentieren eine Idee», hiess es. Wie die Investorenkonferenz vom Donnerstag ausging, wie viel Geld die Firma bereits zusammenhat: Dies beantworteten die vier nicht. «Heute ist nicht der Zeitpunkt, darüber zu sprechen», sagte etwa Armin Bovensiepen auf die Frage, welche Destinationen neben Basel man noch anzufliegen plane. Auch über andere Dinge wollte gestern niemand sprechen. So zum Beispiel über den Namen. Swiss Skies wird kaum der Name der Airline sein.

Basel ist wohl nur ein kleiner Teil

Neues gabs nur wenig zu hören. Was aber rauskam, hat es in sich. 50 Millionen Dollar wollen die vier bis Ende Jahr zusammenhaben. Danach würde man anfangen, die Airline aufzubauen. Oliveira rechnet mit zehn Monaten, die es braucht, um die Betriebsbewilligung, die sogenannte AOC, zu erhalten. «Der Start ist für das zweite Halbjahr 2019 vorgesehen.» Das beteuerte Oliveira noch einmal.

Bis zu diesem Zeitpunkt müssten auch die zweiten 50 Millionen Franken an Investorengeldern zusammenkommen. Denn die Flugbewilligung AOC gibt es nur gegen einen gesicherten Finanzierungsnachweis. Auch wenn die Konzepte völlig anders sind, hier ist der Vergleich mit der gegroundeten Skywork erlaubt: Als die Finanzierung im vergangenen Jahr nicht zu hundert Prozent sichergestellt war, entzog das Bundesamt für Zivilluftfahrt die Flugbewilligung. Die Folge: Tagelang standen die Flugzeuge still. Viel Geld ging verloren.

Ins Reich der Spekulationen gehören laut Oliveira die Berichte darüber, dass der Flughafen Basel bereits zu fest ausgelastet sei für Langstreckenflugzeuge. Noch gebe es Kapazität zu den besten Start- und Landezeiten, sagte Oliveira. Das dürfte ein Hinweis sein, worauf die Firma am Ende zielt. Basel ist nur ein kleiner Teil der Überlegungen. Vielmehr dürfte sich das Unternehmen an weiteren, ähnlich situierten Flughäfen stationieren wollen. Konkretes gab es aber auch in dieser Frage nicht zu hören.

Dafür präsentierten die vier ihre Ziele. 1,5 Milliarden Dollar Umsatz, 3,8 Millionen Passagiere, 161 Routen, 46 Destinationen, 38 Flugzeuge sollen es sein im fünften Jahr nach dem Start. Profitabel will man ab dem dritten Jahr sein. Entscheidend für den Erfolg seien die neuen Flugzeuge von Airbus. Diese seien ideal für kleinere Märkte im Langstreckenverkehr. Zu den Flugzeugen, für die eine lange Wartezeit besteht, will Swiss Skies über Leasinggesellschaften kommen.